Dienstag, 31. Juli 2018

Verteidiger der Brüder

"Willst du dich aber vor der staatlichen Macht nicht fürchten, so tue Gutes, und du wirst Lob von ihr haben, denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten.
Wenn du aber Böses tust, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut."
Römer 13, 3-4.

Die staatliche Macht ist nur so lange legitim und Gottes Dienerin, solange sie das Gute lobt und das Böse straft. Ändert sich das, so wird staatliche Macht zur Tyrannis und der Ordnungsstaat zur Perversion seiner selbst. Die Tyrannis fängt sich jedoch unweigerlich früher oder später selber Probleme ein.

Andrew Brunston aus Nord Carolina, USA, ist seit rund 20 Jahren Pastor einer Gemeinde im historischen Smyrna, dem heutigen Izmir, damals römisch-griechisch, heute türkisch. (Vor Jahren war ich mal in Izmir und habe dort eine kurze Impulspredigt gehalten, allerdings nicht in Pastor Brunstons Kirche; von dem wusste ich damals nichts).
Momentan hat er es nicht leicht, der Pastor, aber Rettung naht.
Doch der Reihe nach:
Vor zwei Jahren versuchte die eher säkular eingestellte türkische Armee gegen den neuen, streng moslemisch eingestellten starken Mann in der Türkei, Recep Pascha, zu putschen, was gründlich misslang. Erdogan „putschte“ nun seinerseits. Im Zuge der Säuberungen ließ er, dem christliche Aktivitäten naturgemäß ein Dorn im Auge sind, auch Pastor Brunston ins Gefängnis werfen. Er sei ein Spion und Terrorunterstützer, (was sonst?).
Brunstons Tochter Jacqueline sprach im März vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf und verlas eine Note ihres Vaters, in der er darauf hinwies, dass es unstrittig sei, dass er nicht wegen eines Vergehens, sondern wegen seines Glaubens im Gefängnis sitze. (Dieser Menschenrechtsrat ist jedoch ein Witz, wenn man sich mal die Mitgliedsstaaten anschaut).
Nun hat sich Donald Trump in die Affäre eingeschaltet und nicht lange gefackelt. Die USA werden die Türkei wegen der langen und ungerechtfertigten Haft Pastor Brunstons mit massiven Sanktionen belegen. Diese unschuldige Mann des Glaubens sei sofort freizulassen.
In der Tat.
Als amerikanischer Christ im türkischen Knast kann man froh sein, dass dieser sperrige deutschstämmige Milliardär momentan Präsident ist und nicht ein anderer.
Apropos:
Ich kann mich nicht erinnern, dass die deutsche Regierung irgendetwas außer Sprechblasen abgesondert hätte, als 2007 hinten in der Türkei der deutsche Christ Tilmann Geske und zwei türkische Christen von fanatisch antichristlich-moslemischen Nationalisten massakriert wurden. (Ein Leiter im türkischen Justizministerium sagte seinerzeit sogar, Missionsarbeit sei gefährlicher als Terrorismus; er unterstützte die Mörder also moralisch). Die allseits bekannten Täter wurden erst 2016 endlich verurteilt. Spät, aber immerhin.

"Gott aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und sollte er es bei ihnen lange hinziehen?" (Lukas 18, 7).

Montag, 30. Juli 2018

Endlich wieder richtig Sommer

"Du bestellst Finsternis und es wird Nacht. In ihr regen sich alle Tiere des Waldes."
Psalm 104, 20.

In meinem Garten begegnen mir immer wieder Gartenrotschwänze, die wenig scheu vor mir haben. Es ist nicht so, dass sie mir aus der Hand fressen würden, vielmehr hauen sie nicht gleich ab, wenn ich mich bemerkbar mache, sondern hüpfen lediglich einen Ast weiter und schauen mich an.
Ich vermute, das sind die, die vor einigen Wochen in einer Hecke nah beim Haus geschlüpft sind. Aus den blauen Eiern wurden seinerzeit riesige Schnäbel, die sich in Flauschbälle mit Augen verwandelten und eines Tages weg waren. Die kennen mich und mein neugieriges Gesicht vom gelegentlichen Insnestschauen. Sie sind praktisch mit mir groß geworden.

Überhaupt lassen sich zurzeit großartige Naturbetrachtungen anstellen. Jetzt ist nämlich die Blattzeit der Rehe.
Man kann sich, wie ich gestern abend, mit einem Feldstecher bewaffnet auf einen Jägerstand am Waldrand, vor einer Wiese mit Kleebewuchs, setzen und warten bis die Sonne untergeht. Dann kann es sein, dass einem Hasen, Füchse und vor allem Rehe unterkommen. Denn die Böcke treiben die Ricken in eindeutiger Absicht aus dem Wald und steigen ihnen nach. Spannend wird es, wenn ein minderer Bock auftaucht und sich an den Geißen eines Platzbocks zu schaffen macht und diese Geißen dann zu schrecken beginnen, (d. h. sie quietschen).
Falls sich nichts tut, dann macht man einfach selber das Fiepen einer bedrängten Geiß nach und dann kann es sein, dass der Platzbock einen für einen Eindringling hält und selber zu Knören beginnt—und plötzlich auf der Wiese steht und streng um sich blickt wie ein Politkommissar, der die Konterrevolution wittert.
Gestern war es jedenfalls so spannend, dass ich erst um dreiviertel 10 wieder vom Stand heruntergekraxelt bin.
Was man nicht alles erlebt.

"Geht die Sonne auf, ziehen sie sich zurück und lagern sich in ihren Verstecken. Der Mensch geht aus an sein Werk, an seine Arbeit bis zum Abend." (Psalm 104, 22-23).

Freitag, 27. Juli 2018

Reichsbürger? Resistance?

"Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten Autoritäten! Denn es ist keine Autorität außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet."
Römer 13, 1.

„Pastor, in letzter Zeit liest man immer wieder von den sogenannten Reichsbürgern. Es soll so viele davon geben, und viele sollen bewaffnet sein. Sind die gefährlich?“

"Reichsbürger" sind Leute, die den Staat, in dem wir leben, nicht anerkennen, sondern sich als Bürger des Deutschen Reiches betrachten. Für die ist das nicht untergegangen, sondern existiert weiter. Die spaßigeren unter ihnen gründen ihre eigenen Königreiche und vergeben Ausweise.
Man sieht schon, ganz kann man das nicht ernst nehmen.
Ich persönlich halte von dieser Bewegung nichts.
Die Republik in der wir leben, ist die beste, die wir je hatten, und es ist nichts gewonnen, wenn wir diese nun infrage stellen. Vielmehr sollten wir sie verteidigen. Nicht unbedingt gegen kuriose Reixbürger, sondern gegen eine Politik, welche die freiheitlich-demokratische Grundordnung untergräbt, (zum Beispiel indem sie Gesetze nur noch wahlweise und nach Belieben durchsetzt, Kleinigkeiten streng ahndet und schlimme Dinge hingegen lasch; so ruiniert man einen Rechtsstaat). In einer Demokratie macht man das indem man wählt.
Ein überragender Vorteil der Demokratie ist nämlich, dass man seine Regierung auf unblutige Weise wieder los wird, wenn sie einen nicht mehr zusagt. Die Reichsbürger sollen sich in der Reichsbürgerpartei zusammenschließen und sich Wahlen stellen. Dann wird sich zeigen, ob ihr Staatsbild mehrheitsfähig ist.

Was die öffentliche Diskussion über diese Leute angeht: Heute muss man der Presse nicht mehr alles glauben, das Internet ist erfunden und man kann bestimmte Daten bis zur Quelle zurückverfolgen, zum Beispiel die über die rechte Radikalität dieser Polit-Exoten.
Man klickt einfach rüber und schaut im Verfassungsschutzbericht nach.
Demnach sind etwa 900 von mehr als 16.500 Reichsbürgern rechtsradikal. Mehr nicht. Die anderen hegen lediglich Wunschträume von der Selbstverwaltung. Manche erklären ihr Grundstück zum Ministaat. Wie gesagt, im Grunde eine Farce.
Etwa 1200 haben eine waffenrechtliche Erlaubnis, also nicht einmal 10 %. Und diese Gruppe wird medial zu einer schwerbewaffneten, dunkel dräuenden Miliz hochgejazzt.
Ich weiß nicht.
Könnte es sein, dass hier ein Feindbild aufgebaut werden soll, um bestimmten Leuten ohne echte Begründung die Waffen wegnehmen zu können?

In der Bibel finden sich unterschiedliche Haltungen zur Obrigkeit. Römer 13, 1, (der obige Vers), ist deswegen nicht absolut zu setzen.
Für Mose war der Pharao ein Tyrann, dem es zu widerstehen galt.
Für Paulus, den römischen Bürger, war Rom eine Schutzmacht, die ihn vor Verfolgungen und Nachstellungen von Juden und Griechen bewahrt hat. Nicht immer, (Philippi), aber meistens, (Korinth, Ephesus...). Spätestens unter Nero wandelte sich der römische Staat jedoch vom Beschützer des Rechts auch der Christen sporadisch zum gnadenlosen Verfolger des jungen Glaubens. Während Paulus die römische Obrigkeit lobt, weissagt Johannes ihr in Offenbarung 17-18 Qual und Trauer, Gericht und Verderben.
Wobei die Christen stets gewaltlos blieben.
300 Jahre später, als das Römische Reich aus dem letzten Loch pfiff, war es nicht der Kaiser, sondern der christliche Bischof von Rom, Leo I, der hinauszog vor die Stadt und mit Attila dem Hunnenkönig verhandelte. Was die beiden genau besprachen, wissen wir nicht. Historische Tatsache ist: Der hunnische Schlächter zog mit seinen Reitern ab, ohne die Stadt zu verheeren.
Die Nachfolger Christi wurden der Stadt, die sie einst verfolgte, zum großen Segen.

Es gibt immer wieder Zeiten, in denen man unpopuläre Meinungen vertreten muss, (d. h. der Wahrheit treu bleiben muss). Das Fähnlein in den Wind zu hängen wäre dann der falsche Weg.

"Du sollst der Menge nicht folgen zum Bösen. Und du sollst bei einem Rechtsstreit nicht antworten, indem du dich nach der Mehrheit richtest und so das Recht beugst." (2 Mose 23, 2).

Mittwoch, 25. Juli 2018

Der Algorithmus und die Manipulation

"Der Einfältige glaubt jedem Wort, aber der Kluge achtet auf seinen Schritt."
Sprüche 14, 15.

Wir sind im Internet ständig mit Bewertungen und Beurteilungen von Produkten, Nachrichten, Artikeln, usw. konfrontiert, die sich zu einem nicht geringen Teil auf Algorithmen stützen. Diese Algorithmen unterliegen wiederum Interessen, d. h. sie sind gesteuert.
Google lässt sich die Anzeigen auf seiner Seite 1 teuer bezahlen, wohl wissend, dass die meisten Sucher den ersten Eintrag anklicken, der ihnen dort angezeigt wird. Seite 2 ist praktisch schon die Gruft. Auf Seite 3 befindet man sich bereits in der Unterwelt.
Facebook und Co. sammeln feste Daten und finden heraus, was unsere Vorlieben sind, damit wir dann mit interessengerechter Werbung beschickt werden können.
Eigentlich clever. Eigentlich gut.
So wird sichergestellt, dass mir zum Beispiel kein Nagellack oder Katzenfutter oder so angeboten wird, sondern Dinge, die meinen vielfältigen, dynamischen und abwechslungsreichen Interessen entsprechen. ;)
Doch hinter diesen Datensammlern stecken natürlich Menschen, die ihren eigenen Blick auf die Welt haben und sie in ihrem Sinn verändern wollen. Manchmal mehr, manchmal weniger. Zur Zeit eher mehr. Früher benutzten reiche Leute Zeitungen und Fernsehsender, um die Ideenwelt ihrer Konsumenten in ihrem Sinne zu prägen. Sie tun das selbstverständlich noch heute.
Und es funktioniert.
Der Glaube kommt aus dem Hören und es ist überhaupt nicht erstaunlich, dass Menschen die Inhalte von einseitigen Zeitungsartikeln nachplappern, ohne sich deren oftmalige Absurdität zu vergegenwärtigen, etwa wenn hinter ihm die Hütte brennt, der Journalist jedoch auf ein Lagerfeuer im Nachbargarten deutet und Zeter und Mordio schreit.
Beispiele spare ich mir diesmal.

Mir ist die tendenziöse Unzuverlässigkeit von Algorithmen nur neulich bewusst geworden, als ich festgestellt habe, dass der Aufruf-Zähler unserer Online-Predigtvideos nicht mehr in Echtzeit mitklickert, sondern nur alle paar Tage upgedated wird—wobei das Updaten offenbar kein Problem ist. Der eingeloggte Kanalmanager sieht die korrekten Daten, die Öffentlichkeit die veralteten. Ersichtlich am Beispiel dieses Screenshots: (Wenn das Bild zu klein ist: einfach anklicken).
Nicht schlimm. Ein Geschmackerl hat's schon. Und es erschwert das spontane Abschätzen der Popularität einer Message. Aber vielleicht ändert sich das ja auch wieder.

Samstag, 21. Juli 2018

Berge oder Meer?

"Tut nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht, sondern daß in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst."
Philipper 2, 3

Nun steht er die Urlaubszeit an und die Frage stellt sich: Geht es in die Berge oder ans Meer?
Wenn der eine in die Berge und der Ehepartner ans Meer will, dann könnte man einen Kompromiss schließen und sich auf einen Ort zwischen Bergen und Meer einigen. Allerdings könnten die meisten dann genauso gut zu Hause bleiben.
Fährt man in die Berge, wird derjenige, der ans Meer wollte, muffelig.
Fährt man ans Meer, wird derjenige, der in die Berge wollte, zum Miesepeter.
Und wegen des Muffels oder Miesepeters kommt der Berg- bzw. Meerliebhaber auch nicht auf seine Kosten.
Was tun?
Wie wäre es, in diesen Dingen keinen Kompromiss anzustreben, sondern dem andern ein Geschenk zu machen? Ein Geschenk ist ja ein freiwilliger Verzicht auf etwas, das ich einem anderen zu seinem Genuss überlasse.
Statt sich darüber zu ärgern, dass man auf die Alm muss, könnte man dem andern quasi einen Bergurlaub schenken. Wenn man dann mit dem anderen zur Kuhglockenmusik über die sieben Berge wandert, fühlt man sich gut und nicht zu kurz gekommen.
Nur ein Vorschlag.

"In der Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend." (Römer 10, 13).

Mittwoch, 18. Juli 2018

Welchen Unterschied macht Gebet?

"Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung."
Jakobus 5, 16

Gestern haben wir gesehen:
Gemeinschaftliches Gebet ist stark. Und selbst Jesus bat Petrus, Johannes und Jakobus darum, in der Stunde seiner Not in Gethsemane, als er "betrübt und geängstigt" war, mit ihm zu wachen. (Matthäus 26, 37). Sie taten es nicht, sondern verschliefen die Gelegenheit.
Und es geziemte Jesus ja auch, völlig auf sich gestellt und ohne Gebetsunterstützung maximale Erhörungen zu erhalten. So hat er das Erlösungswerk von vorn bis hinten selbst und ohne jegliche Hilfe durch Dritte vollbracht. In alle Ewigkeit teilt er diese Ehre mit keinem Menschen, nicht einmal mit den Dreien, die er persönlich extra dazu eingeladen hat.
Er betete und ein Engel kam und stärkte ihn.
Doch zuvor war er schwer am Ringen und betete dreimal dasselbe Gebet. Der Druck verstärkte sich, bis er Blut schwitzte. (Lukas 22, 44). (Der medizinische Fachbegriff lautet Hämhidrose).
Jesus war hier, umgeben von seinen Jüngern, einsam und verlassen.
Sowas gibt's.
Was wäre geschehen, wenn für ihn gebetet worden wäre?
Hätten seine Jünger mit ihm gewacht, so hätte er natürlich noch immer ans Kreuz gemußt. Manche unangenehmen Aufgaben kann man nicht wegbeten. Doch ich bin mir sicher: Blut hätte Jesus nicht schwitzen müssen. Er wäre viel früher durchgedrungen, der Engel wäre schneller gekommen und, wer weiß, vielleicht hätten die Jünger selbst kapiert, was in jener Nacht vor sich ging. Dann hätten sie während der Tage Jesu im Grab selbst weniger gelitten.
Die Beter und der, für den gebetet wurde, wären gesegnet worden.
Jesus sagte ja auch: "Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt." (Matthäus 26, 41). Nicht so leicht in Versuchung zu fallen und Gottes Pläne besser zu verstehen, ist ein Bonus für Fürbitter.

Dienstag, 17. Juli 2018

Gebet macht den Unterschied

"Betet füreinander."
Jakobus 5, 16

Die Apostel Jakobus und Petrus waren mit Johannes die engsten Freunde Jesu. Sie hatten ein besonderes Verhältnis zum Herrn. Dennoch heißt es von Jakobus, daß Herodes ihn eines Tages festsetzte und mit dem Schwert tötete. (Apostelgeschichte 12).
Einfach so.
Als Herodes merkte, daß das ankam, ließ er auch Petrus festnehmen, um ihm einen Schauprozeß zu machen und auch ihn aus dem Weg zu räumen.
"Aber von der Gemeinde geschah ein anhaltendes Gebet für ihn zu Gott." (Vers 5).
Ein Engel erschien und befreite Petrus aus der mit 16 Soldaten bewachten Zelle. Die Gemeinde konnte es gar nicht fassen, als er plötzlich vor der Tür stand und klopfte.
Jakobus starb und Petrus lebte.
Beide hatten ein in gleicher Weise ausgezeichnetes Verhältnis zu Jesus.
Warum starb Jakobus, (obwohl er sogar der Cousin Jesu war), und warum überlebte Petrus?
Für den einen wurde gebetet, für den anderen nicht.
Vielleicht dachten die Christen, Jakobus ist solch ein gewaltiger Mann Gottes, der braucht doch kein Gebet von so Wichten wie uns.
Doch selbst Jesus bat um Gebet, als er seine Jünger in Gethsemane aufforderte, mit ihm zu wachen, da er "sehr bestürzt und geängstigt" war. (Markus 14, 33). Wenn Jesus Gebet wollte, dann ist es allemal angebracht, daß wir auch untereinander füreinander beten.
Dazu morgen noch ein Gedanke.

Freitag, 13. Juli 2018

Der sonderbare Samariter

„Nun spring doch endlich!“ sagte der Samariter zu dem Mann auf der Klippe.
„Aber da breche ich mir doch sämtliche Knochen,“ sagte der Mann.
„Na und?“ entgegnete der Samariter. „Dann lege ich dich über meinen Esel und bring dich in die Herberge. Die haben dort ausgezeichnete Ärzte.“
„Ärzte sind teuer.“
„Ach was!“ Der Samariter winkte ab. „Die kosten dich keinen Pfennig.“
„Wer zahlt?“
„Die dürfen keinen abweisen.“
Der Mann auf der Klippe nickte bedächtig.
„Und überhaupt ist es in der Herberge viel schöner als auf deiner ollen Klippe, wo die heiße Sonne über dich hinwegzieht und der kalte Mond und dann wieder die heiße Sonne und dann wieder der kalte Mond.“
Der Mann auf der Klippe war noch immer nicht überzeugt. Da zog der Samariter eine rote Rettungsweste aus der Tasche und sagte, „Hier, die haben Studenten aus aller Welt in Schweinfurt entwickelt. Extra für dich. Und deine Freunde.“
„Tatsächlich?“ sagte der Mann auf der Klippe.
„Die legst du dir jetzt um und dann springst du,“ sagte der Samariter und warf die Weste hoch. „Hast du verstanden?“
„Wenn du meinst,“ sagte der Mann und steckte seinen Kopf durch das Loch in der Weste.
Eine extra für diesen Zweck angebrachte CO2-Kapsel entlud ihren Inhalt und dann stand der Mann auf der Klippe schön gepolstert da.
Dann sprang er.
Die Weste überlebte den Sprung.
Der Samariter nahm das nunmehr besonders rote Rettungsinstrument an sich und zog schnurstracks weiter zur nächsten Klippe.

"Da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene aufzurichten trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen." (Römer 10, 3).

Dienstag, 10. Juli 2018

Der richtige Blick (ist wichtick)

"Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis."
Hosea 4, 6.

„Hallo Pastor, es gibt Leute, die sagen, dass der Sündenfall etwas Gutes war. Adam sei in die richtige Richtung gefallen. Immerhin sind ihm die Augen aufgegangen. Wie siehst du das?“

Nun ja.
Anders.
Der Sündenfall hat uns aus dem Zustand der Unschuld herausgerissen und ein kompliziertes Erlösungswerk nötig gemacht. Ich bin mir sicher, der Herr hätte darauf gern verzichtet. („Wenn möglich, lass diesen Kelch an mir vorüber gehen.“)
Allerdings hängen nicht nur Mormonen, sondern auch manche Philosophen, Biologen und Ethiker dem obigen Gedanken an.
Es ist so:
Mit dem Sündenfall ist die Menschheit definitiv zu einer neuen Befindlichkeit gelangt. Sie ist jedoch nicht von unten nach oben zu etwas epochal Neuem durchgedrungen, quasi vom unschuldigen Tier, das sich seiner selbst nicht bewusst ist, zum sich seiner selbst bewussten Menschen. Vielmehr hat da ein Abstieg stattgefunden. Gottes veritables Ebenbild wurde zum gefallenen Menschen. Die Entwicklung ging also von oben nach unten, nicht umgekehrt.

Deswegen ist es auch so fatal, wenn man sich heute auf den reinen Humanismus kapriziert. Denn der orientiert sich unweigerlich am gefallenen Menschen, im Gegensatz zum Christentum, das sich am idealen Menschen, (nämlich Jesus), orientiert und ihm nacheifert.
Der Humanismus ohne Gott ist deswegen fatal, weil er noch die größte Abartigkeit des gefallenen Menschen irgendwie zu legitimieren in der Lage ist. Daher rührt auch das größte Problem unserer Zeit: der moralische Relativismus, der gut und böse nicht mehr kennt und trennt, sondern alles toleriert.
Wenn es Gut und Böse nicht mehr gibt, dann wird Toleranz zum einzig gültigen universellen Wert.
Gut und Böse gibt es aber.
Und auch nur einen einzigen Rückabwickler des Sündenfalls:

"Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich." (Johannes 14, 6).

Freitag, 6. Juli 2018

Gott ist näher als du denkst

"Und es geschah, während er sie segnete, schied er von ihnen und wurde hinaufgetragen in den Himmel. Und sie warfen sich vor ihm nieder und kehrten nach Jerusalem zurück mit großer Freude."
Lukas 24, 50-51.

Erstaunlicherweise kehrten die Jünger nach der Himmelfahrt Jesu mit großer Freude nach Jerusalem zurück. Man sollte meinen, die Trennung vom Herrn hätte sie mit Trauer erfüllt, doch nichts dergleichen. Sie kehrten nicht nur mit Freude, sondern mit großer Freude zurück in die Stadt.
Der Herr ist weg und alle freuen sich, wie kann das zugehen?
Die Jünger hatten verinnerlicht, dass Jesus bei ihnen sein würde bis zum Ende des Zeitalters. Auch wenn er jetzt im Himmel war, so war er doch nahe und nicht fern. Gott erhört Gebet. Diese Tatsache hat Jesus ihnen wieder und wieder eingebimst.

Dass er nahe ist, auch wenn er fern scheint, hat Jesus seinen Jüngern schon in Johannes 6 demonstriert. Damals hatte er 5000 Männer, (Frauen und Kinder nicht mitgezählt), gespeist, die ihn daraufhin zum König machen wollten, (Vers 15). Jesus merkt das und trägt seinen Jüngern auf, sich ins Boot zu begeben und abzufahren. Als sie in die Nacht hineinruderten, sahen sie ihn, wie er sich auf den Berg zurückzog, er allein.
Als sie 25 oder 30 Stadien gerudert und also ungefähr mittendrin waren, wurde der See aufgewühlt, da ein starker Wind wehte. (Vers 18). Es war Nacht, es war kalt, es war nass und das Boot stürzte immer wieder ab ins Wellental. Eine schwierige, gefährliche Situation. Mancher Jünger mag sich da gedacht haben, 'Einmal wenn man ihn braucht…'
Jesus war nicht da, als sie ihn brauchten. Sie kämpften allein gegen Wind und See. Sie erinnerten sich noch gut an den Anblick, wie er allein auf den Berg hinaufgestiegen war, wo er nun saß und betete. Er war nicht da.
Er hätte genauso gut im Himmel zur Rechten des Vaters sitzen können.
Da näherte sich ihnen plötzlich ein Geist auf dem Wasser und sie fürchteten sich.
Nicht nur, dass Jesus weg war, nun kam auch noch ein Gespenst auf sie zu!
Doch plötzlich rief das Gespenst, „Ich bin es, fürchtet euch nicht.“ (Vers 20).
Und siehe da, es war kein Gespenst, sondern der Herr, der ihnen zu Hilfe kam. Er war überhaupt nicht auf dem Berg, er war hier bei ihnen, genau dann, als sie ihn brauchten.
Und kaum nahmen die Jünger Jesus ins Boot auf, war das Boot am Land, wohin sie fuhren. (Vers 21). Ihre Plackerei hatte ein Ende.
Lade auch du Jesus in dein Boot ein. Was da auf dich zukommt ist kein Geist, sondern der Herr. Übergibt ihm endlich das Steuer deines Lebens und erlebe, wie er den Sturm stillt und dich dorthin bringt, wo du sein sollst.

"Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist." (1 Korinther 10, 11).

Mittwoch, 4. Juli 2018

Wozu brauchen Drachen Gold?

"Wurzel alles Bösen ist die Geldliebe, nach der einige getrachtet haben und von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben."
1 Timotheus 6, 10.

„Hallo Drache,“ sagte der Ritter. „Ich hab mal eine Frage.“
„Schieß losss,“ raunte der Drache. Dampfwölkchen fuhren aus seinen Nüstern.
„Ihr Drachen seid für eure riesigen Goldschätze bekannt. Wozu braucht ihr die eigentlich? Ich meine, hier in deiner Höhle hast du doch keine Verwendung dafür. In den Laden gehen und dir etwas kaufen kannst du auch nicht. Und wenn du auf den Markt gehst, laufen alle davon und du kannst dich umsonst bedienen. Also, wozu brauchst du das ganze Gold?“
„Weil ich ein Angler bin,“ sagte der Drache.
„Das wäre mir neu,“ sagte der Ritter.
Der Drache verdrehte die Augen. „Das Gold sorgt dafür, dass mein Essen zu mir kommt, sodass ich hier nicht raus muss. Ich find's hier nämlich ganz gemütlich.“
„Jetzt kapier ich,“ sagte der Ritter.
„Außerdem bin ich auf meine alten Tage nicht mehr so gut zu Fuß,“ sagte der Drache „Spaziert also ein Ritter herein, dann lasse ich ihn den Goldschatz sehen, damit er sich tüchtig freut, bevor ich ihn mit meinem Feueratem anblase. Das wirkt sich positiv auf den Geschmack aus. Ich muss ihn dann nur noch aus der Rüstung pulen. Ihr Menschen kennt das ja von den Krabben.“
„Und du hast keine Angst, dass mal ein Ritter kommt und dich zur Krabbe macht?“
Der Drache lachte verhalten. „Nein mein Lieber, das habe ich nicht. Dein Schwertlein ist meiner Feuerwalze nicht gewachsen.“
„Wenn du dich da mal nicht täuschst,“ sagte der Ritter und erschlug den Drachen.
„Oh,“ sagte die Echse als sie verröchelte. „Das hatte ich so nicht erwartet.“
„Ich bin nicht dein Schlachtschaf,“ sagte der Ritter und wischte sein Schwert sauber. „Für mich gelten andere Regeln.“ Er war nämlich im Auftrag seines Herrn unterwegs.
„Und ich dachte …“ sagte der Drache. Dann sagte er nichts mehr.
Mit dem Drachengold finanzierte der Ritter ein Heim für Drachenjungfrauen, die nach ihrer Rettung nicht wussten wohin. (Er konnte ja nicht jede heiraten). Und da er nicht gestorben ist, fürchten sich die Drachen noch heute von ihm.

"'Wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden.' Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat." (Römer 8, 36-37).