Samstag, 30. April 2016

1 Thron für 2

„Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in der Himmelswelt in Christus Jesus.“
Epheser 2,6.

Jesus lässt uns mitsitzen in der Himmelswelt.
Was da so lapidar und leicht überlesbar daherkommt, ist in Wirklichkeit eine absolut revolutionäre Ansage.
Denn wo sitzt Jesus?
Auf dem Thron zur Rechten des Vaters!
Dieser Thron ist ausgestattet mit den umfassendsten Vollmachten, die man sich denken kann. Denn Jesus sagte schließlich: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“ (Matthäus 28,18). Um zu klären, was das genau bedeutet, heißt es im Hebräerbrief 2,8: „Indem er [Gott] ihm [Jesus] alles unterwarf, ließ er nichts übrig, das ihm nicht unterworfen wäre.“ Auch wenn wir jetzt noch nicht alles ihm unterworfen sehen, so macht dieser Vers doch klar, wo der Hammer hängt.
Und da wir auf dem Thron Jesu mitsitzen, haben auch wir Zugriff auf diesen Hammer.
Zumindest theoretisch.
Es ist leider wahr, dass die Christenheit in ihrer Gesamtheit sich nicht über ihre große Vollmacht im klaren ist. Sonst sähen wir regelmäßig wesentlich dramatischere Gebetserhörungen.

Was ist nötig, um mit Jesus zu herrschen?
Ich greife dazu noch einmal die Begebenheit aus dem letzten Post auf: Jesus offenbarte seine göttliche Herrlichkeit, indem er, auf dem Wasser wandelnd, seine notleidenden Jüngern entgegenkam. Wir wissen nicht, wieviele Personen genau sich in jener Nacht in diesem Boot auf dem sturmbewegten See befanden. Sehr wahrscheinlich waren es wesentlich mehr als nur die Zwölf.
Doch nur einer „herrschte“ in dieser Nacht mit Jesus. Nur einer teilte seine Herrlichkeit. Nur einer bezwang den Sturm genauso wie der Herr.
Petrus.
Petrus tat in jener Nacht, zusammen mit Jesus, was nur Gott tun kann: Er ging auf dem Wasser.
Wie kam er dazu?
Als er gewahr wurde, dass es in der Tat der Herr (und nicht der Klabautermann) war, der da auf den tobenden Wassermassen zu ihnen kam, als er also den Herrn etwas besonderes tun sah, bat er darum, dasselbe tun zu dürfen.
Petrus sah Jesus etwas tun und wollte dasselbe tun.
Dies artikulierte er in einem Gebet, wenn man so will.
Er wartete, bis ihm die göttliche Antwort erreichte: „Komm!“ Vorher ging er nicht.
Nun war der Ball wieder bei ihm. Nun war er gefordert. Er musste handeln. Angesichts des Windes und der Wellen brauchte Petrus Kühnheit.
Kühnheit.
Denn es gehört schon was dazu, auf ein einziges, nacktes Wort einer nur schemenhaft wahrnehmbaren Person, die man nicht hundertprozentig identifizieren kann, hin zu handeln. Ein Restrisiko bleibt.
Doch Petrus legte es drauf an und schwang kühn seine Beine über die Reling.
Sicherlich warnten ihn die ängstlicheren Seelen an Bord: „Petrus! Spinnst du? Du kannst doch hier nicht… Du nimmst dein Leben in deine Hand! Denk an deine Frau, deine Kinder, deine Schwiegermutter! An uns! Wir stehen da wie Feiglinge, wenn du jetzt hier als einziger auf dem Wasser läufst. Mach keinen Quatsch!“ Usw., was Zauderer halt so sagen.
Doch Petrus ließ sich nicht beirren und ging Jesus kühn entgegen.
Und wurde dessen Vollmacht und Autorität über die Gezeiten teilhaftig.

Gehorsam.
Glaube.
Kühnheit.
Diese drei machen das Unmögliche möglich.

Jesus identifiziert sich mit dir.
Identifizierte du dich auch mit ihm und habe Teil an seiner Vollmacht.
Gott brennt darauf, deine Gebete zu erhören.
Kannst du das glauben?

„Dem aber, der über alles hinaus zu tun vermag, über die Maßen mehr, als wir erbitten oder erdenken, gemäß der Kraft, die in uns wirkt, ihm sei die Herrlichkeit in der Gemeinde und in Christus Jesus auf alle Geschlechter hin von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“
Epheser 3,20-21.

Donnerstag, 28. April 2016

Wenn Gott vorübergeht

„Als er sie beim Rudern Not leiden sah, denn der Wind war ihnen entgegen, kommt er um die vierte Nachtwache zu ihnen, indem er auf dem See einherging. Und er wollte an ihnen vorübergehen.“
Johannes 6,48.

Was Jesus da tut, nämlich auf dem Wasser zu gehen, kann nur Gott.

Er hatte seine Jünger am Abend angewiesen, ans andere Ufer hinüberzufahren, während er selbst die Volksmenge, die ihn gerade wieder mal zum König hatte machen wollen, entließ. Der Grund war diesmal gewesen, dass er 5000 Männer, ohne Frauen und Kinder, mit Brot und Fischen gespeist hatte. Davor hatte er ihnen gepredigt und ihre Kranken geheilt.
Ein Messias, der die Kranken heilt und die Hungrigen speist, ersetzt Krankenversicherung und die Notwendigkeit zu arbeiten. Kein Wunder, dass sie ihn zum König machen wollten.
Doch Jesus wusste, dass der beste Gesetzgeber nichts ausrichtet gegen die gefallene menschliche Natur. Die zu beseitigen war sein vorrangiges Ziel.
Egal.

Jesus kommt also um 3:00 Uhr morgens auf dem See zu seinen sich abkämpfenden Jüngern—und will an ihnen vorübergehen!
Offenbar hat er wirklich geglaubt, seine Jünger würden die dunkle Gestalt, die auf dem dunklen Wasser im Sturm da auf sie zukam, ohne weiteres als ihren Herrn identifizieren.
Denn wer sonst konnte tun, was er da tat?
Er hat ihnen den Befehl gegeben, zu fahren. Sie sind in seinem Willen.
Im Willen Gottes zu sein heißt nicht automatisch, keine Mühen mehr zu haben.
Doch die Antwort auf ihre Seenot nähert sich. Aber statt im Glauben zu reagieren, sind die Jünger bestürzt und halten ihn für den Klabautermann.
Sie erkennen nicht, dass es Jahwe, der Ich Bin ist, der im Begriff steht, an ihnen vorüberzugehen.
Als Jesus nämlich ihre Bestürzung sah, sagte er sofort, „Seid guten Mutes! Ich bin's. Fürchtet euch nicht!“ Eigentlich sagte er jedoch nicht „Ich bin's“, sondern „Ich bin!“ Ego eimi im Griechischen, hebräisch: Jahwe.

Im 2. Mose 33,18-23 bittet Mose den Herrn, ihm seine Herrlichkeit zu zeigen. Und Gott geht darauf ein. Im 2. Mose 34 6 stellt er Mose in eine Felsspalte des Sinai, tritt aus der Dunkelheit, geht an ihm vorüber (!) und ruft „Jahwe, Jahwe, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue.“

In 1. Könige 19 passiert fast genau dasselbe noch einmal. Hier steht Elia in einer Felsenhöhle, (derselben?). Wie auf dem See, so fährt auch hier ein Sturmwind herum, es blitzt und scheppert, und dann kommt der Herr und geht an Elia vorüber.

Gott tut sowas ziemlich selten. Die Jünger in ihrer Angst erfassten gar nicht, in was für einer privilegierten Position sie sich befanden. Sie sahen die manifeste Herrlichkeit Gottes in Aktion.

Hiob hat übrigens Jesus auf dem Wasser geweissagt. (Hiob 9,8-11). Er sprach von Gott, „...der die Himmel ausspannt, er allein, und schreitet auf den Wogen des Meeres; der den Großen Bären gemacht hat, den Orion und das Siebengestirn und die Kammern des Südens; der so große Dinge tut, daß sie nicht zu erforschen, und Wundertaten, daß sie nicht zu zählen sind.

Siehe, er geht an mir vorüber, und ich sehe ihn nicht; und er zieht vorbei, und ich bemerke ihn nicht.“

Geht es uns nicht manchmal genauso?
Derjenige, der uns da im Geheimen begleitet, ever ready to save, ist der Herr und nicht der Klabautermann.

Dienstag, 26. April 2016

Die PaKo und das Teichhuhn

„HERR, ich liebe die Wohnung deines Hauses und den Wohnort deiner Herrlichkeit. Mein Fuß steht auf ebenem Boden. Den HERRN werde ich in Versammlungen preisen.“
Psalm 26, 8+12.

Dieser Tage war ich auf einer Pastorenkonferenz in Stuttgart. Es ist immer wieder gut, alte und neue Bekannte zu treffen und sich auszutauschen, und zu hören, was den Sprechern so auf dem Herzen liegt. Es scheint ganz gut zu laufen im Land und wir alle haben uns an der Gegenwart des Herrn erfreut.

Andreas Herrmann hat nach einer Predigt von Peter Wenz noch einen kleinen Heilungsgottesdienst angehängt, bei dem sich wieder wunderbare Dinge ereignet haben. Sogar seine eigene Frau, (die von Andreas), wurde vom Herrn angerührt und bezeugte ihre spontane Heilung von einer schon länger anhaltenden Sache in den Händen, die sie mit Cortison zu behandeln versucht hatte. Nun ist sie wieder frei. Preis dem Herrn.
Andreas wird am letzten Wochenende im Mai zu uns kommen und auch hier bei uns im CGZ Heilungsgottesdienste abhalten. Das wird prima werden.

In der Nähe des Konferenzortes befindet sich außerdem der Höhenpark Killesberg, indem ich während der länglichen Pausen am Nachmittag ein wenig spazierengegangen bin. Teile davon sind bepflanzt mit Tulpen und anderen Frühblühern, alles wunderbar farblich abgestimmt in rot und blau und gelb und orange, so dass es so richtig eins auf die Netzhaut gab.
In den Teichen tummelten sich Stockenten, Kanadagänse und Nilgänse—und Flamingos. Zu meiner großen Überraschung erkannte ich sogar ein seltenes Grünfüßiges Teichhuhn, das plötzlich aus einem Teich heraus auf uns zugelatscht kam, so dass ich es mir auch genau anschauen konnte!
„Seht hin auf die Vögel des Himmels...“ (Matthäus 6,26).
Der Herr hat Humor.

Mittwoch, 20. April 2016

Analoge Perspektiven

„Du, der Quellen entsendet in die Täler: Zwischen den Bergen fließen sie dahin. Sie tränken alle Tiere des Feldes, die Wildesel stillen ihren Durst. An ihnen wohnen die Vögel des Himmels, aus dichtem Laub lassen sie ihre Stimme erschallen.“
Psalm 104, 10-12.

Egal wo man hinschaut, egal wo man geht und steht, man begegnet Menschen, die auf ihre Taschentelefone stieren.
Dabei entgeht einem so manches, wenn man nicht auch mal die Augen aufhebt und den Blick ein wenig schweifen lässt.
Vor einigen Wochen blickte ich zufällig aus meinem Fenster und sah einen riesigen Vogel, wie er am Himmel elegant seine Kreise zog. Fasziniert, und weil er so gar nicht weiterfliegen wollte, kramte ich schließlich meinen Feldstecher aus dem Schrank und stellte ihn scharf.
Es war eine Gabelweihe, ein Roter Milan, der dort so majestätisch und erhaben nach Beute Ausschau hielt. Ein wunderschönes Tier. Ich hab's direkt bedauert, als er dann doch weiter flog.
Seither bin ich ab und zu mit dem Fernglas unterwegs und blicke zu Vögeln auf oder auf Rehe runter, (wenn ich auf dem Hügel stehe und sie im Tal). Der Bach glitzert unten und riesige weiße Holzschnitzel liegen herum, denn der Biber hat mal wieder Bäume gefällt, (300 m von meinem Haus entfernt marodiert nämlich hin und wieder ein besonders geschützter Biber, der bachaufwärts zwei stattliche Burgen unterhält).
Mittlerweile kann ich sogar eine Bachstelze von einem Buchfink unterscheiden. Wer hätte das gedacht? Ich stelle jedenfalls fest: Heute interessieren mich Dinge, die mich in der Vergangenheit nicht im geringsten interessiert haben. Die analoge Welt, die Gott gemacht hat, kann ganz schön interessant sein.
Eine vollkommene Ästhetik liegt auf Flora und Fauna.
Sie lässt einen seine Herrlichkeit erahnen.
Selbst im gefallenen Zustand.

Donnerstag, 14. April 2016

Erdogan und Böhmermann: Der Streit eskaliert

„Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar.“
Matthäus 5,38-39.

In diesem Satz aus der Bergpredigt geht es Jesus nicht um Selbstverteidigung. Die ist berechtigt, wie man etwa aus diesem Satz Jesu unschwer ableiten kann: „Wenn der Hausherr gewußt hätte, in welcher Wache der Dieb kommt, so hätte er wohl gewacht und nicht zugelassen, daß in sein Haus eingebrochen wird." (Matthäus 24,43).
Jesus predigt vielmehr gegen Eskalation.
Beim Schlagen auf die Backe handelte es sich um eine Beleidigung, nicht um einen ernsten tätlichen Angriff. (Ein echter Schlag kann einen auf die Bretter und weiter ins Krankenhaus schicken. Dann kommt man gar nicht mehr dazu, dem Schläger auch noch die andere Backe hinzuhalten).

Erdogan ist natürlich kein Christ. Er folgt Jesus nicht nach. Deshalb lässt er Böhmermanns idiotisches Schmähgedicht nicht auf sich beruhen, sondern verlangt von der deutschen Regierung, Böhmermann wegen Majestätsbeleidigung anzuklagen, und hat vorsichtshalber gleich noch selbst Anzeige beim zuständigen Amtsgericht erstattet, falls die deutsche Regierung nicht mitspielt.
Ich halte Herrn Erdogan für einen Despoten und ungemütlichen Zeitgenossen und wünsche mir, andere, demokratische, gemäßigte, freiheitliche Kräfte würden in seinem Land das Ruder übernehmen. Doch mir fällt nicht im Traum ein, die Schmähkritik an ihm für große Kunst oder brillante Satire zu halten und zu verteidigen. Denn was da verteidigt werden soll, ist nicht die Freiheit, sondern die Zügellosigkeit. Die beiden sind nicht dasselbe.

Die westliche Zivilisation, wie sie sich heute darstellt, hat gravierende Probleme.
Nichts ist mehr heilig.
Die Verehrung Gottes, wie er sich in Jesus geoffenbart hat, und die Anerkennung seiner Moral, wie sie sich in den 10 Geboten und der Bergpredigt darstellt, wurde ersetzt durch die Verehrung für den gefallenen Menschen und dessen „Werte.“
Und die sind bekanntlich relativ.
Zum Schluss ist man so verblendet, dass man übelste Schweinereien verteidigt, als wären sie das Evangelium. Das Evangelium selber hält man jedoch für veraltet und modernisierungsbedürftig.
Als ob Gott sich ändern würde.
Er ist Jahwe, der Ich Bin: Für immer derselbe.
Er ist der Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist, noch eines Wechsels Schatten. (Jakobus 1,17). Das macht ihn übrigens zu einer berechenbaren Größe: Was Jesus zu biblischen Zeiten gut fand, findet er noch heute gut. Er ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit. (Hebräer 13, 8).
Doch „Ehre, wem Ehre gebührt“, (Römer 13,7), soll heute nicht mehr gelten, und Gott schon gar nicht.

Vulgarität grassiert, nicht zuletzt ablesbar an unsäglichen Kinofilmtiteln.

Auch das Leben ist nicht mehr heilig.
Waren vor wenigen Jahren Journalisten noch überwiegend gegen Abtreibung eingestellt, so halten sie es heute für einen Skandal, wenn etwa ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat sich gegen diese monströse Praxis ausspricht. Und den Alten und Kranken macht man die Sterbehilfe, den sozialverträglichen Selbstmord, schmackhaft, indem man ihn „selbstbestimmtes Sterben“ nennt.
Es sagt viel über eine Gesellschaft aus, wie sie mit ihren Ungeborenen und ihren Alten umgeht. Deren Tötung ist hier und heute eine Option—oder soll zumindest eine sein.
Man darf sich dann nicht wundern, wenn man eine Gesellschaft bekommt, in der es zugeht wie von Paulus in den letzten Versen von Römer 1 beschrieben.

Glücklicherweise gibt es aber noch eine starke, wachsende, lebendige Gemeinde Jesu Christi in unserem Land, die als Salz und Licht dem Wahnsinn entgegenwirkt.

„Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und Heilung ist unter ihren Flügeln. Und ihr werdet hinausgehen und umherspringen wie Mastkälber.“ (Maleachi 3,20).

Dienstag, 12. April 2016

Böhmermann, Erdogan und die Höflichkeit

"Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern nur eins, das gut ist zur notwendigen Erbauung, damit es den Hörenden Gnade gebe."
Epheser 4, 29

Mir ist bewusst, dass man Nichtchristen nicht mit christlichen Maßstäben beurteilen kann und darf. Der Mensch kann—dauerhaft—nicht anders als sich seinem innersten Wesen gemäß zu verhalten und Jesus sagte einst, „Ihr seid aus dem Vater XY und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun.“ Wenn also der Komiker Jan Böhmermann ein strunzdummes und schweinisches Gedicht über den sensiblen türkischen Präsidenten Erdogan im zwangsgebührenfinanzierten Fernsehen vorliest, dann handelt er nur seiner Natur gemäß und kann nicht anders.

Die ganze Republik scheint nun darüber zu diskutieren, (speziell im gerne selbstreferentiellen GEZ-TV), ob das öffentliche Vorlesen von in höchstem Maß beleidigenden Gedichten durch Satiriker nicht doch eine wunderbare Freiheit ist, die es um jeden Preis zu verteidigen gilt, nach dem Motto „Je suis Böhmermann.“ Denn zweifellos ist der despotische und selber recht unhöfliche Herr Erdogan kritikwürdig.

Deshalb breche ich heute mal eine Lanze für die Höflichkeit.

Höflichkeit ist ein kostbares Gut. Denn mit der Höflichkeit machen sich die Menschen einander erträglich. Sie ist das Schmiermittel der Zivilisation. Selbst solche, die von ihrem Naturell her partout nicht miteinander können, halten es miteinander aus, solange sie sich höflich begegnen. Völlig egal, was ich über den anderen denke—oder er von mir denkt—wenn ich höflich bleibe, bleibe ich für den anderen—und er für mich—erträglich.
Sind meine Mitmenschen erträglich, ist mein Leben erträglich.
Sind wir untereinander höflich und respektvoll, dann kommt richtig gute Laune auf.
Macht sich jedoch allüberall die Unhöflichkeit breit, dann stellen sich in uns unweigerlich Mobbingopfergefühle ein, die früher oder später in stille Verzweiflung münden.
Oder in laute.
Meistens aber in stille.
Gott ist eine höfliche Person. Die Frucht seines Geistes, wenn er in uns wirken darf, ist: „Liebe, Friede, Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“ (Galater 5,22). Eine solche Person verströmt das Aroma des Himmels wo immer sie hinkommt.
Wie Jesus.
Unser Vorbild.

"Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt. Ihr sollt wissen, wie ihr jedem einzelnen antworten sollt." (Kolosser 4, 6).

Freitag, 8. April 2016

Ein Name Gottes: El Roi

„Da nannte sie den Namen des HERRN, der zu ihr geredet hatte: Du bist ein Gott des Sehens (hebr. El Roi).“
1. Mose 16,13.

Es gibt Situationen, in denen wir, oft selbstverschuldet, in der Wüste sitzen, und uns ungeliebt und ausgeschlossen fühlen. Und Gott scheint weit weg zu sein.

Hagar ging es genau so.
Sie war eine ägyptische Magd, die es in die Dienste der Frau des Patriarchen Abraham, Sara, verschlagen hatte. Sara konnte keine Kinder bekommen, was sie irgendwann auf die ziemlich bekloppte Idee brachte, ihrem Mann ihre Magd als Nebenfrau anzubieten. Sollte diese ein Kind in die Welt setzen, dann würden Abraham und Sara einfach so tun, als ob es das ihre sei.
Brilliant.
Als Hagar dann in der Tat schwanger war, wurde sie furchtbar hochmütig und ihre Gebieterin wurde gering in ihren Augen. Dies führte zu einem ziemlichen Zickenkrieg im Hause Abrahams. Denn Sara ließ sich dieses Verhalten nicht gefallen und trietzte Hagar—bis diese schließlich durchbrannte.
Hagar saß bald erschöpft, allein, verzweifelt und hungrig—und schwanger—in einem fremden Land an einem unbekannten Brunnen irgendwo in der tiefsten Prärie. Wenn Sie in die Zukunft blickte, dann graute ihr.
Denn sie hatte keine.
Zumindest keine erfreuliche.
Und das alles wegen Sara.
Und Abraham!
Klare Sache: Die beiden hatten ihr Leben ruiniert!
Sie fühlte sich ganz zurecht ungeliebt und ausgeschlossen. Doch niemand außer ihr selbst war schuld an diesem Dilemma. Denn es stimmt schon: „Vor dem Verderben kommt Stolz, und Hochmut vor dem Fall.“ (Sprüche 16,18). Jakobus setzt in 4,6 direkt noch eins drauf, indem er sagt: „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.“
Von Gnade sieht Hagar keine Spur.
Es ist eins, Probleme zu haben. Es ist noch mal etwas anderes, wenn Gott einem widersteht.
Das weiß Hagar natürlich, schließlich hat sie lange genug im Haus eines Propheten gelebt. Und nun sitzt sie in der Wüste und bläst Trübsal. Sie fühlt sich verlassen von den Menschen und Gott ist weit weg.

Doch nur weil Gott einem mal ein bisschen widersteht, heißt dies nicht, dass er einen aufgibt. Er ist bekanntlich an Wiederherstellung interessiert. Wäre dies nicht so, wäre er nie auf die Erde gekommen, um die Menschen zu erlösen.

Plötzlich spricht ein Fremder sie an, der verblüffenderweise weiß, wie sie heißt: „Hagar, Magd Sarais, woher kommst du, und wohin gehst du?“ (1. Mose 16,7). Na, wie läuft's denn so?
Es ist der Engel des Herrn, doch Hagar erkennt ihn nicht. Die Engel Gottes können nämlich auftreten wie ganz normale Menschen, wenn sie wollen.
Verblüfft wischt Hagar sich die Tränen ab und sagt ihm mit einem Satz die ganze Wahrheit: „Vor Sara, meiner Herrin, bin ich auf der Flucht.“
Da blickt diese faszinierende Person sie durchdringend an und sagt mit einer Stimme, deren Autorität sie sich nicht entziehen konnte, „Kehre zu deiner Herrin zurück und demütige dich unter ihre Hände.“
Hagar holt tief Luft. Sie will protestieren.
Doch der Engel fährt fort und sagt, „Ich will deine Nachkommen so sehr mehren, dass man sie nicht zählen kann vor Menge. Siehe, du bist schwanger und wirst einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Ismael geben, denn der HERR hat auf dein Elend gehört.“ (Ismael bedeutet „Gott hört“).
Nachdem der Engel ihr so eine Zukunft gegeben hat, wendet er sich und geht von dannen.
Während Hagar noch über seine Worte nachdenkt, fallen plötzlich Verzweiflung, Elend und Druck von ihr ab. Eine nie gekannte Zuversicht verströmt in sie hinein. Was ist da nur los?
Ihr wird schlagartig klar, dass sie soeben eine Begegnung mit Gott gehabt hat.
Sie blickt ihm hinterher.
„Da nannte sie den Namen des HERRN, der zu ihr geredet hatte: Du bist El Roi! (Ein Gott des Sehens).“
Obwohl sie, hochmütig, selbstverschuldet in Probleme geraten war, obwohl sie sich einsam und verlassen und ausgestoßen und ungeliebt gefühlt hatte, und obwohl Gott so fern geschienen hatte, war er doch die ganze Zeit bei ihr gewesen, hatte sie beobachtet und war im richtigen Moment aus dem Dunkel getreten, um ihr eine Zukunft zu geben.
Sie handelte auf sein Wort hin und kehrte zu Sara zurück.
Und sein Wort erfüllte sich.

Gott sah Hagar.
Er sieht dich erst recht.
„Denn des HERRN Augen durchlaufen die ganze Erde, um denen treu beizustehen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist.“ (2. Chronik 16,9).

Dienstag, 5. April 2016

Besonnenheit und Hilfe

„Brüder, seid nicht Kinder am Verstand, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am Verstand aber seid Erwachsene.“
1. Korinther 14,20.

In den letzten Monaten sind viele Menschen aus vielen Ländern und aus vielen Gründen in unser Land hineingeströmt. Viele haben herzzerreißenden Geschichten von Flucht und Vertreibung zu erzählen.

Manche geben freimütig zu, vor Schulden in ihrem Heimatland geflohen zu sein. Wären sie nicht geflohen, säßen sie jetzt im Gefängnis, und man kennt ja die Gefängnisse in diesen Ländern...
Die Schulden seien unvermittelt durch einen Schicksalsschlag entstanden. Doch das interessiere die Gerichte daheim nicht. Dabei sei das Problem eigentlich gar nicht so unlösbar. Wenn man ihnen, den unschuldig in Schulden Geratenen, nur ein wenig hülfe, mit nur ein paar tausend Euro, etwa 10 oder 20, gerne mehr, dann könnten sie zurückkehren, ihr Geschäft weiterführen, und würden dann auch das geliehene Geld in kürzester Zeit zurückzahlen können...

Wenn eine herzensgute, hilfsbereite alleinstehende christliche Frau zu mir käme, und mir eine solche Geschichte über ihre wichtigste neuere Bekanntschaft, nämlich einen verzweifelten, alleinreisenden, mittellosen Herrn aus fremdem Land, erzählen würde—oder wenn ein alleinstehender Christ mir eine solche Geschichte über eine junge gutaussehende Frau mit Kind aus fernem Land erzählen würde—dann würde ich denen empfehlen, die Behauptungen ihrer bezaubernden und so fotogen leidenden Gesprächspartner aufs genaueste zu prüfen und erstmal über das existenzielle Maß hinaus keine Hilfestellung zu leisten. (Falls überhaupt nötig. Die Aufgabe der Daseinsvorsorge für solche Leute hat ja der Staat an sich gezogen).

Ich habe da nämlich schon vor Jahren wunderbare Christen getroffen, die sich von wenig skrupellosen exotischen Bekanntschaften nach Strich und Faden ausnehmen ließen.
Vorher ist man blind, hinterher ist man klüger.

Ich bin nicht hartherzig, wenn ich auf sowas hinweise. Du bist frei. Du kannst deine Ersparnisse geben, wem du willst, auch Leuten, deren Namen du nicht buchstabieren kannst und von denen du nichts weißt, weder woher sie kommen noch wohin sie gehen. Doch ich sag mal: Diese Menschen brauchen deinen Jesus, um mit ihrer Schuld und ihren Schulden fertig zu werden, und nicht dein Sparschwein.

„Seid nun klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben.“ (Matthäus 10,16).