Donnerstag, 31. August 2017

Linke Backe/rechte Backe

„Und nicht ein Haar von eurem Haupt wird verloren gehen.“
Lukas 21, 18.

„Pastor, Jesus ist ja ganz nett, aber dass man die andere Backe hinhalten soll, wenn man eine geschallert bekommt, ist Mist. Wenn mir einer blöd kommt, dann kriegt er eine—“

Sich nicht zu wehren schafft man nur, wenn man glaubt, dass Gott für einen kämpft.
Wer nicht glaubt, dass Gott für ihn kämpft, muss selber kämpfen.
Manchmal ist das durchaus angebracht, es kommt aber auf die Situation an. (Jesus selbst sprach vom Hausherrn, der gewacht hätte, wenn er gewusst hätte, wann der Dieb kommt, um nicht zu erlauben, dass sein Haus durchgraben würde. (Lukas 12, 39). Sich zu verteidigen ist legitim).

Jesus selbst hat vor dem Sanhedrin nicht die andere Wange hingehalten, als er geschlagen wurde. Er hat vielmehr protestiert. (Johannes 18, 23).
Allerdings hat er erlaubt, erst von der Tempelpolizei, dann von Herodes und anschließend von den römischen Soldaten beleidigt, bespuckt, geschlagen, verspottet, gegeißelt, beraubt und entkleidet zu werden.
Da hat er sich nicht gewehrt.
Vielmehr wusste er, dass in dieser Situation leiden angesagt war. Denn er wurde von seinen jüdischen Überlieferern um seines Glaubens willen verfolgt, (weil er sich selbst Sohn Gottes genannt hatte). Die Römer machten nur die Drecksarbeit.
Jesus wusste, dass der Vater ihn nicht im Stich lassen würde.
Er wusste auch, dass dieses sein Leiden einem höheren Zweck diente.
Er wusste und wir wissen heute: Das Kreuz war ein Altar und Jesus war das Sühneopfer für die Sünden der Menschheit.
Freiwillig.
Als das erledigt war, stand er von den Toten auf. Und nicht ein Haar von seinem Haupt war verloren gegangen.

Sein Leiden führte des weiteren zu einem akuten inneren Leiden des Mobs, der vor Pilatus geschrien hatte, „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“, als der ihn losgeben wollte. 40 Tage lang schlichen die Menschen von Jerusalem mit einem furchtbar schlechten Gewissen durch ihr Leben. Sie hatten einen guten Mann ermorden lassen, den besten den es gab. Nun, nachdem der Hass und der Wahn verflogen waren, erinnerten sie sich daran, dass er ihre kranken Verwandten geheilt hatte, dass er Mutlosen mutgemacht hatte, dass man um ihn herum den Himmel auf Erden erleben konnte.
Und nun war er tot.
Und sie waren schuld.
Dann predigte Petrus am Pfingsttag die Auferstehung Jesu und packte sie bei ihrem schlechten Gewissen: „Gott hat ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt!“
„Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder.“ (Apostelgeschichte 2, 36-37).
„Tut Buße!“ rief Petrus, „und lasst euch taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden.“
Und die Urgemeinde war geboren. Sie bestand aus Menschen, die Jesus noch vor kurzem lautstark den Tod gewünscht hatten.
Sich im richtigen Moment nicht zu wehren, sondern Schläge würdevoll einzustecken, setzt geheimnisvolle Kräfte frei.

„Ich denke, daß die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.“ (Römer 8, 18).

Montag, 28. August 2017

Die sommerliche Stille der Häuser auf dem Lande

„Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel!“
4 Mose 24, 5.

Es ist Sonntagnachmittag.
Ich sitze auf der Terrasse und lasse mir die Sonne auf den Bauch scheinen. Frau und Tochter sind in die Ferne entfleucht, eine Freundin hat sie mir entführt.
Heute morgen graste hundert Meter hinter meinem Haus ein knallrotes Schmalreh mit wackelnden Ohren, und nun schwelgt die Natur neben meinem Liegestuhl im Blütenrausch. Lilien duften, Engelstrompeten packen ihre Instrumente aus und stimmen sich ein, der Oleander legt sich mächtig ins Zeug. Viele der bunten Knäuel, Trichter und Sonnen auf ihren Stielen kenne ich gar nicht mit Namen.
Der Tomatenstrauch ächzt schwer unter seiner roten Last.
Wenn ich die Augen halb zukneife und nach links rüberblicke, dorthin, wo sich die Sonne in den Scheiben spiegelt, bei den Kakteen—der größte Kaktus ist immerhin mehr als einen Meter hoch—dann könnte ich mir mit etwas Fantasie einbilden, ich läge irgendwo auf einer Veranda in Arizona herum.
Oder in Texas.
In der Ferne heult ein Kojote und irgendwo spielt jemand Banjo; Hufgetrappel ertönt, ein Indianerpfeil zischt vorbei und steckt zitternd in einem Baum…
Ich mache die Augen wieder auf.
Mein Privatparadies ist umgeben von einer großen Hecke, die einen denken lässt, hinter ihr begönne der Wald. Da liege ich also und genieße das Leben. Ich bin nicht ganz so spärlich bekleidet wie Adam, trage aber nur unwesentlich mehr. Sieht mich eh niemand.

Und da passiert es!
Es raschelt und im nächsten Moment taucht aus dem Nichts ein Eichhörnchen auf meiner Terrasse auf. Es nimmt mich überhaupt nicht war, denn es hoppelt schnurstracks auf mich zu. Einen Meter vor meiner Liege verharrt es und schnüffelt am Boden. Es schaut mich mit seinen schwarzen Knopfaugen treuherzig an. Irgendetwas kommt ihm spanisch vor. Es hopst zum Terrassenrand, verschwindet im Wacholderbusch und im nächsten Moment taucht es wie Käpt'n Nemo aus dem grünen Meer am oberen Waldrand auf.

Kaum ist der braune Puschel verschwunden, summt eine strahlend blaue Libelle heran. Ob es nun eine Prachtlibelle oder eine Flussjungfer ist, weiß ich nicht, da ich gerade kein Lexikon zu Hand habe, und sie sich nicht bei mir niederlässt. Ich vermute aber, dass es eine Helm-Azurjungfer ist. Ein entsprechender Bach fließt an unserem Haus vorbei.

Ich schlappe durch das Gras, werfe den Biomüll auf den Kompost und wer schwirrt um mich herum wie der Doppeldecker um King Kong?
Eine Hornisse.
Hornissen sind wenig aggressiv. Wenn man keinen Streit mit ihnen anfängt, lassen sie einen in Ruhe. Prompt setzt sich das schwarz-gelbe Panzertier auf ein Blatt, das da im Kompost liegt, und nun kann ich sie eingehend studieren. Schüchtern wie sie ist, verschwindet sie bald im Innern des Komposthaufens und ich schlenderte wieder zurück auf meine Terrasse.

Ich gieße die Blumen und wende mich dem hart arbeitenden Ziertomatenstrauch zu, als ein Eidechslein, kaum acht Zentimeter lang, aus seinem Schatten tritt und mir die Zunge bleckt. Auch dieses kleine Tier ist die Ruhe selbst. Es verschwendet keinen Gedanken an Flucht. Ich frage mich, ob das kleine Vieh durch die offene Tür ins Wohnzimmer wandern wird und erinnere mich an Geckos, die ich in Hotelzimmern auf dem indischen Land und sogar im Himalaya vorgefunden habe. Das sind dort prima Mückenvertilger und man lässt sie gewähren. Doch meine Echse überlegt es sich anders und watschelt auf den niederen Bewuchs am Rand der Terrasse zu, wo der Minidrache im Dschungel verschwindet.
Ich schließe die Augen, lehne mich zurück und grinse. Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Urlaubsparadies gleich hinterm Haus anfängt?

„Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (1 Mose 1, 31).

Donnerstag, 24. August 2017

Das Kreuz mit dem Sabbat

„Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr durch das Gesetz [des Mose] gerechtfertigt werden wollt. Ihr seid aus der Gnade gefallen.“
Galater 5, 4.

Jaja, der Sabbat.
Es gibt Christen, die sich über die Maßen an das Sabbatgebot gebunden fühlen. Warum das so ist, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht weil dies ein so leicht zu haltendes Gebot ist. Wenn ich es halte, bin ich okay vor Gott. Ich kann diese Denkungsart nachvollziehen. Sie ist unkompliziert und der Mensch hat gern äußerliche Gewissheiten.
Wir werden jedoch durch den Glauben im Herzen gerettet.

Weil ich immer wieder Zuschriften zu diesem Thema bekomme, poste ich hier mal meine letzte Antwort, die ich jemandem zu dieser ewig wiederkehrenden Frage geschrieben habe, (man lernt ja selber auch nie aus):

Liebe/r XY,

Jesus sagt, wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden, wer nicht glaubt, wird verdammt werden. (Markus 16). Vom Sabbat steht da nichts. Ihn nicht zu halten, führt nicht zur Verdammnis. Sonst wären Millionen Christen in der Geschichte verlorengegangen und auch heute deswegen verdammt, denn die wenigsten halten den jüdischen Sabbat ein. (Meines Wissens tun das nur jüdische Christen).
Wir werden aus Gnade durch das Blut Christi gerettet, nicht durch gesetzliches Sabbathalten.

Die Frage ist längst geklärt.
Die Apostel beriefen einst ein Konzil ein, weil manche Judenchristen darauf bestanden, Heidenchristen müssten sich beschneiden lassen. (Auch so ein Thema). Überhaupt müsse man ihnen gebieten, das Gesetz Moses zu halten, (auch den Sabbat).
Petrus sprach sich dagegen aus. “Was versucht ihr Gott, ein Joch auf den Hals der Jünger zu legen, das weder unsere Väter noch wir zu tragen vermochten?”
Paulus und Barnabas erzählten, wie sich die Heiden bekehrt hatten und Gott Wunder getan hatte—ohne Beschneidung und Sabbathalten.
Dann stand der Apostel Jakobus auf, der Pastor der Gemeinde in Jerusalem und Bruder Jesu. In Apg 15, 19 beschließt Jakobus die Konferenz mit dem Vorschlag, die Heidenchristen mögen “sich enthalten von den Verunreinigungen der Götzen und von der Unzucht und vom Erstickten und vom Blut.”
Vom Sabbat steht da auch nichts.
Dieser Beschluß wurde dann unter allen Christen zirkuliert. Wörtlich schrieben die Apostel: “Es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen als diese notwendigen Stücke: euch zu enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, so werdet ihr wohl tun. Lebt wohl.” (Apostelgeschichte 15, 28-29).

Paulus sagt in Kolosser 2, 16: “So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats.” Wer am Sonntag ruht statt am Sabbat, soll gefälligst nicht von anderen gerichtet werden.
Wir sollen sechs Tage arbeiten und an einem Tag ruhen, wie Gott dies in 1 Mose 1 vorgemacht hat.
Bei den Christen hat sich der Tag der Auferstehung, der Sonntag, als Tag des Herrn durchgesetzt. Das ist völlig in Ordnung.
Ob er am Sabbat oder an einem anderen Tag ruht, oder gar nicht, (wie Jesus manchmal), liegt bei jedem selber. So ist Römer 14, 5 zu verstehen.
Jesus ist Herr auch des Sabbats: Er kann ihn halten oder auch nicht. Was er tut, ist richtig, denn dann hat er wichtige Gründe dafür. Wenn er seinen Jüngern einmal nicht verbietet, am Sabbat für ihr Essen zu arbeiten, dann ist es nicht verboten.
Auch die Begebenheit mit David zeigt: Es gibt wichtigeres, als sklavisch den Sabbat zu halten. Hier: seinen Männern Brot zu geben.

Ich halte es für wesentlich wichtiger, diese gottgegebene Arbeitsstelle anzunehmen und zu arbeiten, als auf dem Sabbat zu bestehen. Immerhin sagt Paulus, “Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.” (2 Thessalonicher 3, 10).

So steht's geschrieben.

Dienstag, 22. August 2017

Bedingungsloses Grundeinkommen?

„Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun.“
2 Mose 20, 9.

„Pastor, verschiedener deiner Aussagen entnehme ich, dass du einen bedingungslosen Grundeinkommen kritisch gegenüberstehst. Was sollen denn dann die Armen machen oder die, die keine Stelle finden?“

Jesus sagte selbst in Markus 14, 7: „Die Armen habt ihr allezeit bei euch.“ Es wird also immer Arme geben. Er fügte auch sogleich hinzu: „Und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen wohltun.“ Bedürftigen zu helfen ist für eine christlich geprägte Gesellschaft selbstverständlich.

Was wir in der Bibel nirgendwo finden ist ein Recht auf immerwährendes Nichtstun auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung, (denn irgendwer muss dieses bedingungslose Grundeinkommen ja erwirtschaften).
Vielmehr hören wir, wie Jesus in Matthäus 25, ab Vers 14, über Talente spricht, die ein Herr seinen Knechten überlässt, damit diese damit Handel treiben und Gewinn machen. Unschwer ist zu erkennen, dass der Herr Gott ist und die Talente Eigenschaften sind, die Gott uns Menschen gegeben hat. Mit diesen Pfunden sollen wir nun wuchern.
Denn eines Tages werden wir vor dem Herrn stehen und uns zu rechtfertigen haben, was wir mit unseren Talenten und unserer Zeit gemacht haben.
Derjenige Knecht, der sein Talent vergrub und nichts daraus machte, wurde vom Herrn unnütz genannt und hinausgeworfen. (Vers 30).

Bei Gott arbeiten alle.

Selbst Millionäre, die aufgrund ihrer Vermögenssituation ihr Lebtag keinen Finger mehr krummachen müssten, sollen ihre Zeit nützlich verbringen. Auch ihnen gilt das Arbeitsgebot. Wer's nicht glaubt möge Lukas 16 lesen, wo Jesus über den reichen Mann und den armen Lazarus spricht. Der Reiche „lebte alle Tage fröhlich und in Prunk.“ (Vers 19). D. h. er ruhte sieben Tage und arbeitete an keinem, (da er offenbar auf seiner Bank ein bedingungsloses Grundeinkommen hatte). Als er nach seinem Tod im Hades die Augen aufschlug, war er in Qualen.

Natürlich ist Gott nicht gegen Urlaub.
In Israel gab es Feste des Herrn, die teilweise eine Woche dauerten. Es gab das Sabbatjahr und das Jubeljahr, in denen schweißtreibende Arbeit eine untergeordnete Rolle einnahm.
Jesus selbst sagte seinen Jüngern als sie von einem Missionsreise zurückkamen, „Ruht ein wenig aus.“ (Markus 6, 31). Dann fuhr er mit ihnen über den See Genezareth, den Volksmengen davon.
Doch grundsätzlich gilt, was Paulus unmissverständlich und deutlich zu den Thessalonichern sagte:

„Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.
Denn wir hören, daß einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nicht arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie im Herrn Jesus Christus, daß sie in Stille arbeiten und ihr eigenes Brot essen.“ (2 Thessalonicher 3, 11-12).

Nichts schmeckt so gut wie rechtschaffen selbstverdientes Brot.

Mit Kanonen auf volksverhetzende Spatzen

„Auch in deinen Gedanken fluche nicht dem König und in deinen Schlafzimmern fluche nicht über den Reichen! Denn die Vögel des Himmels könnten die Stimme entführen und was Flügel hat, das Wort anzeigen.“
Prediger 10, 20.

Volksverhetzung ist eine schlimme Sache.
Wenn sich ein selbstsicherer General (wie einst Caesar oder Bonaparte) oder ein populärer Politiker (wie einst Thälmann oder Hitler) vor die Massen hinstellt und die andere Seite pausenlos bis ins Bodenlose herabwürdigt, (wie die Medien den ollen Trump), dann kann das Hassgefühle im Volk erzeugen. Oder Überlegenheitstendenzen.
Wenn er dann zu einem geeigneten Zeitpunkt seine fanatisierten Nachfolger zu robusten Taten aufruft und, Säbel in der Hand, im Fackelschein vor den mistgabelschwingenden Horden auf den Palast zumarschiert, dann kann es zu spät sein.
Dann kann es zur Revolution kommen.
Deswegen bewahre man das Volk davor, verhetzt zu werden.

Momentan ist jedoch nicht mehr nötig, das Volk tatsächlich zu verhetzen, um wegen Volksverhetzung verurteilt zu werden. Das Volk kann gelangweilt gähnen: Ein bescheuerter Post auf irgendeiner obskuren Webseite, die kein Mensch je liest, reicht heute schon.
Denn Denunzianten mögen vielleicht verhasst sein. Diese stets die richtige Gesinnung signalisierenden Tugendbolde sterben trotzdem nicht aus. Früher haben sie Frauen als Hexen denunziert, Juden oder Klassenfeinde angezeigt, heute durchforsten sie in ihrer scheinbar reichlich vorhandenen Freizeit das Internet, um dort falsche Meinungen auszumerzen. Die Denunzianten. Diese aufrechten Streiter für Recht und Gerechtigkeit.

Was ist geschehen?
Abermals wurde jemand im Gericht unserer Stadt wegen Volksverhetzung verurteilt. Diesmal zu 20 gemeinnützigen Arbeitsstunden und 1750 € Geldstrafe. Das ist ganz schön happig. Für neun (9) Worte unerwünschter Meinungsäußerung.
Was war das Verbrechen?
Die (mir völlig unbekannte) Küchenhilfe hatte irgendwo im Internet einen in der Tat unsäglichen Post abgelassen. Ich werde ihn hier nicht wiedergeben, so widerlich ist er. Er reflektiert auch in keinster Weise meine eigene Meinung. Niemand sollte so über seine Mitmenschen reden. (Es ging darin um ein bestimmtes Lager und Duschen und Migranten).

Die Werbezeitung, der ich diese Informationen entnehme, hatte jedoch überhaupt keine Bedenken, diesen unsäglichen Post, alle neun Worte, am Anfang ihres Artikels in voller Länge zu zitieren.
Offenbar glauben die Redakteure dieser Werbezeitung überhaupt nicht an die volksverhetzende Kraft dieser Worte.
Sonst hätten sie sie ja nicht Wort für Wort gebracht.
Hätte dieser Post wirklich die ihm unterstellten schädlichen Kräfte, müsste man ihn sofort zensieren, indem man ihn eben NICHT zitiert. Man müsste ihn einschließen, diesen Post, und hinter ihm die Tür verriegeln, damit ihn nie mehr jemand zu Gesicht bekommt.
Stattdessen zitieren die den Quatsch wortwörtlich. Und das bei einer Auflage von 221.400 Exemplaren. Ich behaupte, erst die Zeitung hat diesen volksverhetzenden Post einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht.
Ist dieses Werbeblatt nun Handlanger für Volksverhetzung?
Oder nur Pranger?

Staatsanwalt und Richter war natürlich angemessen entsetzt (über die Küchenhilfe, nicht über die massenweise Verbreitung des Posts durch die Zeitung), und verurteilten sie zu einer Strafe, die meines Erachtens in keinerlei Verhältnis zur Tat steht. Es entsteht vielmehr der Eindruck einer juristischen Normen-Übererfüllung: Ein loses Mundwerk zu Ausländern oder Asylanten darfst du auf keinen Fall haben. Auch wenn du vielleicht tatsächlich ihr Opfer geworden sein solltest. Dieses Vorgehen wird jedoch, fürchte ich, nicht das gewünschte Ergebnis zeitigen. Denn die richtige Gesinnung kann man nicht herbeistrafen. Dazu müsste man ehrliche Überzeugungsarbeit leisten und auch Unangenehmes deutlich benennen.
Und Positives deutlich unterstreichen. Denn das gibt's ja auch. Es waren mutige Moslems, die den palästinensischen Spontan-Dschihadisten, der am 28.7.2017 in einem Hamburger Edeka die Leute abstach, gestoppt haben. Unter diesen Migranten sind auch ganz feine Leute, die niemandem Böses wollen. Und nicht wenige, die in der Tat zu Jesus finden.
Zurück zu unserer Küchenhilfe.
Was hätte man mit ihrem idiotischen Post machen sollen?
Löschen. Augenblicklich.
Die Frau ermahnen: „Beim nächsten Mal...“ Und heimschicken. Denn sie ist in keinerlei Position, das Volk zu verhetzen. Dazu fehlen ihr die Leser, die Hörer, das Programm, die Mittel. Und wohl auch der Horizont.

Es gibt im Internet durchaus Orte, an denen tatsächlich gehetzt wird, wo im Ernst zu robusten Aktionen aufgerufen wird. Li nksunten.ind ymedia.org fällt mir spontan ein. Nach Lektüre der richtigen Posts, verfasst von den richtigen Leuten, gehen dann tatsächlich Autos in Flammen auf. (Siehe Hamburg, Schanzenviertel, anlässlich des G 20 Gipfels). Von diesen Seiten liest man erstaunlicherweise kaum.
Da könnte man Volksverhetzung erkennen. Warum lässt man die gewähren?
Gut, die sind nicht ganz so harmlos wie gewisse Küchenhilfen mit ihren unsäglichen neun Worten. Warum Feuerteufel angreifen, wenn andere Frucht, an der man rigoros Gerechtigkeit demonstrieren kann, so niedrig hängt?

Dem gottlosen alten Voltaire wird die Aussage zugeschrieben: "Ich mag deine Meinung nicht teilen, doch ich würde dafür sterben, daß du sie sagen darfst."
Nun ist mir klar, daß ein idiotischer Auschwitzpost keine verteidigungswürdige Meinung darstellt. Trotzdem beunruhigen mich solche Urteile. Meinungsfreiheit ist ein kostbares Gut. Wir haben hierzulande keine besonders belastbare Tradition der Meinungsfreiheit. Die wahre Gefahr geht von besser organisierten Gruppen aus. Darum: Verliert nicht Maß und Ziel beim Bestrafen abscheulicher, aber wohl nicht ernstgemeinter Internetmeinungen einzelner.

Manch einer sollte sowieso viel weniger posten.

Für uns Christen gilt jedenfalls:
„Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern nur eins, das gut ist zur notwendigen Erbauung, damit es den Hörenden Gnade gebe.“ (Epheser 4, 29).

Dienstag, 15. August 2017

Der 23. September!!!

"Denn er spricht: "Zur angenehmen Zeit habe ich dich erhört, und am Tage des Heils habe ich dir geholfen." Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils."
2 Korinther 6, 2.

"Pastor! Hast du gehört, was am 23. September passieren wird? Da erfüllt sich am Himmelszelt Offenbarung 12. Die Frau mit dem Sternenkranz bekommt ihr Kind und—"

Ja, ich habe davon gehört. (Wie könnte ich nicht. Youtube biegt sich ja durch unter der Last von Videos zu diesem Datum). Sehr interessant, was da unter den Sternen so passiert. Doch ich für meinen Teil denke nicht, daß sich da heilsgeschichtlich allzuviel tun wird.
Warum?
Weil wir schon alles haben, was wir zum gottgefälligen und siegreichen Leben brauchen.
Wir brauchen keine "Durchbrüche" mehr: Jesus ist bereits durchgebrochen. Wir müssen ihm nur noch nachgehen. Gebetserhörungen sind möglich, wenn wir das tun. Wir sind weniger die kämpfende als vielmehr die triumphierende Gemeinde. Heute ist der Tag des Heils, an dem Gott Gebet erhört. HEUTE. Nicht irgendwann in der Zukunft.
Zu denken, uns fehlt noch was, verunmöglicht es, kraftvoll zu glauben. Es war nicht zur Zeit Jesu besser, es wird nicht in der Zukunft besser sein. Schon heute ist es gut. (Wer es fassen kann, der fasse es, oder lese die Apostelgeschichte).
Natürlich wird es noch besser, wenn wir mit Jesus wieder vereint sind. Doch die Zwischenzeit ist eine Zeit der persönlichen Reifung. Unsere Probleme dienen nicht zuletzt zur Charakterschulung. Gott möchte, daß wir Jesus immer ähnlicher werden. Dazu gibt er uns Gnade und Kraft, Probleme zu überwinden. Das ging Jesus nicht anders.
Außerdem muß die Welt gewonnen werden. (Zumindest die, die sich retten lassen wollen). Dazu sind Anstrengungen nötig.

Am 23.9.2017 werden sich bestimmte Sternbilder bedeutungsvoll arrangieren.
Sicherlich interessant.
Solche "Zeichen am Himmel" gibt's immer mal wieder. Man hat ja auch den sogenannten Blutmonden viel Bedeutung zugemessen. Apropos blutrot: Speer schreibt in seiner Biographie (und Wetterwarten in ihrem Bericht), daß die Berge um den Obersalzberg in einem schier unnatürlichen Blutrot leuchteten, an dem Abend als Hitler sich zum Überfall auf Polen entschloß, (was bekanntlich den 2. Weltkrieg auslöste, den blutigsten aller bisherigen Kriege des Menschengeschlechts). Man dachte damals an ein Omen, was es natürlich auch war.
Doch das Zeichen, auf das ich warte, ist ein Blitz, der den Himmel spaltet:
"Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein." (Matthäus 24, 27).
Darauf gibt's am 23.9. keine zwingenden Hinweise.
Leider.
So müssen wir weiterhin so leben, daß wir jederzeit bereit sind für den Moment seiner Ankunft.

"Wacht also! Denn ihr wißt nicht, an welchem Tag euer Herr kommt." (Matthäus 24, 42).

Donnerstag, 10. August 2017

Bibelkommentar, Band 1, erschienen!

"Diese aber waren edler als die in Thessalonich; sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob dies sich so verhielte."
Apostelgeschichte 17, 11.

Habe gestern nunmehr den ersten Band meines Volksbibelkommentars veröffentlicht. Er wendet sich nicht (nur) an Akademiker, sondern an alle Christen, die sich in der Kürze der Zeit einen dennoch profunden Überblick über wichtige Personen und Begebenheiten der Bibel verschaffen möchten.
In Band 1 geht es um die Schöpfung, Adam und Eva, Kain und Abel.
Er ist zunächst nur als E-Buch erhältlich. Doch die nächsten Bände sind schon in Vorbereitung. Wenn ich mit Lot fertig bin, bringen wir einen gedruckten ersten Band heraus, der dann bis Lot geht. (Momentan bin ich bei Abraham, Henoch und Noah sind bereits fertig).

Wer will, kann sich das Buch hier mal anschauen:
Bibelkommentar, Band 1.

"Das Gras ist verdorrt, und die Blume ist abgefallen, aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit." (1 Petrus 1, 24-25).

Mittwoch, 9. August 2017

Waldemar Sardaczuk kommt ins CGZ!

„Gedenkt meiner Fesseln.“
Kolosser 4, 18

Gestern hat mich Waldemar Sardaczuk angerufen und wir sind übereingekommen, dass er am Sonntag, 24. September 2017, um 10:30 Uhr im CGZ sprechen wird.
Preis dem Herrn.
Bruder Sardaczuk ist ein legendärer deutscher Prediger, der, obwohl über 80, noch immer eifrig das Wort Gottes verkündigt. Bekannt wurde er 1972, als er das Aktionskomitee für verfolgte Christen gründete und für die Freiheit von eingekerkerten Predigern im Ostblock demonstrierte. Sogar der Spiegel berichtete über ihn.
Der Ostblock ist Geschichte, das AVC gibt's immer noch.
Es wurde zum e.V. und ist heute ein vielschichtiges Missions- und Sozialwerk, das auch wir monatlich unterstützen.
Ich freue mich, dass Bruder Sardaczuk bei uns vorbeischauen wird. Was für ein Privileg.

Dienstag, 8. August 2017

Das christliche Abendland und die Moral

„Gerechtigkeit erhöht eine Nation, aber Sünde ist die Schande der Völker.“
Sprüche 14, 34.

Ich kenne jemanden, der bis vor nicht allzulanger Zeit regelmäßig zum Bauern ging, um dort seine Milch zu kaufen. D. h., der Bauer selber trat überhaupt nicht in Erscheinung. Die Person zapfte die Milch selber und steckte das Geld dafür in einen Behälter, der dort herumstand. Prima Sache.
Das ist heute anders.
Personen aus einem Kulturkreis, die unbewacht herumstehende Geldbehälter traditionell als Beute betrachten, haben dem Bauern die Laune verdorben.
Das ist bedauerlich.
Der Bauer konnte verfahren wie eingangs beschrieben, weil die meisten Menschen, denen er seine Milch verkaufte,  im Kindergottesdienst gelernt hatten, dass man nicht klaut. Auch wenn der Bauer nicht hinschaut, Gott sieht. Vor ihm muss sich jeder eines Tages für seine Taten verantworten. Und überhaupt: „Was du willst, dass man dir tu, das füge du auch andern zu.“ (Oder so ähnlich). In Millionen Herzen steckt das noch drin.
Andere glauben, wenn sie einen unbewachten Geldbehälter sehen, ihr Gott schenke ihnen hier eine leichte Beute. Das ist natürlich kompletter Unfug. Aus biblischer Sicht und auch vom gesunden Menschenverstand her betrachtet.
Denn:
Nun muss der Bauer einen Kassierer anstellen, der verhindert, dass er beklaut wird. Der kostet Geld. Wer bezahlt den?
Ich als Kunde.
Der Preis der Milch steigt also.
Doch angenommen, der Produzent ist auch nicht ehrlich? Um den Schaden durch Plünderer abzumildern und aus Gewinnsucht, schüttet der Bauer Wasser in die Milch. Die Milch ist damit teurer und schlechter geworden.
Und wer bezahlt das Wasser?
Ich als Kunde.
Ich merke natürlich, dass da gepanscht wurde und rege mich auf: „Wir brauchen Lebensmittelinspektoren!“
Wer bezahlt diese Inspektoren?
Ich als Kunde.
Doch wenn der Bauer und der Milchkunde korrupt sind, warum sollte der Inspektor nicht auch korrupt sein? Es dauert nicht lange, da kapiert der neu eingestellte (und aus seiner Sicht natürlich völlig unterbezahlte) Inspektor, dass er Macht hat. Er verlangt nun vom Bauern ein Handgeld, sonst zertifiziert er ihn nicht. Zahlt der Bauer nicht, lässt der Inspektor ihm eben die Milch versauern. Und der Bauer zahlt.
Wer zahlt im Endeffekt das Bestechungsgeld?
Ich als Kunde.
Ich bezahle also für die Milch, den Kassierer, das Panschwasser, das Bestechungsgeld und den Bürokraten. Weder Kassierer noch Wasser noch Schutzgeld noch Bürokrat machen mit der Milch etwas, das deren Wert in irgendeiner Weise steigert. Der italienische Eisdielenbetreiber dagegen macht aus Milch Speiseeis. Doch das kann ich mir nicht mehr leisten. Die Milch war schon teuer genug.
Wegen meiner Korruption, (wäre ich denn so ein gehirnamputierter Geldbehälterdieb).

Im gegenwärtigen Korruptionsranking von Transparency International rangiert Deutschland auf Platz 10, (von 176 Nationen). Ganz vorn liegt Dänemark. Auf Platz 18 die USA, auf Platz 28 Israel, China und Indien gemeinsam auf Platz 79 (mit Weißrussland und Brasilien), Russland und die Ukraine auf Platz 131, Nordkorea, Südsudan und Somalia beschließen die Liste nach unten.
Interessanterweise sind die am wenigsten korrupten Länder bis auf Singapur allesamt protestantisch geprägt.
Der Glaube an die Bibel und an den Jesus der Bibel machen eben einen kulturellen Unterschied. (Selbst Singapur stand lange unter britischer Verwaltung).

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ (1 Mose 16, 13).

Donnerstag, 3. August 2017

Bibel und Nationalismus

„Und er hat aus einem jede Nation der Menschen gemacht, daß sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, wobei er festgesetzte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnung bestimmt hat, daß sie Gott suchen, ob sie ihn vielleicht tastend fühlen und finden möchten, obwohl er ja nicht fern ist von jedem von uns.“
Apostelgeschichte 17, 6 20-27.

Nationalisten sind bekanntlich dumpf und dröge. EU-Befürworter hingegen haben internationales Flair, sind weltoffen und bunt. Deswegen muss das Konzept „Nation“ überwunden, die Vereinigten Staaten von Europa hingegen gefördert werden. (Dass die USE dann auch wieder irgendwie eine Nation sind—noch dazu eine, in der die Bürger einander nicht verstehen—blenden wir jetzt mal aus).
Nun hat der säkulare Nationalismus tatsächlich etwas Chauvinistisches an sich. Wir erinnern uns an Willem II: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen! Hurra! Hurra! Hurra! Pardon wird nicht gegeben.“
In der Tat.
Und die beiden Weltkriege sind auch unvergessen.
(Der säkulare Internationalismus ist allerdings auch nicht besser).
Zur richtigen Bewertung des umstrittenen Themas „Nation“ müssen wir einen Blick in die Bibel werfen. Denn Nationen sind Gottes Idee. Internationale Großreiche eher nicht.

Paulus sagt, Gott hat jede Nation der Menschen gemacht.
Woraus besteht eine Nation? Was genau macht eine Nation aus?
Das Wort taucht in 1 Mose 10 zum ersten Mal auf. Der Begriff wird dort dreimal auf dieselbe Weise definiert. Erst werden die Söhne Sems, Hams, und Japhets aufgezählt, dann wird jedes Mal gesagt: „Das sind die Söhne [Sems, Japhets, Hams] nach ihren Sippen, nach ihren Sprachen, in ihren Ländern, in ihren Nationen.“ (1 Mose 10, 5+20+31).
Eine Nation besteht aus Sippen, (das Volk Israel bestand aus 12 verwandten Stämmen), hat eine gemeinsame Sprache und lebt in einem von anderen Nationen abgegrenzten Land.
Sippe, Sprache, Land: Diese drei Faktoren führen zu einer Nation.

Dass jede Nation den einen Gott anbeten sollte, ist eh klar.
Als die Regierung von Babel sich, und damit die ganze Menschheit, von Gott abwendete und einen Turm baute, um sich entgegen Gottes Gebot eben nicht über die Erde zu verteilen, verwirrte Gott die Sprache der Menschen und schuf damit nach Sprachen geordnete Sippen, die auseinanderstrebten und sich auf verschiedene Länder verteilten. (1 Mose 11).
Nun herrscht nicht mehr ein Tyrann über alle, sondern es besteht die Möglichkeit, in eine andere Nation zu flüchten. Selbst Jesus hat eine zeitlang in Ägypten gelebt, um Herodes zu entgehen.

Da Gott die Nationen gemacht hat, hat er ihnen auch Aufgaben zugeteilt. Überhaupt sollten sie ihn suchen, „ob sie ihn vielleicht tastend fühlen und finden möchten.“ Zu deutsch: Ihr Glaube sollte sich nicht in theoretischen Gedankengebäuden oder vergänglichen Emotionen verlieren. Vielmehr sollen die Menschen tatsächliche, nachvollziehbare göttliche Eingriffe in ihr Leben erleben. Ihr Glaube sollte etwas Lebendiges sein. Sie sollten Gott ergreifen. Sie sollten konkret beten und konkrete Erhörungen bekommen.
Jede Nation soll allen anderen Nationen zum Segen werden.
In 1 Mose 12 gibt Gott Abraham den Befehl, seine Sippe und sein Land zu verlassen, um in ein anderes Land zu wandern, dass Gott ihm zeigen wollte.
„Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein.“ (1 Mose 12, 2).
Abraham sollte nicht nur ein Segen für einige wenige sein. Vielmehr sagte Gott zu ihm, „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!“ (Vers 3).
Und so ist es ja dann auch gekommen.
Aus Abraham ging Mose hervor, der der Welt die Zehn Gebote brachte. Aus Abraham ging auch Jesus hervor, der Erlöser der ganzen Menschheit, dem Milliarden von Menschen weltweit huldigen.
Gottes Wort hat sich erfüllt.

Im Gegensatz zu dieser biblischen Art von Nationalismus war der weltliche Nationalismus Deutschlands einst kein Segen, sondern eine Bedrohung für die Nationen der Welt. Aus Deutschland, dem Mutterland der Reformation, dem Land der brillanten Ingenieure, deren Erfindungen bis zum heutigen Tag die ganze Menschheit segnen, kroch erst der Unglaube, dann der völkermordende Wahnsinn hervor—und wurde prompt gerichtet. Kein Wunder, dass die Idee der Nation hierzulande beschädigt ist.
Deswegen ist die Nation trotzdem Gottes Idee.
Deutschland muss herausfinden, was Gott von ihm will, was seine Mission ist. Es darf sich dabei nicht überschätzen, aber auch nicht verachten, ablehnen und Selbstvernichtungstendenzen nachgeben.
Über das Thema kann man noch viel sagen…

Über die christliche „Nation“ sagt Petrus:
„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht [eine auserwählte Sippe], ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Fähigkeiten [Tugenden, Vollkommenheiten, Großartigkeiten] dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat.“ (1 Petrus 2, 9).

Der spricht von dir!

Dienstag, 1. August 2017

Die Bibel hat Deutsch geprägt—und Hindi und Urdu, und Bengali!

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.“
Johannes 1, 1-3.

Dieses Jahr ist Lutherjahr und jeder weiß, dass die Bibelübersetzung Martin Luthers die deutsche Sprache entscheidend geformt hat. William Tyndale und nach ihm die sogenannte Genfer Bibel erfüllten eine ähnliche Aufgabe für das Englische. (Die Genfer Bibel ist eine englische Übersetzung). Was mir jedoch vollkommen unbekannt war, ist die Tatsache, dass auch das moderne Urdu, die Sprache Pakistans, und Hindi, die Nationalsprache Indiens, von britischen Bibelübersetzern erst zu HLiteraturhochsprachen gemacht wurden!

Vor den Briten hatten die Moslems Indien beherrscht und die hatten keinerlei Interesse an den örtlichen Dialekten. Für die Herrscher ist es nicht schlimm, wenn die Beherrschten die Sprache ihrer Herrscher nicht verstehen. Die Untertanen sollen ja nicht an Beschlussfassungen mitwirken—schon gar nicht sollen sie die infrage stellen—sondern einfach nur tun, was ihnen gesagt wird.
Die britischen Christen waren da anders.
Reverend Henry Martyn (1781-1812) hat aus Arabisch, Persisch und den Dialekten um Delhi in Nordindien herum das moderne Urdu geschmiedet. Reverend Gilchrist und der missionarische Linguist Reverend Kellogg entwickelten hingegen das moderne Hindi zur Literatursprache.

Natürlich gab es da noch die sagenhafte Sprache Sanskrit, von der man sagt, sie befinde sich linguistisch auf allerhöchstem Niveau. Doch dies war die Sprache der Brahmanen, und die Brahmanen teilten sie mit niemandem, nicht einmal mit ihren Frauen. Schon gleich gar nicht mit Nicht-Brahmanen. Die Religion der Brahmanen verlangt von ihnen, ihre nächsten Nächsten als Unberührbare zu betrachten und zu behandeln. Das von nur wenigen Männern verstandene Sanskrit war ein Mittel, die Menschen auf Distanz zu halten, auf Distanz zum Wissen.
Denn Wissen ist Macht.
Und die wurde nicht geteilt.
Es waren britische Christen, die den Sprachen Südasiens ihre Grammatik und ihre Schrift gaben. Bibelübersetzer arbeiteten jahrzehntelang, nicht um gute Untertanen des Britischen Raj zu produzieren, sondern um die Menschen dort zu Kindern Gottes zu machen.

Vor fast genau 20 Jahren war ich zum ersten Mal in Indien und dort unter anderem in der Stadt Nagpur. Ich predigte dort vor rund 1000 Leuten in einem ehemaligen Hindutempel. Der Götze war zugedeckt, die Om-Zeichen befanden sich noch an der Wand...
Nun lese ich, dass ein Gelehrter aus Bombay der Universität von Nagpur eine 700-seitige Doktorarbeit vorgelegt hat, in der er nachweist, dass diese britischen Bibelübersetzer sage und schreibe 73 moderne Literatursprachen Indiens erschufen. Zu diesen gehören die Nationalsprachen von Indien, Pakistan und Bangladesch (Bengali). Fünf brahmanische Gelehrte haben das Werk untersucht und dem Verfasser dafür einen Doktor der Philosophie verliehen. Zudem empfahlen sie, das Buch jedem indischen Studenten der Linguistik als Pflichtmaterial vorzulegen.
Das Bedürfnis, Asiaten die Bibel zu verklickern, hat die Sprachen Urdu, Hindi und Bengali in ihrer modernen, massentauglichen Form hervorgebracht!
Alle Achtung.
Wie gesagt, das Ziel der Missionare war nicht, gute Diener, die ein wenig Englisch konnten, für das britische Reich zu produzieren. Vielmehr ging es ihnen darum, den Geist und den Verstand dieser Leute zu kultivieren. Denn die biblische Erlösung setzt Worte voraus, die verstanden und geglaubt werden müssen. Heutzutage geht die Saat auf: Große Mengen von Menschen in Südasien wenden sich dem Christentum zu.
Und wir helfen mit, in dem wir dort tätige Missionare unterstützen.

„Der Glaube kommt aus dem Hören und das Hören aus dem Wort Gottes.“ (Römer 10, 17).