Dienstag, 1. August 2017

Die Bibel hat Deutsch geprägt—und Hindi und Urdu, und Bengali!

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.“
Johannes 1, 1-3.

Dieses Jahr ist Lutherjahr und jeder weiß, dass die Bibelübersetzung Martin Luthers die deutsche Sprache entscheidend geformt hat. William Tyndale und nach ihm die sogenannte Genfer Bibel erfüllten eine ähnliche Aufgabe für das Englische. (Die Genfer Bibel ist eine englische Übersetzung). Was mir jedoch vollkommen unbekannt war, ist die Tatsache, dass auch das moderne Urdu, die Sprache Pakistans, und Hindi, die Nationalsprache Indiens, von britischen Bibelübersetzern erst zu HLiteraturhochsprachen gemacht wurden!

Vor den Briten hatten die Moslems Indien beherrscht und die hatten keinerlei Interesse an den örtlichen Dialekten. Für die Herrscher ist es nicht schlimm, wenn die Beherrschten die Sprache ihrer Herrscher nicht verstehen. Die Untertanen sollen ja nicht an Beschlussfassungen mitwirken—schon gar nicht sollen sie die infrage stellen—sondern einfach nur tun, was ihnen gesagt wird.
Die britischen Christen waren da anders.
Reverend Henry Martyn (1781-1812) hat aus Arabisch, Persisch und den Dialekten um Delhi in Nordindien herum das moderne Urdu geschmiedet. Reverend Gilchrist und der missionarische Linguist Reverend Kellogg entwickelten hingegen das moderne Hindi zur Literatursprache.

Natürlich gab es da noch die sagenhafte Sprache Sanskrit, von der man sagt, sie befinde sich linguistisch auf allerhöchstem Niveau. Doch dies war die Sprache der Brahmanen, und die Brahmanen teilten sie mit niemandem, nicht einmal mit ihren Frauen. Schon gleich gar nicht mit Nicht-Brahmanen. Die Religion der Brahmanen verlangt von ihnen, ihre nächsten Nächsten als Unberührbare zu betrachten und zu behandeln. Das von nur wenigen Männern verstandene Sanskrit war ein Mittel, die Menschen auf Distanz zu halten, auf Distanz zum Wissen.
Denn Wissen ist Macht.
Und die wurde nicht geteilt.
Es waren britische Christen, die den Sprachen Südasiens ihre Grammatik und ihre Schrift gaben. Bibelübersetzer arbeiteten jahrzehntelang, nicht um gute Untertanen des Britischen Raj zu produzieren, sondern um die Menschen dort zu Kindern Gottes zu machen.

Vor fast genau 20 Jahren war ich zum ersten Mal in Indien und dort unter anderem in der Stadt Nagpur. Ich predigte dort vor rund 1000 Leuten in einem ehemaligen Hindutempel. Der Götze war zugedeckt, die Om-Zeichen befanden sich noch an der Wand...
Nun lese ich, dass ein Gelehrter aus Bombay der Universität von Nagpur eine 700-seitige Doktorarbeit vorgelegt hat, in der er nachweist, dass diese britischen Bibelübersetzer sage und schreibe 73 moderne Literatursprachen Indiens erschufen. Zu diesen gehören die Nationalsprachen von Indien, Pakistan und Bangladesch (Bengali). Fünf brahmanische Gelehrte haben das Werk untersucht und dem Verfasser dafür einen Doktor der Philosophie verliehen. Zudem empfahlen sie, das Buch jedem indischen Studenten der Linguistik als Pflichtmaterial vorzulegen.
Das Bedürfnis, Asiaten die Bibel zu verklickern, hat die Sprachen Urdu, Hindi und Bengali in ihrer modernen, massentauglichen Form hervorgebracht!
Alle Achtung.
Wie gesagt, das Ziel der Missionare war nicht, gute Diener, die ein wenig Englisch konnten, für das britische Reich zu produzieren. Vielmehr ging es ihnen darum, den Geist und den Verstand dieser Leute zu kultivieren. Denn die biblische Erlösung setzt Worte voraus, die verstanden und geglaubt werden müssen. Heutzutage geht die Saat auf: Große Mengen von Menschen in Südasien wenden sich dem Christentum zu.
Und wir helfen mit, in dem wir dort tätige Missionare unterstützen.

„Der Glaube kommt aus dem Hören und das Hören aus dem Wort Gottes.“ (Römer 10, 17).

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