Dienstag, 29. Januar 2019

Zu alt für die Bibelschule?

"Bei Greisen ist Weisheit, und Einsicht bei hohem Alter."
Hiob 12,12.

"Pastor, ich trage mich mit dem Gedanken, eine Bibelschule zu besuchen, dabei bin ich schon im Rentenalter. Bringt das noch was?"

Klar!
Vorausgesetzt, es handelt sich um eine Bibelschule, in der tatsächlich die Bibel gelehrt wird und nicht Bibelkritik, ist das ein ausgezeichneter Gedanke. Ich selber habe zwei Bibelschulen auf zwei Kontinenten besucht und weiß: Solche intensiven Zeiten in Gottes Wort verändern einen schneller, als das normalerweise möglich ist. Je nachdem, wie offen man dafür ist.
Am Glauben orientierte Bibelschulen predigen mehr oder weniger alle dasselbe, (hoffe ich). Sie unterscheiden sich meistens nur im Spirit. Damit meine ich Kultur und Tradition und den eigenen Blick auf die Welt. Diese Unterschiede haben natürlich ihre Berechtigung und man muss halt schauen, wo man am besten dazu passt.

Dabei darf man allerdings nicht vergessen: "Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut." (1 Korinther 8,1). Ich habe schon erlebt, dass Absolventen nach einem solchen Bibelschuljahr so aufgeblasen waren, dass sie allen ernstes dachten, sie wüssten es nun besser als diejenigen, welche die Schneisen durch die geistliche Einöde geschlagen und die Pfade geebnet haben, auf denen sie spazierten. Die hatten zwar ein Diplom, waren aber für ihre Gemeinde wertlos, sofern sie dorthin überhaupt zurückgingen. So sollst du nicht enden.

Aus dem CGZ werden demnächst rund 7-10 Personen die Rhema Bibelschule, Filiale Coburg, besuchen. Die ist gut.

"Sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob dies sich so verhielte. Viele nun von ihnen glaubten." (Apostelgeschichte 17,11-12).

Samstag, 26. Januar 2019

Nachts im Wald (und morgens auf dem Feld)

"Du bestellst Finsternis, und es wird Nacht. In ihr regen sich alle Tiere des Waldes. Die Junglöwen brüllen nach Raub, sie fordern von Gott ihre Speise."
Psalm 104,20-21.

Neulich war Vollmond.
Bei Vollmond ist der nächtliche Wald immer ein besonderes Erlebnis, vor allem wenn Schnee liegt. Das silbrige Licht schafft dann eine zauberhafte Atmosphäre, Wolken verwandeln sich in Zuckerwatte und der dunkle Tann ist nicht mehr ganz so dunkel. Außerdem sieht man die "wilden" wilden Tiere besser, (Wildschweine, Marder, Füchse), so sie einem denn über den Weg laufen.
Also bin ich dorthin gefahren, wo Schnee lag, und bin dann im Wald herumspaziert.
Schön war's und windstill. Licht und Schatten haben sich alle Mühe gegeben und schweigend ein malerisches Spektakel aufgeführt.
Allerdings habe ich mich verlaufen.
Keine Ahnung, wo ich genau war, der Ort, an den ich gelangen wollte, war's jedenfalls nicht. Etwas ratlos bin ich weitermarschiert.
Irgendwann leuchteten hinter mir im Stangenholz zwei wacklige gelbe Punkte auf, die langsam größer wurden und sich in Scheinwerfer verwandelten.
Ein Jäger gabelte mich auf.
"Dös war jetzt Zufall," sagte der Waidmann und fuhr mich freundlicherweise dorthin, wo ich dann wieder von selber meinen Weg fand.
Ich saß dann endlich und ließ den Wald auf mich wirken, passte mich von der Hektik her den Bäumen an und machte meine Naturbeobachtungen, (winterliches Waldstilleben ohne Wild), bis es mir zu kalt wurde. Dann bin ich wieder heimgefahren. Heizung und Gebläse liefen auf Hochtouren, doch ich habe es nicht gefühlt. Bei -7° winterliche Bäume imitieren hat seinen Preis.
Mittlerweile ist mir wieder warm.

Heute morgen habe ich aus dem Fenster geblickt—und die Welt war weiß!
Eine geschlossene Schneedecke ist interessant, denn dann sieht man endlich einmal die Spuren der nächtlichen Besucher, die sich im Garten so herumtreiben, während man selber in den Federn liegt und Wärme tankt.
Da waren ein paar langweilige Mäusespuren, ein Marder hat mit Paarsprung, Hasensprung und Dreisprung eine Schleife in den Schnee getanzt, und am Haus ist ein Mauswiesel entlanggestrichen. Diese Spur habe ich erst enträtseln müssen, denn ich kannte sie noch nicht. Das Mauswiesel oder Kleine Wiesel ist das kleinste Landraubtier der Welt—und in meinem Garten zu Hause! Es heißt so, weil es kleiner ist als das Große Wiesel und Mäuse jagt und dazu sogar in Mauselöcher abtaucht. Es ist also sehr nützlich.
Spuren des Großen Wiesel, bzw. Hermelins, habe ich leider keine gefunden. Man kann halt nicht alles haben. Zumindest nicht auf einmal.
Nun möchte ich die lustige Truppe natürlich einmal sehen. Vielleicht kaufe ich mir eine Wildkamera. Wer weiß, was ich damit alles entdecke.

"Die Nacht würde leuchten wie der Tag, die Finsternis wäre wie das Licht." (Psalm 139,12).

Mittwoch, 23. Januar 2019

Ein Widerspruch in Jesu Worten?

"Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar." (Matthäus 5,39).

"Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen." (Matthäus 18,15).

Die erste Schriftstelle ist eine der bekannt kontroversen Aussagen Jesu. Er fordert dazu auf, sich alles gefallen zu lassen und alles zu dulden. Zahllose Nichtchristen kennen diese Stelle und schütteln verwundert den Kopf, denn sie halten das für unrealistisch, unpraktikabel und abgehoben. Denn wer sich nicht wehrt, der wird zum Prügelknaben. Wenn sich seine religiös begründete Wehrlosigkeit herumspricht, steckt er mehr ein als er müsste.

Die zweite Schriftstelle zeigt jedoch, dass diese Worte nicht das einzige sind, was Jesus zum Thema gesagt hat. In Matthäus 18,15 fordert er im Widerspruch zu Matthäus 5,39 nicht zur Duldung auf, sondern zur Konfrontation mit dem Übeltäter. In den folgenden Versen wird die Konfrontation immer härter, sollte sich der Übeltäter nicht reuig zeigen.

Was gilt nun?

Beides natürlich.
Denn nicht jeder Fall ist gleich.
Manchmal ist Dulden das richtige, manchmal die Konfrontation.

Die Menschen, zu denen er in Matthäus 5 sprach, waren leicht entflammbar und überaus konfliktbereit. Sie fühlten sich von den Römern gedemütigt und warteten auf einen politischen Messias. Diese Leute forderte er auf, nicht bei jeder Beleidigung gleich durch die Decke zu gehen. (Jemanden auf die rechte Backe zu schlagen, (also mit der rechten Rückhand), war eine Beleidigung).
Und wenn ein Römer sie zwang, sein Gepäck eine Meile weit zu tragen, dann sollten sie zwei mit ihm gehen. Während der ersten Meile gehörten sie dem Römer, während der zweiten Meile gehörte der Römer ihnen. Denn der wunderte sich natürlich und fragte sich, warum ein Jude ihm freiwillig den Koffer trug. Der konnte ihn nun von seinem Gott erzählen und fand ein hörendes Ohr.

Jesus trat stets das richtige, doch das war nicht immer das gleiche.
Der auf frischer Tat ertappten Ehebrecherin aus Johannes 8 sagte er, „Ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr.“ (Vers 11).
Zu Judas hingegen sagt er, „Wehe aber jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre jenem Menschen gut, wenn er nicht geboren wäre.“ (Matthäus 26,24).
Die Ehebrecherin bekam Barmherzigkeit.
Der Verräter erfuhr Gericht.
Sie war vermutlich in die Situation hineingestolpert, deshalb erlangte sie Barmherzigkeit.
Judas hingegen hatte den Verrat von langer Hand geplant. Auch vorher war er schon ein Dieb gewesen. Er hat die Barmherzigkeitsangebote Gottes nicht angenommen, sondern zog seinen Stiefel durch. Als es ihm dann leid tat, war es zu spät.

Barmherzigkeit und Gericht: Jesus hat diese beiden Seiten.
Auch wir sollten von Fall zu Fall entscheiden und weder blind dulden noch vorschnell zurückhauen.

"Das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat. Die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht." (Jakobus 2,13).

Montag, 21. Januar 2019

Eine schicksalhafte Woche für A.R.

"Lobe den HERRN, meine Seele,
und all mein Inneres seinen heiligen Namen!
Preise den HERRN, meine Seele,
und vergiß nicht alle seine Wohltaten!
Der da vergibt alle deine Sünde,
der da heilt alle deine Krankheiten."
Psalm 103,1-3.

Unser Mitarbeiter A. R., eigentlich ein rüstiger Rentner, sank nach einem Arbeitseinsatz in der Gemeinde vom Stuhl. (Nicht, weil wir ihn überarbeitet hätten! Da halten wir schon Maß).
Vorletzten Sonntag wurde er deswegen am offenen Herzen operiert.
Letzten Sonntag saß er wieder im Gottesdienst.
Die Ärzte sind verblüfft.

Auch wenn wir nicht wissen, warum genau sich das alles so hat entwickeln müssen: Wir sehen die Hand Gottes, der A. in diesem Drama beigestanden hat. Das beginnt schon damit, dass er nicht auf einer hohen Leiter stand, wie noch kurz zuvor, als er ohnmächtig wurde. Zwei Mitarbeiter kümmerten sich sofort um ihn, der Restaurantbesitzer rief sofort einen Krankenwagen, und als er dann im Krankenhaus ankam, war die Notaufnahme gähnend leer. Die Ärzte warteten praktisch bereits auf ihn und konnten sofort loslegen. Eine Vielzahl von bemerkenswerten und ungewöhnlichen Umständen hat zu seiner Familie gesprochen, deren Glaube dadurch immens gestärkt wurde.
Gott kümmert sich wirklich.
A. selber war noch etwas  blass um die Nase, als er gestern am Kaffeetisch stand und mit mir plauderte. Er meinte, „Gott muss noch etwas für mich zu tun haben, dass er mich da gelassen hat. Sonst wäre ich ja jetzt weg.“
Sehe ich genauso und wünsche ihm rasche Genesung, wenn er jetzt in die Reha kommt. Bin froh, dass er noch da ist. Wir hätten ihn vermisst.

"Der dein Leben erlöst aus der Grube,
der dich krönt mit Gnade und Erbarmen.
Der mit Gutem sättigt dein Leben.
Deine Jugend erneuert sich wie bei einem Adler." (Psalm 103, 4-5).

Samstag, 19. Januar 2019

Hygienedefizit?

"Als er aber redete, bat ihn ein Pharisäer, daß er bei ihm essen möchte. Er ging aber hinein und legte sich zu Tisch. Als aber der Pharisäer es sah, wunderte er sich, daß er sich nicht erst vor dem Essen gewaschen hatte."
Lukas 11,36-37.

„Pastor, in der Bibel steht, Jesus hat sich die Hände nicht gewaschen. Hatte er etwa ein Hygienedefizit?“

Ich fürchte, du verstehst da etwas falsch.
Das Wort für „essen“ ist laut dem griechischen Urtext „aristao“ und bedeutet „frühstücken.“ Es steht außer Frage, dass Jesus eine Morgentoilette vorgenommen hat, also gewaschene Hände hatte. Alles andere ist undenkbar, schließlich lebte er ein öffentliches Leben. Der Pharisäer spricht etwas völlig anderes an, nämlich das rituelle Händewaschen, das auf eine Überlieferung der Alten zurückgeht und nicht auf ein Gebot Gottes.
Egal ob sie saubere Hände hatten oder nicht, vor dem Essen wuschen sich die Juden die Hände mit mindestens einer Eierschale voll Wasser, indem sie erst die eine Faust in der einen Handfläche rieben und dann die andere in der anderen. Taten sie dies nicht, betrachteten sie sich (überflüssigerweise) als unrein, weil man sie so erzogen hatte.
Jesus sprengte diese Fessel.
Das ist alles.
Wenn er saubere Hände hatte, dann wusch er sie nicht noch einmal, nur weil das alle machten. Jesus war kein Herdentier. Er dachte selber.

Seinen Jüngern machte man übrigens denselben Vorwurf. Was Markus hierzu sagt, ist erhellend:
"Und als sie einige seiner Jünger mit unreinen, das ist ungewaschenen, Händen Brot essen sahen—denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie sich nicht sorgfältig die Hände gewaschen haben, indem sie die Überlieferung der Ältesten festhalten...—fragen ihn die Pharisäer und die Schriftgelehrten: Warum leben deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen Händen?
Er aber sagte zu ihnen: 'Treffend hat Jesaja über euch Heuchler geweissagt, wie geschrieben steht: "Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren.' Ihr gebt das Gebot Gottes auf und haltet die Überlieferung der Menschen fest." (Markus 7,1-8).

Die Pharisäer gaben das Gold von Gottes Wort auf und verteidigten das Blech menschlicher Tradition mit Zähnen und Klauen. Denn es ist viel leichter, eine für alle gut sichtbare Handwaschroutine abzuspulen, als innere Werte wie Glauben und Zuversicht zu pflegen, die außer Gott zunächst niemand sieht.
Jesus hatte dafür deutliche Worte:

"Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Dill und den Kümmel [oder wascht euch ostentativ die Hände] und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Recht und die Barmherzigkeit und den Glauben. Diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen." (Matthäus 23,23).

Mittwoch, 16. Januar 2019

Generationen

"Ehre deinen Vater und deine Mutter, wie der HERR, dein Gott, dir geboten hat, damit deine Tage lange währen und damit es dir gutgeht in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt."
5 Mose 5,16.

Der Patriarch Jakob kümmerte sich 17 Jahre um seinen Sohn Josef und versorgte ihn. (1 Mose 37,2).
Dann wurde Josef von seinen Brüdern in die Gefangenschaft verkauft.
Später, als Josef zum Herrscher Ägyptens aufgestiegen war, holte er seinen alten Vater zu sich und versorgte wiederum ihn.
Wie lange?
17 Jahre.
Denn Jakob ging im Alter von 130 Jahren nach Ägypten und starb mit 147. (1 Mose 47,28).

Das Leben ist ein Geben und ein Nehmen.

"'Ehre deinen Vater und deine Mutter': Das ist das erste Gebot mit Verheißung." (Epheser 6,2).

Montag, 14. Januar 2019

Kleiner Traum

"Und danach wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen."
Joel 3,1.

Hatte neulich vor dem Aufwachen einen kurzen Traum, der mir in Erinnerung geblieben ist. (Die meisten vergisst man ja sobald man die Augen aufmacht).
Um was ging's?
Mir wurde ein dicker Stift gegeben, ein Bleistift aus Holz mit einer Bleistiftmine. Der Stift war jedoch wenigstens dreimal so dick wie ein fetter Marker. Die Striche, die ich mit ihm auf ein großes weißes Blatt zeichnete, waren tiefschwarz und erinnerten ebenfalls mehr an einen Filzmarker als an einen Bleistift.
Das Bild, das ich mit groben Strichen zu zeichnen begann, war nichts besonderes, meine träumerische Zeichenbegabung also eher mittelmäßig. Doch dann zeichnete sich das Bild von selber fertig, während ich zusah! Und dann füllte es sich mit Farbe und sah fantastisch aus. Ich war erstaunt und begeistert.
Wie könnte man diese Impression deuten?
Der Stift: Ein Bleistift eignet sich eigentlich nicht zur Erschaffung von Gemälden. Bleistiftskizzen zeichnen sich auch nicht selbst fertig. Farbig werden sie schon gar nicht von alleine.
Vielleicht ist das Bild nur ein Bild für etwas anderes.
Mit einem Bleistift schreibt man ja vor allem. Eine Geschichte, selbst wenn sie mit mittelmäßigen Sätzen skizziert wird, hat einen Helfer, einen Komplizen: Den Kopf des Lesers. Dort zeichnet sich die Geschichte von selbst fertig und füllt sich auch mit Farbe. Dürre Worte werden zu einem kolorierten Kunstwerk.
Fühle mich also ermutigt, eine Story schreiben... (Ich finde sowieso, es gibt viel zu wenig Spannungsliteratur, in der evangelisch-freikirchliche Pastoren aus der fränkischen Provinz die Helden sind. Hi hi). Ein paar Ideen habe ich.
Mal schauen.
Jesus hat ja auch Geschichten erzählt.

"Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redete er nichts zu ihnen." (Matthäus 13,34).

Sonntag, 13. Januar 2019

Kannst du nicht "Nein" sagen?

"Und er sprach zu ihnen: Kommt, ihr selbst allein, an einen öden Ort und ruht ein wenig aus! Denn diejenigen, die kamen und gingen, waren viele, und sie fanden nicht einmal Zeit, um zu essen."
Markus 6, 31.

Viele von uns können nicht nein sagen. Das führt dazu, daß wir ständig mit Aufgaben beladen durchs Leben gehen, für deren Lösung eigentlich andere zuständig sind. Es ist jedoch wichtig, daß wir, die Vielbeschäftigten, auch regelmäßig Zeiten haben, die der Entspannung dienen und die wir einfach nur verplempern oder mit Dingen zubringen, die einzig und allein dem Zweck dienen, uns Spaß zu machen. Klar könnten wir uns in dieser Zeit auch ausnutzen lassen. Doch langfristig geht diese "Geduld", bzw. Konfliktvermeidungsstrategie, an die Substanz. Und im ausgebrannten Zustand bringen wir niemandem etwas.

Jesus achtete durchaus darauf, Herr seiner Zeit zu bleiben. Er ließ sich nicht von der Not der Menschen den Stundenplan diktieren. (Denn diese Not ist, im Gegensatz zu uns, unerschöpflich). Als man ihn nach einem spektakulären Heilungsgottesdienst in Kapernaum am nächsten Morgen suchte und auf eine Fortsetzung hoffte, ("Alle suchen dich!"),  sagte Jesus nein. Er formulierte das so: "Laßt uns anderswohin in die benachbarten Marktflecken gehen, damit ich auch dort predige, denn dazu bin ich ausgegangen." (Markus 1, 38). Und das tat er dann auch.

Wir sollten schon zugänglich und hilfsbereit sein.
Doch wir sollten auch auf uns selber achten (und Leuten nicht Aufgaben abnehmen, die sie selber erledigen sollten).

"Du sollst deinen Nächsten lieben WIE DICH SELBST." (Markus 12, 31).

Dienstag, 8. Januar 2019

Tag der farbigen Tinte

"Ich habe aber alles erhalten und habe Überfluß, ich habe die Fülle, da ich von Epaphroditus das von euch Geschickte empfangen habe, einen duftenden Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer, Gott wohlgefällig."
Philipper 4, 18.

Nun, am Anfang des Jahres, ist bei mir wieder Tag der Tinte, denn in Kürze gehen die Spendenquittungen raus, die ich als Vereinsvorstandsvorsitzender unterschreibe. Dazu hole ich feierlich meinen exklusiven 1x-im-Jahr-Spendenquittungsunterschreib-Tintenfüller hervor, den ich in den meisten Fällen benutze, ziehe aus einem Faß Tinte auf, und lege los. Sehr archaisch und umständlich, aber würdevoll und dem Anlaß angemessen.
Dann tütet meine Frau die Bögen ein, während ich versuche, den Füller wieder sauber zu bekommen. Es ist ein schöner blauer Füller mit einer Goldfeder. Ich weiß nicht mehr genau, wer ihn mir damals, im vorigen Jahrtausend, zukommen ließ. (War's gar meine Frau...? Ich frag sie besser nicht.)

Spaß beiseite.
An dieser Stelle: Vielen Dank an alle großen und kleinen Geber in aller Welt, (die Welt ist in unserem Fall das deutschsprachige Europa. Und, ja, die USA). Ohne euch könnten wir Gottes Wort nicht so verbreiten, wie wir es tun. Denn wir haben keinen verkappten Anschluß an eine Regierungsstelle oder sonstigen offiziösen Großgeber, dem wir dann huldigen müßten, sondern erfüllen unsere Mission mit den Mitteln, die viele einzelne glaubensstarke Menschen uns freiwillig zur Verfügung stellen, weil sie an das Werk Gottes glauben und Gott sie dazu ermutigt hat, uns zu unterstützen.

Vielen herzlichen Dank. Der Herr wird euer Belohner sein.
(Und wenn auch du einer von den Hunderten bist, die regelmäßig die Botschaften auf der Homepage oder über die "OnlineKirche" auf YouTube hören, wenn du also etwas von uns hast, aber noch kein Geber bist, dann überleg mal, ob du nicht auch etwas beisteuern könntest. Dann hilfst auch du, daß andere das kompromißlose Wort Gottes in unserer schwierigen Zeit gepredigt bekommen. Just a thought).

Geber haben eine besondere Verheißung. (Ergreife sie. Sag ja zu ihr!):

"Mein Gott aber wird alles, wessen ihr bedürft, erfüllen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus." (Philipper 4, 19).

Freitag, 4. Januar 2019

Salomo 2019

"Mein Vater hat euer Joch schwer gemacht, ich aber will euer Joch noch schwerer machen."
1 Könige 12, 14.

Ich musste in diesen Tagen der atemberaubenden und absonderlichen Politik an den König Salomo denken, der als der weiseste König aller Zeiten gilt, denn Gott hat ihn weise gemacht. (1 Könige 10,23).
Was nicht alle sehen, ist, dass da im Lauf der Zeit, zuerst unmerklich, dann immer deutlicher, eine Zerrüttung stattgefunden hat. Denn Salomo der Weise beginnt in 1 Könige 5,28 plötzlich, aus ganz Israel Zwangsarbeiter auszuheben.
Ein weiser, messiasähnlicher König macht sein Volk plötzlich zu Sklaven—wie Pharao, der Feind Gottes?
Ein Bruch, wie gesagt.
Er, der Friedliche (Salomo kommt von Schalom), der Mann Gottes, baute sieben Jahre lang am legendären Tempel des Herrn. (1 Könige 6,38).
Er baute 13 Jahre—also fast doppelt so lang—an seinem eigenen Haus. (1 Könige 7,1).
Salomo begann offensichtlich mehr und mehr sich selbst zu gefallen.
Außerdem wurde er geizig.
Sein Freund Hiram, der König von Tyrus, hatte ihn bei seinen Bauvorhaben mit 120 Talenten Gold (4080kg, 148.267.200,00 Euro) überaus großzügig unterstützt. Zum Dank gab Salomo ihm 20 miserable Städte im Land Galiläa. Der geprellte Hiram nannte sie das Land "Kabul", das nichtige, das gefesselte Land. (1 Könige 9,13). Sie waren nicht recht in seinen Augen.
Salomo war auch sehr weltoffen und tolerant, sodass er viele ausländische Frauen ins Land holte, die er dann sehr liebte, (ähnlich wie man heute liebenswerte junge Männer aus aller Welt ins Land holt und diesen dann die Vorzugsbehandlung angedeihen lässt). Salomo liebte diese Mädels so sehr, dass er gar nicht genug von ihnen bekommen konnte. Zum Schluss hatte er 700 Ehefrauen und 300 Nebenfrauen. Die kosteten natürlich. Sein luxuriöser Lebenswandel auch. Bisher war die Finanzierung kein Problem gewesen, denn Gott war mit ihm. Doch irgendwann muss Gott ihm nicht mehr genug gewesen sein und er verfiel darauf, hohe Steuern einzutreiben.
Ruinöse Steuern.
Ähnlich wie Ludwig XIV.
Als dieser Sonnen(stich)könig 1715 endlich starb, hatte ein Viertel des französischen Volkes entweder das Land verlassen oder war gestorben, (an Hunger oder Christenverfolgung (Hugenotten) oder Krieg). Die Wirtschaft lag wegen der unglaublichen Steuerlast darnieder, die vielen Kriege hatten das übrige getan. Der aufgestaute Frust führte zu akutem Atheismus und später zur berüchtigten französischen Revolution von 1789-1799. (Und dann kam Napoleon…)
Doch wir waren bei Salomo.
Unter den vielen ausländischen Frauen des Königs waren praktisch keine Anbeter des Gottes Israels. Vielmehr brachten die alle ihre eigenen Götter mit. Sie neigten das Herz des alten Königs ihren Göttern zu und der weiseste König aller Zeiten, der Sohn Davids, der Gesegnete des Herrn, der Fachmann für Soziologie, Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Philosophie, Rhetorik, Ästhetik, Logik und Theologie baute die Heiligtümer heidnischer Götzen und betete diese an.
Was für ein Absturz.
Salomo wurde nicht besonders alt, nur etwa 60 Jahre, (die allerdings langten Israel).
Als er starb, erbte sein Sohn Rehabeam, der Sohn einer Ammoniterin, ein zerrüttetes Reich. Das Volk beklagte sich beim neuen König über das harte Joch und die hohen Steuern, doch Rehabeam verminderte die Lasten nicht, sondern versprach, sie noch zu erhöhen. Darüber zerbrach das Land. Denn als Rehabeam den Aufseher über die Zwangsarbeit aussandte, um noch mehr freie Israeliten zu Sklaven zu machen, da zog sich das Volk endgültig die gelben Westen an und steinige den Mann, sodass er starb. (1 Könige 12,18). Rehabeam selber bestieg eilends den Dienstwagen und floh. Von da an gab es das Nordreich Israel und das Südreich Juda. Gott, der durchaus ein Herz für Vielfalt hat, wollte es so. (1 Könige 12,24).
Das neuentstandene Nordreich Israel war ein permanenter Fall für die Tonne, nicht einer seiner Regenten bewährte sich, während das Südreich Juda immer wieder starke Könige hatte.
Immerhin.
Der Zerbruch eines zur Tyrannis gewordenen Staatswesens in seine Einzelteile ist keine Katastrophe. Wie gesagt, Gott liebt die Vielfalt. Auch die Pluralität der Nationen geht auf ihn zurück. Man denke nur an den Turmbau zu Babel.

Wie anders als Salomo ist doch der König der Könige:

"Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht." (Matthäus 11,28-30).