Samstag, 26. Januar 2019

Nachts im Wald (und morgens auf dem Feld)

"Du bestellst Finsternis, und es wird Nacht. In ihr regen sich alle Tiere des Waldes. Die Junglöwen brüllen nach Raub, sie fordern von Gott ihre Speise."
Psalm 104,20-21.

Neulich war Vollmond.
Bei Vollmond ist der nächtliche Wald immer ein besonderes Erlebnis, vor allem wenn Schnee liegt. Das silbrige Licht schafft dann eine zauberhafte Atmosphäre, Wolken verwandeln sich in Zuckerwatte und der dunkle Tann ist nicht mehr ganz so dunkel. Außerdem sieht man die "wilden" wilden Tiere besser, (Wildschweine, Marder, Füchse), so sie einem denn über den Weg laufen.
Also bin ich dorthin gefahren, wo Schnee lag, und bin dann im Wald herumspaziert.
Schön war's und windstill. Licht und Schatten haben sich alle Mühe gegeben und schweigend ein malerisches Spektakel aufgeführt.
Allerdings habe ich mich verlaufen.
Keine Ahnung, wo ich genau war, der Ort, an den ich gelangen wollte, war's jedenfalls nicht. Etwas ratlos bin ich weitermarschiert.
Irgendwann leuchteten hinter mir im Stangenholz zwei wacklige gelbe Punkte auf, die langsam größer wurden und sich in Scheinwerfer verwandelten.
Ein Jäger gabelte mich auf.
"Dös war jetzt Zufall," sagte der Waidmann und fuhr mich freundlicherweise dorthin, wo ich dann wieder von selber meinen Weg fand.
Ich saß dann endlich und ließ den Wald auf mich wirken, passte mich von der Hektik her den Bäumen an und machte meine Naturbeobachtungen, (winterliches Waldstilleben ohne Wild), bis es mir zu kalt wurde. Dann bin ich wieder heimgefahren. Heizung und Gebläse liefen auf Hochtouren, doch ich habe es nicht gefühlt. Bei -7° winterliche Bäume imitieren hat seinen Preis.
Mittlerweile ist mir wieder warm.

Heute morgen habe ich aus dem Fenster geblickt—und die Welt war weiß!
Eine geschlossene Schneedecke ist interessant, denn dann sieht man endlich einmal die Spuren der nächtlichen Besucher, die sich im Garten so herumtreiben, während man selber in den Federn liegt und Wärme tankt.
Da waren ein paar langweilige Mäusespuren, ein Marder hat mit Paarsprung, Hasensprung und Dreisprung eine Schleife in den Schnee getanzt, und am Haus ist ein Mauswiesel entlanggestrichen. Diese Spur habe ich erst enträtseln müssen, denn ich kannte sie noch nicht. Das Mauswiesel oder Kleine Wiesel ist das kleinste Landraubtier der Welt—und in meinem Garten zu Hause! Es heißt so, weil es kleiner ist als das Große Wiesel und Mäuse jagt und dazu sogar in Mauselöcher abtaucht. Es ist also sehr nützlich.
Spuren des Großen Wiesel, bzw. Hermelins, habe ich leider keine gefunden. Man kann halt nicht alles haben. Zumindest nicht auf einmal.
Nun möchte ich die lustige Truppe natürlich einmal sehen. Vielleicht kaufe ich mir eine Wildkamera. Wer weiß, was ich damit alles entdecke.

"Die Nacht würde leuchten wie der Tag, die Finsternis wäre wie das Licht." (Psalm 139,12).

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