Mittwoch, 16. Januar 2019

Generationen

"Ehre deinen Vater und deine Mutter, wie der HERR, dein Gott, dir geboten hat, damit deine Tage lange währen und damit es dir gutgeht in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt."
5 Mose 5,16.

Der Patriarch Jakob kümmerte sich 17 Jahre um seinen Sohn Josef und versorgte ihn. (1 Mose 37,2).
Dann wurde Josef von seinen Brüdern in die Gefangenschaft verkauft.
Später, als Josef zum Herrscher Ägyptens aufgestiegen war, holte er seinen alten Vater zu sich und versorgte wiederum ihn.
Wie lange?
17 Jahre.
Denn Jakob ging im Alter von 130 Jahren nach Ägypten und starb mit 147. (1 Mose 47,28).

Das Leben ist ein Geben und ein Nehmen.

"'Ehre deinen Vater und deine Mutter': Das ist das erste Gebot mit Verheißung." (Epheser 6,2).

Montag, 14. Januar 2019

Kleiner Traum

"Und danach wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen."
Joel 3,1.

Hatte neulich vor dem Aufwachen einen kurzen Traum, der mir in Erinnerung geblieben ist. (Die meisten vergisst man ja sobald man die Augen aufmacht).
Um was ging's?
Mir wurde ein dicker Stift gegeben, ein Bleistift aus Holz mit einer Bleistiftmine. Der Stift war jedoch wenigstens dreimal so dick wie ein fetter Marker. Die Striche, die ich mit ihm auf ein großes weißes Blatt zeichnete, waren tiefschwarz und erinnerten ebenfalls mehr an einen Filzmarker als an einen Bleistift.
Das Bild, das ich mit groben Strichen zu zeichnen begann, war nichts besonderes, meine träumerische Zeichenbegabung also eher mittelmäßig. Doch dann zeichnete sich das Bild von selber fertig, während ich zusah! Und dann füllte es sich mit Farbe und sah fantastisch aus. Ich war erstaunt und begeistert.
Wie könnte man diese Impression deuten?
Der Stift: Ein Bleistift eignet sich eigentlich nicht zur Erschaffung von Gemälden. Bleistiftskizzen zeichnen sich auch nicht selbst fertig. Farbig werden sie schon gar nicht von alleine.
Vielleicht ist das Bild nur ein Bild für etwas anderes.
Mit einem Bleistift schreibt man ja vor allem. Eine Geschichte, selbst wenn sie mit mittelmäßigen Sätzen skizziert wird, hat einen Helfer, einen Komplizen: Den Kopf des Lesers. Dort zeichnet sich die Geschichte von selbst fertig und füllt sich auch mit Farbe. Dürre Worte werden zu einem kolorierten Kunstwerk.
Fühle mich also ermutigt, eine Story schreiben... (Ich finde sowieso, es gibt viel zu wenig Spannungsliteratur, in der evangelisch-freikirchliche Pastoren aus der fränkischen Provinz die Helden sind. Hi hi). Ein paar Ideen habe ich.
Mal schauen.
Jesus hat ja auch Geschichten erzählt.

"Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redete er nichts zu ihnen." (Matthäus 13,34).

Sonntag, 13. Januar 2019

Kannst du nicht "Nein" sagen?

"Und er sprach zu ihnen: Kommt, ihr selbst allein, an einen öden Ort und ruht ein wenig aus! Denn diejenigen, die kamen und gingen, waren viele, und sie fanden nicht einmal Zeit, um zu essen."
Markus 6, 31.

Viele von uns können nicht nein sagen. Das führt dazu, daß wir ständig mit Aufgaben beladen durchs Leben gehen, für deren Lösung eigentlich andere zuständig sind. Es ist jedoch wichtig, daß wir, die Vielbeschäftigten, auch regelmäßig Zeiten haben, die der Entspannung dienen und die wir einfach nur verplempern oder mit Dingen zubringen, die einzig und allein dem Zweck dienen, uns Spaß zu machen. Klar könnten wir uns in dieser Zeit auch ausnutzen lassen. Doch langfristig geht diese "Geduld", bzw. Konfliktvermeidungsstrategie, an die Substanz. Und im ausgebrannten Zustand bringen wir niemandem etwas.

Jesus achtete durchaus darauf, Herr seiner Zeit zu bleiben. Er ließ sich nicht von der Not der Menschen den Stundenplan diktieren. (Denn diese Not ist, im Gegensatz zu uns, unerschöpflich). Als man ihn nach einem spektakulären Heilungsgottesdienst in Kapernaum am nächsten Morgen suchte und auf eine Fortsetzung hoffte, ("Alle suchen dich!"),  sagte Jesus nein. Er formulierte das so: "Laßt uns anderswohin in die benachbarten Marktflecken gehen, damit ich auch dort predige, denn dazu bin ich ausgegangen." (Markus 1, 38). Und das tat er dann auch.

Wir sollten schon zugänglich und hilfsbereit sein.
Doch wir sollten auch auf uns selber achten (und Leuten nicht Aufgaben abnehmen, die sie selber erledigen sollten).

"Du sollst deinen Nächsten lieben WIE DICH SELBST." (Markus 12, 31).

Dienstag, 8. Januar 2019

Tag der farbigen Tinte

"Ich habe aber alles erhalten und habe Überfluß, ich habe die Fülle, da ich von Epaphroditus das von euch Geschickte empfangen habe, einen duftenden Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer, Gott wohlgefällig."
Philipper 4, 18.

Nun, am Anfang des Jahres, ist bei mir wieder Tag der Tinte, denn in Kürze gehen die Spendenquittungen raus, die ich als Vereinsvorstandsvorsitzender unterschreibe. Dazu hole ich feierlich meinen exklusiven 1x-im-Jahr-Spendenquittungsunterschreib-Tintenfüller hervor, den ich in den meisten Fällen benutze, ziehe aus einem Faß Tinte auf, und lege los. Sehr archaisch und umständlich, aber würdevoll und dem Anlaß angemessen.
Dann tütet meine Frau die Bögen ein, während ich versuche, den Füller wieder sauber zu bekommen. Es ist ein schöner blauer Füller mit einer Goldfeder. Ich weiß nicht mehr genau, wer ihn mir damals, im vorigen Jahrtausend, zukommen ließ. (War's gar meine Frau...? Ich frag sie besser nicht.)

Spaß beiseite.
An dieser Stelle: Vielen Dank an alle großen und kleinen Geber in aller Welt, (die Welt ist in unserem Fall das deutschsprachige Europa. Und, ja, die USA). Ohne euch könnten wir Gottes Wort nicht so verbreiten, wie wir es tun. Denn wir haben keinen verkappten Anschluß an eine Regierungsstelle oder sonstigen offiziösen Großgeber, dem wir dann huldigen müßten, sondern erfüllen unsere Mission mit den Mitteln, die viele einzelne glaubensstarke Menschen uns freiwillig zur Verfügung stellen, weil sie an das Werk Gottes glauben und Gott sie dazu ermutigt hat, uns zu unterstützen.

Vielen herzlichen Dank. Der Herr wird euer Belohner sein.
(Und wenn auch du einer von den Hunderten bist, die regelmäßig die Botschaften auf der Homepage oder über die "OnlineKirche" auf YouTube hören, wenn du also etwas von uns hast, aber noch kein Geber bist, dann überleg mal, ob du nicht auch etwas beisteuern könntest. Dann hilfst auch du, daß andere das kompromißlose Wort Gottes in unserer schwierigen Zeit gepredigt bekommen. Just a thought).

Geber haben eine besondere Verheißung. (Ergreife sie. Sag ja zu ihr!):

"Mein Gott aber wird alles, wessen ihr bedürft, erfüllen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus." (Philipper 4, 19).

Freitag, 4. Januar 2019

Salomo 2019

"Mein Vater hat euer Joch schwer gemacht, ich aber will euer Joch noch schwerer machen."
1 Könige 12, 14.

Ich musste in diesen Tagen der atemberaubenden und absonderlichen Politik an den König Salomo denken, der als der weiseste König aller Zeiten gilt, denn Gott hat ihn weise gemacht. (1 Könige 10,23).
Was nicht alle sehen, ist, dass da im Lauf der Zeit, zuerst unmerklich, dann immer deutlicher, eine Zerrüttung stattgefunden hat. Denn Salomo der Weise beginnt in 1 Könige 5,28 plötzlich, aus ganz Israel Zwangsarbeiter auszuheben.
Ein weiser, messiasähnlicher König macht sein Volk plötzlich zu Sklaven—wie Pharao, der Feind Gottes?
Ein Bruch, wie gesagt.
Er, der Friedliche (Salomo kommt von Schalom), der Mann Gottes, baute sieben Jahre lang am legendären Tempel des Herrn. (1 Könige 6,38).
Er baute 13 Jahre—also fast doppelt so lang—an seinem eigenen Haus. (1 Könige 7,1).
Salomo begann offensichtlich mehr und mehr sich selbst zu gefallen.
Außerdem wurde er geizig.
Sein Freund Hiram, der König von Tyrus, hatte ihn bei seinen Bauvorhaben mit 120 Talenten Gold (4080kg, 148.267.200,00 Euro) überaus großzügig unterstützt. Zum Dank gab Salomo ihm 20 miserable Städte im Land Galiläa. Der geprellte Hiram nannte sie das Land "Kabul", das nichtige, das gefesselte Land. (1 Könige 9,13). Sie waren nicht recht in seinen Augen.
Salomo war auch sehr weltoffen und tolerant, sodass er viele ausländische Frauen ins Land holte, die er dann sehr liebte, (ähnlich wie man heute liebenswerte junge Männer aus aller Welt ins Land holt und diesen dann die Vorzugsbehandlung angedeihen lässt). Salomo liebte diese Mädels so sehr, dass er gar nicht genug von ihnen bekommen konnte. Zum Schluss hatte er 700 Ehefrauen und 300 Nebenfrauen. Die kosteten natürlich. Sein luxuriöser Lebenswandel auch. Bisher war die Finanzierung kein Problem gewesen, denn Gott war mit ihm. Doch irgendwann muss Gott ihm nicht mehr genug gewesen sein und er verfiel darauf, hohe Steuern einzutreiben.
Ruinöse Steuern.
Ähnlich wie Ludwig XIV.
Als dieser Sonnen(stich)könig 1715 endlich starb, hatte ein Viertel des französischen Volkes entweder das Land verlassen oder war gestorben, (an Hunger oder Christenverfolgung (Hugenotten) oder Krieg). Die Wirtschaft lag wegen der unglaublichen Steuerlast darnieder, die vielen Kriege hatten das übrige getan. Der aufgestaute Frust führte zu akutem Atheismus und später zur berüchtigten französischen Revolution von 1789-1799. (Und dann kam Napoleon…)
Doch wir waren bei Salomo.
Unter den vielen ausländischen Frauen des Königs waren praktisch keine Anbeter des Gottes Israels. Vielmehr brachten die alle ihre eigenen Götter mit. Sie neigten das Herz des alten Königs ihren Göttern zu und der weiseste König aller Zeiten, der Sohn Davids, der Gesegnete des Herrn, der Fachmann für Soziologie, Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Philosophie, Rhetorik, Ästhetik, Logik und Theologie baute die Heiligtümer heidnischer Götzen und betete diese an.
Was für ein Absturz.
Salomo wurde nicht besonders alt, nur etwa 60 Jahre, (die allerdings langten Israel).
Als er starb, erbte sein Sohn Rehabeam, der Sohn einer Ammoniterin, ein zerrüttetes Reich. Das Volk beklagte sich beim neuen König über das harte Joch und die hohen Steuern, doch Rehabeam verminderte die Lasten nicht, sondern versprach, sie noch zu erhöhen. Darüber zerbrach das Land. Denn als Rehabeam den Aufseher über die Zwangsarbeit aussandte, um noch mehr freie Israeliten zu Sklaven zu machen, da zog sich das Volk endgültig die gelben Westen an und steinige den Mann, sodass er starb. (1 Könige 12,18). Rehabeam selber bestieg eilends den Dienstwagen und floh. Von da an gab es das Nordreich Israel und das Südreich Juda. Gott, der durchaus ein Herz für Vielfalt hat, wollte es so. (1 Könige 12,24).
Das neuentstandene Nordreich Israel war ein permanenter Fall für die Tonne, nicht einer seiner Regenten bewährte sich, während das Südreich Juda immer wieder starke Könige hatte.
Immerhin.
Der Zerbruch eines zur Tyrannis gewordenen Staatswesens in seine Einzelteile ist keine Katastrophe. Wie gesagt, Gott liebt die Vielfalt. Auch die Pluralität der Nationen geht auf ihn zurück. Man denke nur an den Turmbau zu Babel.

Wie anders als Salomo ist doch der König der Könige:

"Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht." (Matthäus 11,28-30).

Montag, 31. Dezember 2018

Einen guten Beschluß

"Der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht, heller und heller erstrahlt es bis zur Tageshöhe." (Sprüche 4, 18).

Allen Lesern einen "guten Beschluß", wie man hier, in diesem Teil von Unterfranken, zu sagen pflegt und natürlich ein gutes neues Jahr.

In vielerlei Hinsicht war 2018 unser bestes Jahr. Wir haben nicht nur schöne Gottesdienste in der Gemeinde gehabt, sondern auch eine Evangelisation veranstaltet, bei der die Stadthalle aus allen Nähten platzte. Außerdem haben wir mit einem mittleren fünfstelligen Betrag einen halben Gospel Truck finanziert, der nun in Afrika im Einsatz ist, (dies zusätzlich zu unseren allgemeinen Ausgaben für Mission).
Gospel Truck?
Christus für alle Nationen aus Frankfurt hat die Verbindungen und das nötigen Personal, um Lastwagen, die eine Bühne samt Soundsystem auf der Ladefläche haben, im afrikanischen Busch effektiv evangelistisch einzusetzen. Etwa die Hälfte einer solchen umherfahrenden Erweckungsstation haben wir bezahlt. Der Truck ist bereits im Einsatz und bringt Frucht für den Herrn.

Wer weiß, was Gott für 2019 alles an Gutem für uns vorgesehen hat? Freuen wir uns auf das neue Jahr.

"In deiner Hand sind meine Zeiten." (Psalm 31, 16).

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Der Stern von Bethlehem

"Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise vom Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: Wo ist der König der Juden, der geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen."
Matthäus 2,1-2.

Es war ein ruhiger Abend.
Caspar und Melchior standen auf der Terrasse der Sternwarte in Babylon und blickten hinaus auf die nächtliche Stadt. Der Himmel über ihnen war heute wie ein schwarzes Tuch mit tausenden von Löchern, durch die das Licht dahinter durchschien.
„Schön, nicht?“ sagte Caspar.
Melchior nickte. Er hatte plötzlich das Gefühl, dass es über ihm heller wurde. Er blickte auf. Mit großen Augen deutete er nach oben. „Caspar, schau mal.“
Auch Caspar blickte nun nach oben. Er schluckte. „Das ist aber mal ein großer Stern.“
„Der ist nicht normal,“ sagte Melchior.
Die Kugel aus Licht war in der Tat größer als der größte Stern, den die beiden Weisen je gesehen hatten. Er war nicht ganz so groß wie der Mond, aber er hatte einen Vorhof wie dieser manchmal einen hatte, wenn das Wetter danach war, und schien eingebettet in eine Wolke.
Balthasar kam die Treppe herauf. Als auch er das Licht sah, stand er still und sagte, „Wau.“
„Schön, nicht?“ sagte Caspar noch einmal.
„Er bewegt sich,“ stellte Melchior fest. „Er fährt nach Westen.“
„Das erinnert mich an was, das ich neulich gelesen habe,“ sagte Balthasar.
„Was hast du denn gelesen?“ sagte Caspar.
„Das Buch von Obervorsteher Daniel,“ entgegnete Balthasar.
Die anderen beiden wussten gleich, von wem er sprach, obwohl das Buch des legendären Obervorstehers hunderte von Jahren alt war.
„Und was genau hast du da gelesen?“ sagte Caspar.
„Ich kenne die Stelle auswendig,“ sagte Melchior, der alte Fuchs, der genau wusste, worauf Balthasar anspielte.
„Schieß los,“ sagte Caspar.
„Ich schaute in Gesichten der Nacht,“ begann Melchior, „und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn eines Menschen. Und er kam zu dem Alten an Tagen, und man brachte ihn vor ihn.“
Caspar deutete nach oben. „Du denkst, das dort oben ist…“
Balthasar nickte.
Melchior fuhr fort, „Und ihm wurde Herrschaft und Ehre und Königtum gegeben, und alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum so, daß es nicht zerstört wird.“
Obervorsteher Daniel war von königlicher Abstammung gewesen. Der Mann hatte von einem geheimnisvollen König aus dem Hause Juda geschrieben, der eines Tages kommen und die Welt beherrschen würde. Daniel hatte ihn „den Gesalbten“ genannt.
Konnte es sein, dass da oben...
„Wann soll er denn kommen,“ sagte Caspar, „der ewige König?“
„Daniel hat auch darüber etwas gesagt,“ sagte Balthasar. „Da müsste ich aber noch mal schnell nachschauen.“
Die beiden anderen hörten seine Schritte auf der Treppe. Wie gebannt blickten sie noch immer auf die Erscheinung über ihnen, die langsam nach Westen driftete. Manchmal schien der Stern zu verharren, ganz so als wollte er sie auffordern, ihm zu folgen.
Balthasar hatte die Schriftrolle in der Hand und las, während er die Stiege wieder heraufkam. Er murmelte etwas von sieben Wochen und 62 Wochen und kam auf 69 Wochen. Dann multiplizierte er das Ganze mit sieben und sagte schließlich, „Von dem Befehl, Jerusalem wieder aufzubauen, bis zum Gesalbten, dem Fürsten, sind es 483 Jahre.“
„Wie lang ist es denn her, dass der Befehl, Jerusalem wieder aufzubauen, erging?“ sagte Caspar.
Balthasar zählte seine Finger ab und rechnete. Dann sagt er, „483 Jahre.“
Die drei Weisen blickten sich mit großen Augen an.
„Dann ist das da oben tatsächlich was Prophetisches…“ sagte Caspar.
„Ein Zufall ist das nicht,“ sagte Melchior.
„Daniels 'Menschensohn' ist unterwegs,“ sagte Balthasar mit Bestimmtheit. „Ich sag euch, irgendwo auf dieser Welt wird in diesen Tagen dieser göttliche König, der über alle Völker herrscht und dessen Reich nie vergeht, geboren. Er kommt mit Wolken des Himmels. Das da oben ist sein Stern.“
„In Judäa?“ sagte Melchior. Daniel war vom königlichen Geschlecht aus dem Hause Juda gewesen.
„Der Stern bewegt sich,“ stellte Caspar fest. „Warum folgen wir ihm nicht einfach?“
Die anderen waren sofort Feuer und Flamme.
„Aber wir können nicht mit leeren Händen aufkreuzen,“ warf Melchior ein. „Wir haben es hier mit einem ziemlichen König zu tun. Dem sollten wir angemessen huldigen.“
Alle drei nickten bedächtig.
„Also, ich bring ihm Gold mit,“ sagte Caspar. „Gold ist das Geschenk für Könige.“
„Und ich Weihrauch,“ fügte Melchior schnell hinzu. „Das kann er seinen Priestern geben, die für sein Volk bitten werden. Die mögen das in Rauch aufgehen lassen.“
Balthasar überlegte. Seine Kollegen hatten ihm das Naheliegendste schon weggeschnappt. Doch dann sagte er, „Myrrhe. Ich bring ihm Myrrhe mit.“
„Warum denn das?“ sagte Caspar. Myrrhe brauchte man, um Tote einzubalsamieren.
„Das erkläre ich euch auf dem Weg,“ sagte Balthasar. „Es gibt da nämlich noch ein paar andere Propheten aus dem Land Juda, ältere als Daniel. Die haben auch über diesen kommenden König geredet. Die habe ich auch gelesen.“
„Klingt spannend,“ sagte Caspar.
„Vor allem dieser Jesaja. In Kapitel 53 seines Buches schreibt der Sachen...“
„Der Stern bewegt sich,“ unterbrach Melchior. „Wir müssen los.“
Noch in dieser Nacht brachen sie auf.

"Nach diesem sah ich: und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen. Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm!" (Offenbarung 7,9-10).