Samstag, 27. Mai 2017

Herr B. und die Säulen des Salomo

„Eisen und Erz seien deine Riegel, und wie deine Tage so deine Kraft.“
5 Mose 33, 25.

Als wir neulich in der Wüste Negev waren, (heiß), besuchten wir auch eine antike Kupfermine, (noch heißer).
Und die Säulen des Salomo.
Diese Säulen sind nicht wirkliche Säulen, sondern Teil eines roten Felsmassivs, das sich aus der geben Wüste erhebt. Sie erinnern den wehmütigen jüdischen Betrachter an die massiven Säulen Jachin und Boas vor dem Tempel Salomos in Jerusalem. (2 Chronik 3, 17).

Hier sind sie:

 
Mich erinnern die Säulen an Herrn B.
Herr B. ist ein sächsischer Israelfreund und 80 Jahre alt. Und kein bisschen gebrechlich. Im Gegenteil. Er ist fit wie ein Turnschuh. Der ehemalige Diakon erklomm mit uns Jüngeren die Säulen Salomos, und das trotz brütender Hitze.
Auf schmalen Treppen, (Mitte rechts im Bild), ging es hoch hinauf. Jüngere keuchten und kreuchten und machten schlapp. Links und rechts sanken Wanderer darnieder und riefen mit krächzenden Stimmen nach Wasser. Einige blieben auf der Strecke liegen. Manche ergriff der Schwindel der Erschöpfung und sie stürzten in die Tiefe. Wir vermissen sie noch heute.
Nein Quatsch.
Alle schleppten sich wohlbehalten über den Berg. Erst hoch hinauf und auf der anderen Seite wieder runter. Und Herr B., quietschfidel, immer mittendrin.
Sehr inspirierend.
Was mir allerdings auffiel, war, dass Herr B. eine ziemliche Frohnatur ist. Er liebt den Herrn, packt den Tag bei den Hörnern und kann am Abend schon mal eine Reisegruppe mit witzigen Geschichten aus dem Erzgebirge unterhalten. Er ist kein grüblerischer Allroundkritiker. Ich habe ihn nicht ein Mal motzen hören. Gott segne ihn und gebe ihm noch ein langes Leben.

„Ein fröhliches Herz bringt gute Besserung, aber ein niedergeschlagener Geist dörrt das Gebein aus.“ (Sprüche 17, 22).

Donnerstag, 25. Mai 2017

Die Israelisierung des Westens

„Stehe auf, Gott, führe deinen Rechtsstreit! Gedenke deiner Verhöhnung durch den Toren den ganzen Tag! Vergiß nicht die Stimme deiner Widersacher, das ständig aufsteigende Getöse derer, die sich gegen dich erheben.“
Psalm 74, 22-23.

Ich war neulich in Jerusalem.
Wenige Minuten nachdem unsere Reisegruppe durch das Löwentor in die Altstadt gegangen war, versuchte ein als Jude verkleideter 57-jähriger Jordanier mit zwei Messern in den Händen und einem Alla-ackbar auf den Lippen einen Polizisten zu erstechen. Der Polizist ging verletzt zu Boden und schoss. Der Terrorist starb.
Und wir hätten beinah zugeschaut.
Dergleichen Nachrichten aus Israel ist man gewohnt. In den Augen vieler sind die Israelis ja auch selbst schuld, diese üblen Besatzer. Warum existiert dieser Staat überhaupt? Warum haben sich die Israelis nicht schon längst freiwillig ins Meer gestürzt, wie es ihre Hasser fordern, und den Weg für einen Palästinenserstaat freigemacht?
Nun, für mich steht das Lebensrecht des Judenstaates außer Frage. Viele in Europa, inklusive Regierungen, Parteien, akademische Zirkel und sogenannte NGOs, sehen das ziemlich anders. Die lassen kein gutes Haar an Israel. So manch einer rechtfertigt den Terror mit der Politik Israels.
Doch nun hat es Manchester, England, getroffen. Ein durchgeknallter Mohammedaner sprengte sich während des Konzerts des amerikanischen Popsternchens Ariana Grande in die Luft und 22 Menschen starben.
Jugendliche.
Kinder.
Viele weitere wurden verletzt. Manche sind für ihr Leben gezeichnet.
Eine ungeheuer feige Tat. Wie tief kann man als Radikaler noch sinken?
Der Terror Israels hat nun England erreicht. Dabei ist England nicht Israel. Die politische Situation ist eine völlig andere. An England grenzen keine Palästinensergebiete. England unterhält dort keine Siedlungen. Den Explosionswilligen unter den Moslems und ihren Hintermännern ist das offenbar egal.
Was machte England zu Israel?

Die Tatsache, dass der Terror funktioniert.

Die Gesellschaften des Westens verändern sich. Und momentan nicht im positiven Sinne.
Nun hagelt es wieder Betroffenheitsplattitüden, „Wir sind in Gedanken bei den Hinterbliebenen“-Schmonz, bedeutungslose Wohlfühlposts auf sozialen Medien und Blumen samt Kreidebotschaften auf Gehsteigen.
All dies ist den Hinterbliebenen garantiert kein Trost.
Ansonsten steckt man weiter den Kopf in den Sand. Die Franzosen haben gerade jemanden gewählt, der das Terrorproblem impondérable nennt, unwägbar, und damit unlösbar. Eine Tatsache des Lebens, mit der man sich abfinden muss.
Die deutsche Lösung?
Frau Merkel besteht darauf, die riesige Menge der sogenannten Flüchtlinge, die sie hereingelassen hat, „gerecht“ über die EU zu verteilen. (Der Mörder von Manchester war der Sohn libyscher Flüchtlinge). Doch die anderen Staaten pfeifen ihr was. Ich wage sogar zu behaupten, dass das Aushebeln der Dublin-Gesetze durch die Bundeskanzlerin einer der Gründe für den Brexit war. Denn das mächtige Deutschland zeigte sich in seinen Sonderwegen wieder einmal unberechenbar. Und nervös. Und leicht reizbar, was man am berüchtigten Antiinternethassgesetzentwurf des Justizministers leicht ablesen kann. (Der Mann hat übrigens seine Frau und zwei Kinder verlassen und sich mit einer Schauspielerin zusammengetan und ist noch immer nicht zurückgetreten).
Amerika macht es bisher nicht besser.
Unter Obama nannte es seine Terroranschläge „Gewalt am Arbeitsplatz“ oder „menschengemachte Desaster.“ Selbst als ein radikaler Moslem den schlimmsten Anschlag seit 9/11 verübte und einen Nachtklub in Florida heimsuchte, wo er 49 Schwule umbrachte, blieb die LGBPTQWERTY-Buchstabensuppenlobby seltsam still. Kein Wort gegen die Religion des Friedens. Vielmehr verlangte man strengere Waffengesetze.
Es ist zum Haareausraufen.
Zumindest fand Trump in Riad deutliche Worte gegen den islamischen Terror, den er unwidersprochen beim Namen nannte.

Es trifft alle Bereiche des Lebens.
Islamische Terroristen haben Juden in Frankreich attackiert und die Welt zuckte mit den Schultern. Tote Juden sind dem Westen relativ egal, solange es sich nicht um solche handelt, die im Holocaust starben. Frankreichs Synagogen sind heute Festungen.
So zogen die Terroristen weiter und griffen Christen an, wie etwa den französischen Priester, der während der Messe enthauptet wurde, oder den Berliner Weihnachtsmarkt. Doch das nachchristliche Europa nimmt sein Christentum weniger ernst als dessen Feinde.
Außerdem seien das alles Einzelfälle.
Auch Nationalsymbole wurden angegriffen: Frankreich am Bastille Tag, Kanadas Cenograph, und neulich die Mutter aller Parlamente in London. Doch das Konzept Nation ist im Westen neuerdings ja auch umstritten. Angriffe auf Nationalsymbole erregen deshalb niemanden mehr.
Also wird nun die Kultur angegriffen: das Bataclan in Paris, Charlie Hebdo, (eine Zeitung, die man nicht mögen muss), das Konzert von Ariana Grande, der große Ahlens-Laden in Stockholm.
Wir können darauf warten: Eines Tages schafft's mal ein Dschihadi, sich auf der Bühne in die Luft zu sprengen, während eine der schamlosen Ungläubigen in ihrer Unterwäsche dort herumhopst und singt.

Leon Trotzki, der Gründer der Roten Armee, sagte einst: Du magst am Krieg kein Interesse haben, doch der Krieg hat Interesse an dir. Wir mögen kein Interesse am Dschihad haben, doch das heißt nicht, dass dieser kein Interesse an uns hat.

Der Terror verändert unsere Welt. Furcht vor den Tätern und vor der atemberaubenden Unfähigkeit der Politik, sich zu wirksamen Lösungen durchzuringen, wabert durch die Gesellschaft.
Natürlich sind die meisten Zuwanderer friedlich. Die neue BKA-Statistik zeigt, dass nur etwa jeder zehnte auffällig wird. Manche sind wunderbar produktiv und integrieren sich gern. Viele werden Christen. Ich selber taufte neulich einige von ihnen. Das sind wunderbare Menschen. Doch es ist halt so wie mit dem faulen Apfel im Korb: Der eine macht die vielen verdächtig. Das ist unfair, aber menschlich. Und Denkverbote sind keine Lösung. Die rächen sich früher oder später.
Jedenfalls können wir nicht so weitermachen wie bisher. Wir müssen den Terroristen entschlossener entgegentreten.
Was tun?
Wir könnten einen Blick auf Israel werfen, wo man sich aus purer Existenznot zu wirksamen Schritten gegen den Terror durchgerungen hat. Israel wurde dadurch nicht populärer in der Welt. Aber es behauptet sich. In einem Meer des Hasses und der Feindschaft.
Et tu, EU?

„Seid nüchtern, wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann.“ (1 Petrus 5, 8).

Montag, 22. Mai 2017

Zwei Arten von Wahrheit

„Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
Johannes 14, 6.

Habe neulich den Orient bereist und dort gehört, dass es zwei Arten von Wahrheit gibt.
Mit der ersten sind wir vertraut. Der Sprecher nannte sie: Die griechische Art der Wahrheit.
Die griechische Wahrheit ist streng rational. Bei ihr ergibt 2 + 2 stets 4 und nichts anderes. Ein Mensch mit diesem Wahrheitsverständnis versucht, hinter die Kulissen zu blicken und die wahre Motivation hinter Taten und Worten zu ergründen. Diese Wahrheit zwingt quasi zum Seelenstriptease.
Diese Wahrheit kann schmerzhaft sein.
Heilsam natürlich auch, etwa wenn die Wahrheit endlich ans Tageslicht kommt und ein Schuldiger seine Schuld bekennt oder überführt wird.
Die Griechen hatten dieses Verständnis von Wahrheit und wir haben es über die Römer übernommen, (wenn wir es nicht schon vorher hatten).

Und dann gibt's da noch die orientalische Version der Wahrheit.
Ein Orientale, so der mit dem Orient bestens vertraute Sprecher neulich, denkt die Wahrheit von der Beziehung her. Was ist momentan gut für die Beziehung? Wenn ich einem Orientalen eine Frage stelle, dann fragt er sich, was ich hören will, bevor er antwortet. Und das sagt er mir dann. Als Wahrheit.
Der Sprecher hatte ein interessantes Beispiel parat: Ein Orientale war bei einer Prostituierten. Nun kommt er nach Hause und seine Gemahlin sieht das blonde Haar am Kragen und den Knutschfleck auf der Backe. Außerdem riecht sie das Parfüm der fremden Frau.
„Du warst bei einer fremden Frau!“ sagt sie bestürzt.
Und dann sagt er die Wahrheit: „Nein.“
Denn das ist, was seine Frau nun hören muss. Nur eine solche Antwort erhält die Beziehung. Die wahre Wahrheit würde zu einer großen Belastung werden. Er hätte seine Ehre verloren, er würde seine Frau verlieren, er hätte Schande über die Familie gebracht, gäbe er zu, tatsächlich eine Hure besucht zu haben. Und so ist die Wahrheit für ihn: Nein, ich war nicht bei einer fremden Frau.
Und seine Umwelt akzeptiert das.

Es ist gut zu wissen, dass es verschiedene Haltungen zur Wahrheit gibt. Wenn zwei dasselbe sagen, meinen sie noch lange nicht dasselbe. Auf den Sprecher kommt es an.

Welche Haltung hat Gott zur Wahrheit? Neigt er der griechischen oder doch eher der orientalischen Version zu? Die Antwort ist eindeutig: „"Dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Aufrichtigkeit ist Zepter deines Reiches.“ (Hebräer 1, 8).
Sein Zepter ist Aufrichtigkeit.
Aufrichtigkeit ist eng verbunden mit Ehrlichkeit.
Ehrlichkeit und Wahrheit sind engstens miteinander verwandt.

Gott liebt Menschen, die die wahre Wahrheit lieben:
„HERR, wer darf in deinem Zelt weilen? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg? Der rechtschaffen wandelt und Gerechtigkeit übt und Wahrheit redet in seinem Herzen.“ (Psalm 15, 1-2).
Und:
„Jesus sah den Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Trug ist.“ (Johannes 1, 47).

Die eine Art Wahrheit gibt Leben, die andere führt ins Chaos.

Freitag, 19. Mai 2017

Überrascht von der Güte des Königs

„Und David sagte: Gibt es vielleicht noch jemand, der vom Haus Sauls übriggeblieben ist, damit ich Gnade an ihm erweise um Jonatans willen.“
2 Samuel 9, 1.

Während ich mit einer tollen Gruppe von Bibelinteressierten im Heiligen Land unterwegs war, sprach Pastor Rainer Nüsslein aus Salzburg letzten Sonntag im CGZ. Ich habe die Botschaft noch nicht gehört, weiß aber, dass er über Mefi-Boschet gesprochen hat.
Prima Thema.
Mefi-Boschet war ein Sohn Jonathans, des jung verstorbenen Jugendfreundes von König David.
Mefi war an beiden Füßen gelähmt und lebte, obwohl königlicher Abstammung, in einem Haus in der Wüste. Wie David Ben Gurion, Israels erster Premier, auf seine alten Tage. (Wir waren in seinem Haus in der Negev).
Mefi-Boschet wurde von klein auf eingetrichtert, dass David ein böser Mann sei, der Mefis Großvater Saul den Thron geklaut habe. Stimmte natürlich nicht. Doch die Wahrheit ist im Nahen Osten oft relativ. (Darüber kommt noch was).
In Wirklichkeit hatten David und Mefis Vater Jonathan einen Bund miteinander. Mefi wusste davon jedoch nichts. David, mittlerweile reich und mächtig, hatte diesen Bund nie vergessen. Da er Jonathan nichts mehr Gutes tun konnte, wollte er wenigstens dessen Nachkommen zum Segen werden. Und so fanden seine Leute Mefi-Boschet in seinem Versteck in der Wüste.
Mefi wurde an den Hof geholt und dort behandelt wie eines der Königskinder. David behandelte ihn, wie er Jonathan behandelt hätte, wäre dieser noch am Leben gewesen: Er bekam sogar die Besitztümer Sauls zurück.
Mefi wurde phänomenaler Segen zuteil—nicht aufgrund eigener Werke, sondern aufgrund des Bundes seines Vaters mit dem König.
Auch wir leben in einer geistlichen Familie, die einen Bund mit dem König hat.
Unser König ist Gott.
Unser „Vater“ ist Jesus, der einen Bund mit Gott hat.
Aufgrund des Bundes Gottes mit Jesus werden wir gesegnet.
Wir sind in derselben Position wie Mefi-Boschet.
Zuviele Christen sind geistlich an beiden Beinen gelähmt und leben zurückgezogen in der Wüste. Dabei sind wir die Gesegneten des Herrn! Jede Segnung Gottes gehört uns so, wie sie Jesus gehört.
Lass das mal einsinken.

„Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen. Denn wer Gott naht, muß glauben, daß er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.“ (Hebräer 11, 6).

Samstag, 6. Mai 2017

Naturbauerntheater

„Du, der Quellen entsendet in die Täler: Zwischen den Bergen fließen sie dahin. Sie tränken alle Tiere des Feldes, die Wildesel stillen ihren Durst.
An ihnen wohnen die Vögel des Himmels, aus dichtem Laub lassen sie ihre Stimme erschallen.
Du, der die Berge tränkt aus seinen Obergemächern: von der Frucht deiner Werke wird die Erde gesättigt.“
Psalm 104, 10-13.

Saß gestern Abend/Nacht ein wenig in der Waldeinsamkeit herum. Was man da alles sieht.
Wenn man still sitzt und, sagen wir, ins mitgebrachte NT schaut, dann denken die Tiere irgendwann man gehört dazu. Dann kommen sie und leisten einem Gesellschaft.
So hat eine ganze Eichelhäher-Familie mächtig Show gemacht. Das sind Rabenvögel, die aber nicht so aussehen. (Rabenvögel sind übrigens Singvögel. Allen ernstes). Eichelhäher sind braun und haben charakteristische blaue Federn auf den Flügeln. Und einen grauen Helm. Naja, gefleckt braun/grau.
Sehr adrett.
Baumläufer (braun mit weißem Bauch) fliegen von Baum zu Baum und fangen jeweils unten an und laufen um den Stamm herum nach oben. Sie sind nicht besonders groß, aber unermüdlich.
Irgendwann walzte sich ein Eichhörnchen durch Laub und Unterholz, feuerrot und gefährlich, (nicht für mich natürlich), um sich dann im Zeitlupentempo einen Baum hinaufzuschieben.
Ich wünschte mir, ich hätte ein vernünftiges Fernglas dabei gehabt.

„Du bestellst Finsternis, und es wird Nacht. In ihr regen sich alle Tiere des Waldes.“ (Psalm 104, 20).
Irgendwann war es Nacht und der Mond kam raus. Es war magisch hell. Jeder Baum hatte einen scharfkantigen Schatten und ich fühlte mich in meine Kindheit zurückversetzt. (Warum weiß ich auch nicht).
Ab da wurde es jedoch langsam langweilig.
Weder Fuchs noch Hase, noch Wildschwein, noch Waschbär kamen vorbei. Für Dachs und Marderhund war es wahrscheinlich noch zu früh. Die sind alle nachtaktiv. Wolf kam auch keiner. Luchs auch nicht. Und für Löwen und Bären sind wir in der falschen Weltgegend.
Naja, man kann nicht alles haben.
(Allerdings habe ich neulich aus dem Auto heraus einen flachen Schmalzmann (Dachs) im Licht der Autoscheinwerfer am Waldrand herumdackeln sehen).

Ein Extraschmankerl: In einem Busch einen Meter von unserem Haus entfernt hat entweder ein Star oder eine Ringdrossel ihr Nest gebaut. Ich werd ihr wohl vom Fenster aus beim Brüten zusehen können.
Die nächsten paar Tage verbringe ich in einer anderen reizvollen Landschaft. Werde berichten.

„Wie zahlreich sind deine Werke, o HERR! Du hast sie alle mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll deines Eigentums.“ (Psalm 104, 24).

Donnerstag, 4. Mai 2017

Führt Gott in Versuchung?

„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“
Matthäus 6, 13.

„Pastor, führt Gott uns in Versuchung?“

Versuchungen sind eine Tatsache des Lebens, um die keiner herumkommt. Und: Natürlich führt Gott uns in Versuchung. Das tut er ganz automatisch. Allein das Aufstellen einer Regel bringt eine Versuchung mit sich. Denn nun bin ich versucht, die Regel zu umgehen, das Gebot zu brechen.
Aber Jakobus hat schon recht, wenn er sagt: „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand. Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird.“ (Jakobus 1, 13-14).
Gott versucht niemanden. Er ist nicht der Versucher.
Und der Versucher kann uns nur versuchen, wenn uns ein inneres Bedürfnis zieht und lockt. Hier setzt er an. Und hier wird es auch gefährlich, denn auf Versuchungen hereinzufallen hat Konsequenzen. Jakobus sagt in Vers 15: „Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie Sünde. Die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“ Tod ist nicht lustig.
Gott gibt gute Gaben und vollkommene Geschenke. Und da er Liebe ist, versucht er niemanden zum Bösen.
Und doch lässt es zu, dass wir versucht werden.
Warum?
Nicht um uns zu schaden oder uns gar zu vernichten. (Obwohl dies natürlich im Bereich des Möglichen ist, wenn wir auf den Betrug der Versuchung eingehen. Eva und Adam wissen ein Lied davon zu singen).
Jesus zeigt, worum es Gott geht, wenn er uns in Versuchung führt.
Von ihm heißt es: „Dann wurde Jesus von dem Geist in die Wüste hinauf geführt, um von dem Teufel versucht zu werden.“ (Matthäus 4, 1).
Jesus wurde also vom Geist Gottes dezidiert in die Wüste geführt, um dort versucht zu werden.
Und nun müssen wir genau lesen:
Als er in die Wüste ging, war er VOLL Heiligen Geistes. (Lukas 4, 1). Nach 40 Tagen voller Versuchungen kehrt Jesus aus der Wüste zurück. Und nun heißt es: „Jesus kehrte in der KRAFT des Geistes nach Galiläa zurück.“ (Lukas 4, 14).
Vor der Versuchung war Jesus voll Heiligen Geistes, nach der Versuchung wandelte er in der Kraft des Heiligen Geistes.
Da ist ein Unterschied.
Das Überwinden von Versuchungen hat Jesus in einzigartiger Weise bevollmächtigt, nun in der Kraft des Geistes zu dienen. Erst jetzt begann er so zu predigen, dass die Massen ihm begeistert zuliefen. Erst jetzt pflasterten Zeichen und Wunder seinen Weg. Erst jetzt weckte er Tode auf und vergab Sünden und tat Dinge, die nur Gott tun kann.

Das Überwinden von Versuchungen führt zu vergrößerter Vollmacht.

Nun fühlt es sich nie gut an, massiv versucht zu werden. Doch Paulus sagt: „Keine Versuchung hat euch ergriffen als nur eine menschliche. Gott aber ist treu, der nicht zu lassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, so dass ihr sie ertragen könnt.“ (1 Korinther 10, 13).
Keine Anfechtung dauert ewig.
Und hinterher sind wir stärker.

„In diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat.“ (Römer 8, 37).

Dienstag, 2. Mai 2017

Gottes Leitkultur

„Ein Gesetz soll gelten für den Einheimischen und für den Fremdling, der sich mitten unter euch aufhält.“
2 Mose 12, 49.

In diesen Tagen ist der Innenminister im Gespräch, weil er ein paar Punkte aufgezählt hat, mit denen er eine Leitkultur definieren will. Er hat, wie zu erwarten war, viel Widerspruch einstecken müssen. Dabei hat er nur Offensichtliches ausgesprochen.
Zu seinen prägnanteren Sätzen gehört: „Wir sind nicht Burka.“ (Eine Burka ist der Sack, den sich manche Mohammedanerinnen über den Körper stülpen müssen). In Deutschland schauen wir uns ins Gesicht. Nun ist mir ein massenhaftes Auftreten von Burkaträgerinnen nicht bekannt. Doch vielleicht sieht der Innenminister eine Entwicklung in diese Richtung, dass er das noch mal klarstellt.

Eine Leitkultur speist sich immer aus den tiefsten Überzeugungen einer Gesellschaft.
Überzeugungen wiederum beruhen auf einer Weltsicht.
Eine Weltsicht beruht auf Glaubensannahmen.
Es ist deshalb der kollektive Glaube einer Gesellschaft, der eine Leitkultur hervorbringt.
Und weil eine Leitkultur eine ganze Kultur leitet, d. h. Einfluss auf jeden einzelnen in einer Gesellschaft hat, ist es so wichtig, woraus sich dieser Glaube speist.
Politiker aller Couleur wollen eine Leitkultur oktroyieren, in dem sie ihre Sicht der Dinge in Gesetze gießen, an die sich dann alle zu halten haben. Üble Sache, wenn die Falschen an der Macht sind. Denn dann wird noch das abartigste Verhalten als zu akzeptierender Normalfall propagiert.

Gottes Leitkultur hat einen Namen: Jesus.
Paulus schreibt in Römer 8, 29: Gott hat uns „vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“
Eine Gesellschaft, in der alle bestrebt sind, so wie Jesus zu sein, würde hemmungslos aufblühen.

„Wenn die Gerechten triumphieren, ist die Herrlichkeit groß, wenn aber die Gottlosen aufkommen, versteckt sich der Mensch.“ (Sprüche 28, 12).