Donnerstag, 14. September 2017

Gott begegnet uns auf unserer Ebene

„Wenn wir untreu sind - er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“
2 Timotheus 2, 13.

Das Wort „untreu“ im obigen Vers kann auch mit „ungläubig“ übersetzt werden.
Ungläubig im Sinn von kleingläubig.
Hier ist nicht die Rede von Leuten, die nicht an Jesus glauben, oder gar von Christen, die ihr Glaubensleben aufgegeben haben. Denn der Vers unmittelbar davor ist unmissverständlich: „Wenn wir verleugnen, wird auch er uns verleugnen.“
Wie ist Vers 13 dann zu verstehen?
Es ist so: Gott hat atemberaubende, schier unglaubliche Segnungen für uns vorbereitet. Um diese zu erlangen, ist jedoch naturgemäß ein großes Maß an Glauben erforderlich. Der Glaube ist die Hand, die in Gottes Schatzkammer hineingreift und Segen um Segen auf die Erde holt.
Kein Glaube, kein Segen.
Wir alle sind an unterschiedlichen Punkten in unserer Glaubensreise und erleben daher ein unterschiedliches Maß an Segen. Manche sollten schon weiter sein, andere machen erstaunliche Fortschritte.

Das Volk Israel sollte das Land Kanaan einnehmen. Dazu war es von Gott aus der ägyptischen Sklaverei herausgeführt worden. Doch als Israel hörte, dass im Gelobten Land Riesen hausen, verzagte das Volk und erging sich in Heulen und Zähneklappern.
Trotz der Zusicherung Gottes, er werde für Israel kämpfen.
Was nun?
Gab Gott das Volk auf? Vernichtete er die Ungläubigen in seinem Zorn? Löschte er die Gehorsamsverweigerer aus und begann mit Mose von vorn? Er hatte gute Lust dazu, allein er tat es nicht.
Er schickte das Volk in die Wüste.
Die Wüste war definitiv nicht Kanaan. Diese Generation Israels war nicht in der Lage gewesen, Gottes besten Plan umzusetzen. Am ganz großen Segen gingen sie vorbei. Schade.
Doch Gott begegnet uns auf unserem Glaubenslevel und segnet uns dort. Dies tat er mit Israel nachdem es sich geweigert hatte, das Gelobte Land einzunehmen.
Israel glaubte nicht an die Einnahme Kanaans und musste deswegen in die Wüste. Und Gott war trotzdem gut.
Er hatte sie aus Ägypten herausgeführt mit Silber und Gold und kein Kranker war unter seinen Stämmen. (Psalm 105, 37). Das muss man sich mal vorstellen. Kein Gebrechlicher war unter ihnen, dabei waren allein die Männer mehr als 600.000.
5 Mose 1, 33 bezeugt: Gott zog vor ihnen her und sucht ihnen einen Lagerplatz. Die Feuersäule bei Nacht diente als Straßenbeleuchtung und als Wärmequelle. Die Wolkensäule am Tag schützte vor der stechenden Sonne. Der Herr segnete das Tun ihre Hände und gab 40 Jahre lang acht auf ihre Wanderung. (5 Mose 2, 7). Gott war eine Wüste mit ihnen. Sie hatten keinen Mangel und erfreuten sich dort seines Segens.
Die Zeit in der Wüste war keine schlechte Zeit.

Beunruhigt von der Menge und der Kraft und Dynamik dieses Volkes vor seinen Landesgrenzen heuerte der Midianiterfürst Balak einen Propheten namens Bileam an. Der sollte Israel verfluchen. Gott kam zu ihm im Traum und verwehrte es ihm: „Du sollst das Volk nicht verfluchen! Denn es ist gesegnet.“ (4 Mose 22, 12). Gott meinte das Volk in der Wüste! Jenes Israel, das sich standhaft geweigert hatte, nach Kanaan hineinzumarschieren. Genau das Israel, dass Gott und Mose manchmal bis aufs Blut gereizt hatte. Deswegen blieb immer halten. Denn in der Wüste folgte das Volk Gott im Großen und Ganzen brav nach.

Auch wenn wir „untreu“  sind, er ist treu.
Denn er kann sich selbst nicht verleugnen.
Wenn du Heilung nicht direkt aus Gottes Hand empfangen kannst, dann arbeitet der Herr daran, dir auf anderem Weg Heilung zukommen zu lassen. Vielleicht tritt ein Doktor mit einer wirksamen Medizin in dein Leben.
Eine eigene Firma zu leiten ist vielleicht nicht dein Ding. Dann gibt dir der Herr eben eine Arbeitsstelle, auf der du dich ausleben kannst, auch wenn du dabei nicht so viel verdienst wie als Selbständiger.
Gott ist jedenfalls ein segnender Gott.

"Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet." (Jakobus 4, 2).

Sonntag, 10. September 2017

Die erste Demokratie

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat.“
1 Petrus 2, 9.

In unserer säkularen Gesellschaft wird gern behauptet, die erste funktionierende Demokratie hätte es in Athen gegeben. Es ist aber so: Die attische Demokratie degenerierte regelmäßig alle paar Jahrzehnte und wurde zu einer Herrschaft des Mobs. (Auch ein Lynchmob ist eine Mehrheit). Es gab in Athen keine Gewaltenteilung, die den Machtmissbrauch verhindert hätte.
Israels Könige hatten ihre Propheten, die sie zur Rechenschaft riefen (und die regelmäßig blutig beseitigt wurden). Athen hatte keine Propheten.
Athen hatte Sokrates.
Was machten die Athener?
Sie verurteilten den unbequemen Sokrates mit ihrer demokratischen Mehrheit dazu, Selbstmord zu begehen. Der gute Mann schlürfte den Schierlingsbecher und starb.
Sein Schüler Plato war schon nicht mehr so überzeugt von der Demokratie. Ihm schwebte mehr ein Philosophenkönig vor. Hierin erinnert er an moderne Denker, die sich gern unparteiische Technokraten an der Spitze des Staates wünschen.
Platos Schüler Aristoteles bildete genau so einen Philosophenkönig aus: Alexander.
Der machte sich daran, die Welt zu erobern, und war ziemlich erfolgreich. Sein Heer walzte durch die Welt und alles was ihm unter die Räder kam wurde griechisch, ob es wollte oder nicht. Und Griechisch wurde die Lingua franca der Welt seiner Tage.
Der blutrünstige Diktator Alexander ist das wahre Produkt griechischer Politphilosophie. Nicht die Demokratie.

Die erste funktionierende Demokratie gab es im alten Israel.
Das meine ich ernst.
Gott selbst gab diesem Volk ein Gesetz, von dem es regiert werden sollte. Nachdem Gott Israel vom ägyptischen Tyrannen (Pharao) befreit hatte, ersetzte er diesen nicht durch einen hebräischen Tyrannen, dessen Launen sie nun unterworfen worden wären. Vielmehr gab er ihnen die zehn Gebote (und 603 weitere, weniger große) als unveränderliches, ewiges Gesetz.
Rechtsausleger waren die Leviten, ein ganzer Stamm, der von Gott kein Land bekam und nichts anderes tat als das Gesetz zu propagieren.
Darüber hinaus gab er ihnen 70 Älteste, Abgeordnete ihrer Stämme und Sippen, die deren Interessen vertreten haben.
Wir sehen hier eine Republik, ja eine repräsentative Demokratie.
Das Volk wählte, Mose erkannte diese Ältesten als solche und berief sie, und Gott bestätigte sie. (4 Mose 11).

Die moderne Demokratie setzte sich ab 1215 in England durch und vor allem in Schottland, dem ersten Land, das praktisch von einem Parlament regiert wurde.
Die Gräueltaten der Könige im späten Mittelalter sensibilisierten die Menschen für Schriftstellen wie 1 Petrus 2, 9, wo es heißt, dass alle Christen Könige und Priester sind. Ein König konnte sich demnach nicht auf ein gottgegebenes Recht, seine Untertanen zu knechten, berufen. Der König war auch nur ein Diener Gottes, er stand nicht über dem Recht.
Das war revolutionär.
In protestantischen Ländern war selbst der König Gott Rechenschaft schuldig.
Die Christen konnten nun mit ihren eigenen Augen in ihren deutschen und englischen Bibeln lesen, dass ein Herrscher zu dienen hatte. Nämlich ihnen, seinen Landeskindern. Jesus selbst hatte gesagt: „Der Größte aber unter euch wird euer aller Diener sein.“ (Matthäus 23, 11). Daran mussten sich Regenten fortan messen lassen.
Außerdem hatte Jesus, der Christus, Gott im Fleisch und König der Könige, seinen „Untertanen“ die Füße gewaschen.
Nachdem diese Ideen einmal aus der Dunkelheit ans Licht geraten waren, gab es kein Halten mehr in christlichen Landen: Die Macht des Königs wurde eingehegt, die Macht des Parlaments gestärkt, und die Freiheit gewann an Boden.
Die überzeugendste Frucht christlicher Politphilosophie hat Amerika vorgebracht: Regierung vom Volk, durch das Volk, für das Volk. Die wählen alles direkt: den Präsidenten, (der nur acht Jahre an der Macht bleiben darf), den Staatsanwalt, ihre Repräsentanten in Kongress und Senat, ihren Sheriff, usw.
Dort wird pausenlos gewählt.
Mit Höhen und Tiefen geht das nun bereits seit mehr als 240 Jahren so. Deutschland, in dem das Evangelium seit rund 150 Jahren einen schweren Stand hat, hat in den letzten 100 Jahren fünfmal seine Regierungsform geändert. Aus Monarchisten wurden Demokraten. Diese scheiterten und wurden Nazis. Diese scheiterten und wurden in getrennten Ländern Kommunisten und Demokraten. Dann rebellierten die Menschen im Osten mutig gegen ihre kommunistischen Tyrannen und schüttelten auch dieses Joch ab.
Deutschland ist zurzeit eine Demokratie. Dass das so bleibt ist nicht ausgemacht.

Wenn eine hohe Migrantenpolitikerin mit deutschem Pass keine deutsche Kultur über die Sprache hinaus erkennen will, dann negiert sie unsere historische christliche Prägung, die uns erst zu dem gemacht hat, was wir heute sind.
Warum tut sie das?
Sie will die deutsche Gesellschaft neu prägen: In ihrem Bild, das in ihrem Fall türkisch/muslimisch ist, und ganz sicherlich nicht christlich. Doch das Christentum ist schuld an unserem Erfolg, seine Arbeitsethik hat uns reichgemacht, seine Barmherzigkeitslehre hat unseren Wohlfahrtsstaat inspiriert. Geben wir das Christentum preis, geht auch alles andere den Bach runter. Dann werden wir wie die Länder, aus denen Flüchtlinge zu uns kommen.
Wollen wir das?
Wir brauchen eine christliche Erweckung.
Und ich kann mir vorstellen, dass sie kommt. Sie könnte ihren Anfang unter Migranten haben, die dann die alteingesessenen Deutschen mit ihrem Eifer für Christus beschämen.
Warum sonst sollten sie gekommen sein (aus geistlicher Sicht gesehen)?

„Dem aber, der über alles hinaus zu tun vermag, über die Maßen mehr, als wir erbitten oder erdenken, gemäß der Kraft, die in uns wirkt, ihm sei die Herrlichkeit in der Gemeinde und in Christus Jesus auf alle Geschlechter hin von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (Epheser 3, 20-21).

Freitag, 8. September 2017

Gute und schlechte Blindheit

"Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr?"
Matthäus 7, 3

Mir ist heute ein Zitat von Rabbi Mosche ibn Esra untergekommen. Es lautet: "Liebe macht uns blind für die Fehler, Haß für die Tugenden der Menschen."
Fand ich gut.

Mittwoch, 6. September 2017

Lästige Charakterschule?

„Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, daß eine Frau sich nicht vom Mann scheiden lassen soll.“
1 Korinther 7, 10.

Ich höre, daß Frauen ihre Männer verlassen, ohne daß diese ihnen einen triftigen Grund gegeben hätten.
Das ist nicht gut.

Die Familie ist in der Tat eine einzigartige Charakterschule. Himmel und Hölle können hier dicht nebeneinander liegen. So gibt es einerseits wunderbare Momente miteinander, andererseits kann man aneinander leiden. Manchmal wechseln sich Sonne und Wolken in rascher Folge ab. An einem Moment sitzt man im T-Shirt draußen, im nächsten holt man sich die Winterjacke, weil der Wind so pfeift.
Das ist völlig normal.
Das Gute ist auch: Keine Krise dauert ewig, (es sei denn, man betätigt sich als Wettermacher und hält die trüben Wolken künstlich fest).
Luther, und auch der Reformator Karlstadt, bestanden einst darauf: Wir müssen heiraten, mit schwierigen Frauen und problematischen Kindern auskommen, und damit zurechtkommen, dass im Stall die Sau stirbt oder die Kuh eingeht, damit wir Vorbilder für den Rest der Christenheit sind.
Die haben das natürlich ein wenig dramatisiert.
Doch im Grunde haben sie recht. Die Familie ist eine Charakterschule und jede Scheidung ist wie ein Schulabbruch. Das Problem daran: Man lernt nicht viel, wenn man davonläuft.
Außerdem nimmt man sich ja immer mit.
Außerdem verschafft eine solche Flucht keinerlei Vorteil. Denn „schwierige“ Menschen (für uns) können jederzeit in unser Leben treten. Die müssen sich nicht auf die Familie beschränken. Was dann? Wieder davonlaufen?
In der Familie lernt man Pflicht, Verzicht, Vergebung und Opfer.
Außerdem erlebt man hier Vergnügen, Erfüllung, Geborgenheit, Dank und Lebenssinn.
Also: Nicht verzagen. Dranbleiben.
Der nächste positive Höhepunkt kommt bestimmt.

Donnerstag, 31. August 2017

Linke Backe/rechte Backe

„Und nicht ein Haar von eurem Haupt wird verloren gehen.“
Lukas 21, 18.

„Pastor, Jesus ist ja ganz nett, aber dass man die andere Backe hinhalten soll, wenn man eine geschallert bekommt, ist Mist. Wenn mir einer blöd kommt, dann kriegt er eine—“

Sich nicht zu wehren schafft man nur, wenn man glaubt, dass Gott für einen kämpft.
Wer nicht glaubt, dass Gott für ihn kämpft, muss selber kämpfen.
Manchmal ist das durchaus angebracht, es kommt aber auf die Situation an. (Jesus selbst sprach vom Hausherrn, der gewacht hätte, wenn er gewusst hätte, wann der Dieb kommt, um nicht zu erlauben, dass sein Haus durchgraben würde. (Lukas 12, 39). Sich zu verteidigen ist legitim).

Jesus selbst hat vor dem Sanhedrin nicht die andere Wange hingehalten, als er geschlagen wurde. Er hat vielmehr protestiert. (Johannes 18, 23).
Allerdings hat er erlaubt, erst von der Tempelpolizei, dann von Herodes und anschließend von den römischen Soldaten beleidigt, bespuckt, geschlagen, verspottet, gegeißelt, beraubt und entkleidet zu werden.
Da hat er sich nicht gewehrt.
Vielmehr wusste er, dass in dieser Situation leiden angesagt war. Denn er wurde von seinen jüdischen Überlieferern um seines Glaubens willen verfolgt, (weil er sich selbst Sohn Gottes genannt hatte). Die Römer machten nur die Drecksarbeit.
Jesus wusste, dass der Vater ihn nicht im Stich lassen würde.
Er wusste auch, dass dieses sein Leiden einem höheren Zweck diente.
Er wusste und wir wissen heute: Das Kreuz war ein Altar und Jesus war das Sühneopfer für die Sünden der Menschheit.
Freiwillig.
Als das erledigt war, stand er von den Toten auf. Und nicht ein Haar von seinem Haupt war verloren gegangen.

Sein Leiden führte des weiteren zu einem akuten inneren Leiden des Mobs, der vor Pilatus geschrien hatte, „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“, als der ihn losgeben wollte. 40 Tage lang schlichen die Menschen von Jerusalem mit einem furchtbar schlechten Gewissen durch ihr Leben. Sie hatten einen guten Mann ermorden lassen, den besten den es gab. Nun, nachdem der Hass und der Wahn verflogen waren, erinnerten sie sich daran, dass er ihre kranken Verwandten geheilt hatte, dass er Mutlosen mutgemacht hatte, dass man um ihn herum den Himmel auf Erden erleben konnte.
Und nun war er tot.
Und sie waren schuld.
Dann predigte Petrus am Pfingsttag die Auferstehung Jesu und packte sie bei ihrem schlechten Gewissen: „Gott hat ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt!“
„Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder.“ (Apostelgeschichte 2, 36-37).
„Tut Buße!“ rief Petrus, „und lasst euch taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden.“
Und die Urgemeinde war geboren. Sie bestand aus Menschen, die Jesus noch vor kurzem lautstark den Tod gewünscht hatten.
Sich im richtigen Moment nicht zu wehren, sondern Schläge würdevoll einzustecken, setzt geheimnisvolle Kräfte frei.

„Ich denke, daß die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.“ (Römer 8, 18).

Montag, 28. August 2017

Die sommerliche Stille der Häuser auf dem Lande

„Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel!“
4 Mose 24, 5.

Es ist Sonntagnachmittag.
Ich sitze auf der Terrasse und lasse mir die Sonne auf den Bauch scheinen. Frau und Tochter sind in die Ferne entfleucht, eine Freundin hat sie mir entführt.
Heute morgen graste hundert Meter hinter meinem Haus ein knallrotes Schmalreh mit wackelnden Ohren, und nun schwelgt die Natur neben meinem Liegestuhl im Blütenrausch. Lilien duften, Engelstrompeten packen ihre Instrumente aus und stimmen sich ein, der Oleander legt sich mächtig ins Zeug. Viele der bunten Knäuel, Trichter und Sonnen auf ihren Stielen kenne ich gar nicht mit Namen.
Der Tomatenstrauch ächzt schwer unter seiner roten Last.
Wenn ich die Augen halb zukneife und nach links rüberblicke, dorthin, wo sich die Sonne in den Scheiben spiegelt, bei den Kakteen—der größte Kaktus ist immerhin mehr als einen Meter hoch—dann könnte ich mir mit etwas Fantasie einbilden, ich läge irgendwo auf einer Veranda in Arizona herum.
Oder in Texas.
In der Ferne heult ein Kojote und irgendwo spielt jemand Banjo; Hufgetrappel ertönt, ein Indianerpfeil zischt vorbei und steckt zitternd in einem Baum…
Ich mache die Augen wieder auf.
Mein Privatparadies ist umgeben von einer großen Hecke, die einen denken lässt, hinter ihr begönne der Wald. Da liege ich also und genieße das Leben. Ich bin nicht ganz so spärlich bekleidet wie Adam, trage aber nur unwesentlich mehr. Sieht mich eh niemand.

Und da passiert es!
Es raschelt und im nächsten Moment taucht aus dem Nichts ein Eichhörnchen auf meiner Terrasse auf. Es nimmt mich überhaupt nicht war, denn es hoppelt schnurstracks auf mich zu. Einen Meter vor meiner Liege verharrt es und schnüffelt am Boden. Es schaut mich mit seinen schwarzen Knopfaugen treuherzig an. Irgendetwas kommt ihm spanisch vor. Es hopst zum Terrassenrand, verschwindet im Wacholderbusch und im nächsten Moment taucht es wie Käpt'n Nemo aus dem grünen Meer am oberen Waldrand auf.

Kaum ist der braune Puschel verschwunden, summt eine strahlend blaue Libelle heran. Ob es nun eine Prachtlibelle oder eine Flussjungfer ist, weiß ich nicht, da ich gerade kein Lexikon zu Hand habe, und sie sich nicht bei mir niederlässt. Ich vermute aber, dass es eine Helm-Azurjungfer ist. Ein entsprechender Bach fließt an unserem Haus vorbei.

Ich schlappe durch das Gras, werfe den Biomüll auf den Kompost und wer schwirrt um mich herum wie der Doppeldecker um King Kong?
Eine Hornisse.
Hornissen sind wenig aggressiv. Wenn man keinen Streit mit ihnen anfängt, lassen sie einen in Ruhe. Prompt setzt sich das schwarz-gelbe Panzertier auf ein Blatt, das da im Kompost liegt, und nun kann ich sie eingehend studieren. Schüchtern wie sie ist, verschwindet sie bald im Innern des Komposthaufens und ich schlenderte wieder zurück auf meine Terrasse.

Ich gieße die Blumen und wende mich dem hart arbeitenden Ziertomatenstrauch zu, als ein Eidechslein, kaum acht Zentimeter lang, aus seinem Schatten tritt und mir die Zunge bleckt. Auch dieses kleine Tier ist die Ruhe selbst. Es verschwendet keinen Gedanken an Flucht. Ich frage mich, ob das kleine Vieh durch die offene Tür ins Wohnzimmer wandern wird und erinnere mich an Geckos, die ich in Hotelzimmern auf dem indischen Land und sogar im Himalaya vorgefunden habe. Das sind dort prima Mückenvertilger und man lässt sie gewähren. Doch meine Echse überlegt es sich anders und watschelt auf den niederen Bewuchs am Rand der Terrasse zu, wo der Minidrache im Dschungel verschwindet.
Ich schließe die Augen, lehne mich zurück und grinse. Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Urlaubsparadies gleich hinterm Haus anfängt?

„Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (1 Mose 1, 31).

Donnerstag, 24. August 2017

Das Kreuz mit dem Sabbat

„Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr durch das Gesetz [des Mose] gerechtfertigt werden wollt. Ihr seid aus der Gnade gefallen.“
Galater 5, 4.

Jaja, der Sabbat.
Es gibt Christen, die sich über die Maßen an das Sabbatgebot gebunden fühlen. Warum das so ist, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht weil dies ein so leicht zu haltendes Gebot ist. Wenn ich es halte, bin ich okay vor Gott. Ich kann diese Denkungsart nachvollziehen. Sie ist unkompliziert und der Mensch hat gern äußerliche Gewissheiten.
Wir werden jedoch durch den Glauben im Herzen gerettet.

Weil ich immer wieder Zuschriften zu diesem Thema bekomme, poste ich hier mal meine letzte Antwort, die ich jemandem zu dieser ewig wiederkehrenden Frage geschrieben habe, (man lernt ja selber auch nie aus):

Liebe/r XY,

Jesus sagt, wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden, wer nicht glaubt, wird verdammt werden. (Markus 16). Vom Sabbat steht da nichts. Ihn nicht zu halten, führt nicht zur Verdammnis. Sonst wären Millionen Christen in der Geschichte verlorengegangen und auch heute deswegen verdammt, denn die wenigsten halten den jüdischen Sabbat ein. (Meines Wissens tun das nur jüdische Christen).
Wir werden aus Gnade durch das Blut Christi gerettet, nicht durch gesetzliches Sabbathalten.

Die Frage ist längst geklärt.
Die Apostel beriefen einst ein Konzil ein, weil manche Judenchristen darauf bestanden, Heidenchristen müssten sich beschneiden lassen. (Auch so ein Thema). Überhaupt müsse man ihnen gebieten, das Gesetz Moses zu halten, (auch den Sabbat).
Petrus sprach sich dagegen aus. “Was versucht ihr Gott, ein Joch auf den Hals der Jünger zu legen, das weder unsere Väter noch wir zu tragen vermochten?”
Paulus und Barnabas erzählten, wie sich die Heiden bekehrt hatten und Gott Wunder getan hatte—ohne Beschneidung und Sabbathalten.
Dann stand der Apostel Jakobus auf, der Pastor der Gemeinde in Jerusalem und Bruder Jesu. In Apg 15, 19 beschließt Jakobus die Konferenz mit dem Vorschlag, die Heidenchristen mögen “sich enthalten von den Verunreinigungen der Götzen und von der Unzucht und vom Erstickten und vom Blut.”
Vom Sabbat steht da auch nichts.
Dieser Beschluß wurde dann unter allen Christen zirkuliert. Wörtlich schrieben die Apostel: “Es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen als diese notwendigen Stücke: euch zu enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, so werdet ihr wohl tun. Lebt wohl.” (Apostelgeschichte 15, 28-29).

Paulus sagt in Kolosser 2, 16: “So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats.” Wer am Sonntag ruht statt am Sabbat, soll gefälligst nicht von anderen gerichtet werden.
Wir sollen sechs Tage arbeiten und an einem Tag ruhen, wie Gott dies in 1 Mose 1 vorgemacht hat.
Bei den Christen hat sich der Tag der Auferstehung, der Sonntag, als Tag des Herrn durchgesetzt. Das ist völlig in Ordnung.
Ob er am Sabbat oder an einem anderen Tag ruht, oder gar nicht, (wie Jesus manchmal), liegt bei jedem selber. So ist Römer 14, 5 zu verstehen.
Jesus ist Herr auch des Sabbats: Er kann ihn halten oder auch nicht. Was er tut, ist richtig, denn dann hat er wichtige Gründe dafür. Wenn er seinen Jüngern einmal nicht verbietet, am Sabbat für ihr Essen zu arbeiten, dann ist es nicht verboten.
Auch die Begebenheit mit David zeigt: Es gibt wichtigeres, als sklavisch den Sabbat zu halten. Hier: seinen Männern Brot zu geben.

Ich halte es für wesentlich wichtiger, diese gottgegebene Arbeitsstelle anzunehmen und zu arbeiten, als auf dem Sabbat zu bestehen. Immerhin sagt Paulus, “Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.” (2 Thessalonicher 3, 10).

So steht's geschrieben.