Dienstag, 28. März 2017

Über die Notwendigkeit von Dornbuscherlebnissen

„Und alle Söhne Israel murrten gegen Mose und gegen Aaron, und die ganze Gemeinde sagte zu ihnen: Wären wir doch im Land Ägypten gestorben, oder wären wir doch in dieser Wüste gestorben.“
4 Mose 14, 2.

„Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter Pharaos zu heißen.“
Hebräer 11, 24.

Wir haben es bei Mose und Israel mit einem Paradox zu tun.
Wir erinnern uns: Die Israeliten waren die Sklaven Ägyptens. Sie wurden ausgebeutet, getriezt, übervorteilt und geschunden. Und obendrein schlecht behandelt. Dennoch blickten sie innerlich ständig nach Ägypten zurück, nachdem sie es erst einmal verlassen hatten. Die Sklaven sehnten sich nach der Knute.
Das verstehe wer will.
Mose hingegen, der in Ägypten in königlichem Luxus gelebt hatte, verschwendete nicht einen Gedanken an die Vergangenheit. Nie wollte er zurück. Er plagte sich lieber mit seinem schwierigen Volk herum.
Warum?
Die einen verloren ihre Ketten und wollten sie zurück.
Der andere verließ sein Rosenbett wollte es nie zurück.
Wie gibt's das?
Wohl deswegen, weil Mose eine intensive persönliche Begegnung mit Gott gehabt hatte, damals in der Wüste, am Sinai, wo plötzlich ein Busch brannte ohne zu verbrennen. Und wo Gott zu ihm gesprochen und ihm eine konkrete Aufgabe gegeben hatte.
Israel als Volk sah zwar gewaltige Zeichen und Wunder, etwa die Plagen, die über Ägypten kamen, die Teilung des Roten Meeres, das Herabsteigen Gottes auf den Sinai und vieles mehr. Doch sprachen diese Dinge offensichtlich nicht zu ihrem Herzen, so dass Gott ihnen zwar nahe war, diese Nähe sich jedoch nicht in einer persönlichen Beziehung niederschlug. Statt glaubensvoll in die Zukunft zu blicken, blickten sie wehmütig in die Vergangenheit. Sie rechneten nicht mit Gott und verklärten ihre Sklaverei.

Es wäre schön, wenn jeder Mensch ein Dornbusch-Erlebnis in seinem Leben hätte. Doch Begegnungen mit Gott kann man nicht erzwingen.
Was also tun?
Man kann Gott um eine Begegnung bitten—vor allem, wenn man sich noch nicht sicher ist, wer oder wo er ist.
Als sich so um die 15 Jahre alt war, schnappte ich mir aus irgend einem Grund meine Konfirmationsbibel, las ein wenig darin, und sagte dann, Jesus, wenn es dich gibt, dann erscheine mir doch gerade jetzt. Das meinte ich absolut ernst. Für den Jesus der Bibel war das außerdem ein Klacks. Schließlich war er nicht nur auf dem Wasser gegangen, hatte Brot und Fische vermehrt, aus Wasser Wein gemacht, hatte Unzählige geheilt, sondern war auch aus den Toten auferstanden. Und danach seinen Jüngern erschienen. Und nicht nur einmal.
Ich betete also ernsthaft darum, dass Jesus mir doch bitte erscheinen möge.
Und er kam tatsächlich.
Allerdings erst vier Jahre später.
Bis es soweit war, machte ich ziemlich viel Blödsinn. Wahrscheinlich weil ich desillusioniert war, da er mir nicht auf Anhieb erschienen war. Auch als ich 19 war erschien er mir nicht wie ein Mensch von Angesicht zu Angesicht, sondern anders. Die Wirkung war jedoch durchschlagend.
Seit dem glaube ich nicht nur, dass Jesus existiert: Ich weiß es. Ich bin überführt von einer Tatsache, die man nicht sieht. (Hebräer 11, 1).
D. h., man sieht sie schon. Man muss nur Augen dafür haben. Der Wind weht, wo er will. Den Wind selbst sieht man nicht, seine Auswirkungen hingegen sehr wohl. Da raschelt das Laub an den Bäumen und im Extremfall erheben sich sogar Häuser in die Luft.
So hat auch Jesus Auswirkungen.
Man kann das am Leben von Mose studieren.
Wie es nicht geht, kann man am alten Israel studieren.
Zu welcher Gruppe gehörst du?

Dienstag, 21. März 2017

Taufe im CGZ am 1.4.2017

„Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Matthäus 28, 19.

Für alle noch nicht im Glauben Getauften:
Die Taufe ist eine ernste Angelegenheit. Sie ist nicht heilsnotwendig. Doch mit ihr bekennt man sich eindeutig zu Jesus Christus und bekundet, dass man ihn als Erlöser angenommen und zu seinem Herrn gemacht hat.
Jesus hat uns geboten, Gläubige zu taufen.

Tauftermin ist diesmal Samstag, der 1. April 2017.
Wir treffen uns um 10:00 Uhr im CGZ, wo im Foyer 2 ein Bassin mit Wasser stehen wird. Das Wasser wird ziemlich warm sein, (hoffe ich), und ich behaupte mal, die schönen großen Pflanzen dort lassen eine regelrechte Gartenatmosphäre entstehen, (auch wenn Gärten normalerweise nicht gefliest sind).
Pastor René Stebani von der Biblischen Glaubensgemeinde und ich werden Kandidaten aus unseren beiden Gemeinden darüber aufklären, was es mit der Taufe auf sich hat, und dann werden wir diejenigen, die bereit sind, taufen.
Das griechische Wort für Taufe ist baptismos, Waschung, und deutet ein völliges Untertauchen an. (Schmutziges Geschirr besprenkelt man ja auch nicht, sondern taucht es unter). Allerdings werden wir niemanden waschen.
Die Taufe ist ein Symbol dafür, dass der Christ mit Jesus gestorben, begraben und auferweckt ist.

Persönliche Hygiene üben, Badebekleidung anziehen, ein weißes Hemd drüber, ein Handtuch mitbringen, und man ist gerüstet.

Hinterher gibt's noch Kaffee und Kuchen. Spätestens um 11:30 Uhr endet die Veranstaltung.

„Und nun, was zögerst du? Steh auf, laß dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst?“ (Apostelgeschichte 22, 16).

Montag, 20. März 2017

Nur noch eine Narbe

„Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten.“
Matthäus 8, 17.

Erika H. wurde ein inoperabler Hautkrebs im Magen diagnostiziert. Die Ärzte sagten ihr, diese Art Krebs führe zu einem raschen Tod, es könnten lediglich lebensverlängernde Maßnahmen mit Medikamenten durchgeführt werden.
Erika glaubt an Jesus und hatte Gebetsunterstützung.
Dieser Tage kam sie von einer Magenspiegelung zurück und hatte eine gute Nachricht: Wo der Hautkrebs gewesen war, fand der Arzt nunmehr nur noch eine Narbe—ohne dass ein irdischer Arzt operiert hätte. Der Krebs war verschwunden.
Es ist vom medizinischen Standpunkt her noch nicht alles wieder völlig gut mit ihr, doch wir sind guter Dinge.

Donnerstag, 16. März 2017

Gelenkte Meinungsfreiheit

„Auch in deinen Gedanken fluche nicht dem König und in deinen Schlafzimmern fluche nicht über den Reichen! Denn die Vögel des Himmels könnten die Stimme entführen und was Flügel hat, das Wort anzeigen.“
Prediger 10, 20.

Die Meinungsfreiheit hat traditionell keinen leichten Stand in Deutschland.
Natürlich darf man denken was man will—so lange es mit der gewünschten Meinung übereinstimmt. Für—bzw. gegen—andere gibt es solche Allroundwaffen wie die Verurteilung wegen Volksverhetzung. Die letzte deutsche Diktatur ging erst vor rund 26 Jahren zugrunde, und ganz überwunden ist sie, scheint mir, noch immer nicht.

Ehrlich entsetzt war ich dieser Tage, als sich auf der Titelseite (!) einer lokalen Werbezeitung einen Artikel mit der Schlagzeile „Knüppelt sie raus“ las.
Um was ging's?
Ein Rentner hatte von einem Schweinfurter Gericht allen ernstes eine siebenmonatige Bewährungsstrafe wegen Volksverhetzung aufgebrummt bekommen.
Plus 60 Sozialstunden.
Das ist ziemlich heftig.
Was hatte dieser Strolch getan, der einen atemberaubenden Wirkungskreis haben musste, dass man ihn so hart bestrafte?
Ein Rentner.
Hatte er zum Umsturz der Regierung aufgerufen? Hat er die Bauern angestachelt, zu den Mistgabeln zu greifen? Hat er seine Schützenbruderschaft dazu aufgewiegelt, das Kanzleramt zu besetzen, Geiseln zu nehmen, Tote in Kauf zu nehmen? Wollte er eine neue politische Ordnung? War er in irgendeiner Form eine Bedrohung für die Bundesrepublik? Hat er den Holocaust geleugnet? Kam jemand durch ihn zu Schaden?
Nichts dergleichen.
Er hatte auf einer obskuren Facebook-Seite zwei törichte Kommentare abgelassen.
Zwei.
Törichte Kommentare.
Er hat sich darüber aufgeregt, dass das Strafverfahren gegen einen Afghanen, der in Offenbach sechs Kinder unsittlich berührt haben soll, eingestellt wurde. Er schrieb: „Jagt sie aus unserem Land. Die haben hier nichts zu suchen, dieser Abschaum.“
Die Polizei hat's gelesen.
Der Staatsanwalt ordnete Ermittlungen an.
Und jetzt ist der Mann vorbestraft und leistet Sozialstunden.
Wegen eines dumpfen Spruchs auf Stammtischniveau, wie sie täglich millionenfach abgesondert werden. Und wegen eines zweiten, der auch nicht schlimmer klingt. Wegen zweier törichter, belangloser Posts, die keinen Menschen interessieren.
Außer der Polizei.
Furchtbar.
Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Polizisten, die sich über so etwas her machen, ernsthafte und wohlmeinende Personen sind. Dies trifft ganz sicher auch auf Staatsanwalt und Richter zu. Doch hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.
Der unbescholtene Mann hat sich entschuldigt, die monierten Posts sofort gelöscht, sich einsichtig gezeigt, hat eine gute Sozialprognose. Doch es half alles nichts. Ihn traf die erbarmungslose Härte des Staates mit voller Wucht.
Die sechs Kinder in Offenbach hingegen haben sich vermutlich nur eingebildet, der Afghane hätte sie unsittlich berührt. Oder er wurde verleumdet. Denn sonst hätte der dortige Staatsanwalt das Verfahren ja nicht eingestellt.
Die Verurteilung des Rentners und die Berichterstattung darüber auf Seite 1 macht eines überdeutlich: Du sollst von Asylanten nicht schlecht denken. Wenn du es doch tust und wir hören davon, verknacken wir dich zu sieben Monaten auf Bewährung. Plus 60 Sozialstunden.
Behalte deine Meinung unbedingt für dich. Wenn nicht, bringen wir Paragrafen gegen dich in Stellung, die eigentlich einflussreichen politischen Bedrohern der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gelten.
Wir sind nervös. Wir halten dich für eine Gefahr.
Das Urteil ist so rein antifaschistisch-völkerverständigend und sozial gerecht, dass der Justizminister sicherlich seine große Freude daran hat. Der mag Facebook ja nicht besonders und hat ins Gespräch gebracht, diese renitenten US-Firmen mit 50 Millionen € pro unerwünschtem Post zu bestrafen, wenn sie die nicht löschen. (FAZ, 14.3.2017).
Wie weit sind wir noch von einem Ministerium für Wahrheit entfernt? Merkt niemand, dass hier was schiefläuft?

Nicht einmal die Volksaufklärung kam bei unserem Rentner und seiner Verurteilung zu kurz. Denn eine Schulklasse nahm an der Verhandlung teil und lernte so, was man darf und was nicht. Das war sicher alles sehr lehrreich.
Der Schuss könnte jedoch nach hinten losgehen.
Es könnte diesen Kindern dämmern: Hier wird jemand verurteilt, der sich auf Facebook darüber aufgeregt hat, dass Kinder (angeblich) bedrängt wurden.
Ich bin ein Kind.
Hier wird alter Mann verurteilt, dem mein Wohlergehen am Herzen liegt.
Woran liegt diesem Richter?
Woran liegt dieser Gesellschaft, in deren Namen er Recht spricht?
Bin ich denen wichtig?
Oder sind denen andere wichtiger?
Wenn ich 18 bin, wähle ich eine Partei, die verspricht, mich zu schützen.
So könnte es kommen.

Ich plädiere für Entspannung an der Facebook-Front.
Die Posts, die dort stehen, sind Momentaufnahmen, erst recht die dumpfbackigen und blöden. (Ich bin auf Facebook nicht, bzw. seltenst, unterwegs).
Amerikaner und Engländer, die schon seit Jahrhunderten in freien Gesellschaften leben und in Kommentarspalten eine freche Schnauze pflegen, denken gar nicht daran, einander den Mund zu verbieten. Manche Schlagzeilen dort sind "schlimmer" als die Sprüche dieses unglücklichen Rentners. Man kann auf den Webseiten beliebiger amerikanischer Mainstream-Publikationen wie etwa der New York Times, Wall Street Journal, Washington Post, usw. furchtbar törichte Kommentare lesen. Die dämmern dort vor sich hin und stören keinen Menschen.
Die binden keine Polizei und keinen Staatsanwalt.
Falls jemand in Posts beleidigt wird, steht ihm frei zu klagen.
Doch ein bestimmtes Meinungsklima zu forcieren, ist einer freien Gesellschaft nicht würdig.
Meine Meinung.

„Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei.“ (Lukas 12, 1).

Freitag, 10. März 2017

Die Dünnhäutigkeit unserer Tage

„...und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“
Matthäus 10,36.

In Amerika wird dieser Tage ein Trend beobachtet, der einen zweifeln lässt. Und da amerikanische Trends früher oder später auch bei uns ihre Wirkung entfalten, hier ein paar Gedanken dazu.

Der Trend ist folgender: Die Leute halten keine abweichenden Meinungen mehr aus.
Die Wahl Donald Trumps hat diese Befindlichkeit nicht hervorgerufen, sondern zutage gefördert. Reuters hat nämlich eine Umfrage gemacht und herausgefunden, dass 40 % der Befragten mit Verwandten oder Freunden wegen des neuen Präsidenten gestritten haben. 20 %, also einer von fünfen, hat daraufhin die Beziehung abgebrochen.
Allen ernstes.
An manchen Universitäten finden regelrechte Straßenschlachten statt, wenn dort ein Gastsprecher eingeladen wird, der eine von der Studentenmeinung abweichende Sichtweise vortragen möchte. (Bei den Gemobbten handelt es sich praktisch immer um konservative Sprecher und bei den Studenten um Trumphasser). So passiert im kalifornischen Berkeley und dem Middlebury College in Vermont.
Dabei existieren Universitäten angeblich, um das Denken zu schulen und zu vermitteln, wie man unterschiedliche Standpunkte gegeneinander abwägt. Dort findet jedoch zu oft Indoktrination statt, die naturgemäß keine abweichende Meinung zulässt. (Indoktrination ist nicht dasselbe wie Wahrheitsvermittlung. Zur Wahrheit gibt es in der Tat keine Alternative. Eine von der Wahrheit abweichende Meinung ist keine gültige Meinung. Indoktrination hingegen ist Ideologievermittlung; da ist die Wahrheit nicht immer so wichtig).
Bleibt zu hoffen, dass diese Studenten ihre Sturm-und-Drang-Zeit wohlbehalten überleben und irgendwann trotz Unibesuch erwachsen werden.
Doch es trifft nicht nur Studenten.
Von einer Frau, die mit Mann und Freunden gemütlich beim Essen saß, wird berichtet, sie sei wie betäubt gewesen, als ihr Mann im Gespräch beiläufig erwähnte, er werde für Trump stimmen. Als sie das Bewusstsein wiedererlangte, tat sie kund, sich von ihm trennen zu müssen. Sie habe keine Ahnung gehabt, dass sie da jahrzehntelang jede Nacht neben jemandem von der dunklen Seite der Macht gelegen hatte. Sie habe erkannt, wie weit sie sich im Lauf der Zeit von ihren Idealen entfernt habe und sei nun nicht bereit, das länger hinzunehmen.
Die Frau verlässt ihren Mann wegen einer Wahlentscheidung.
Satire, möchte man meinen.
Ist aber keine.
Das Phänomen ist alt. Selbst Jesus war damit konfrontiert. Er tat gewaltige Zeichen und Wunder, die wiederum gewaltige Menschenmassen anzogen. Als er jedoch einmal eine Predigt hielt, die sie nicht verstanden, trennten sich viele von ihm und gingen nicht mehr mit ihm. „Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?“ (Johannes 6,60).
Ein andermal bewarfen seine Bewunderer ihn zum Schluss mit Steinen. (Johannes 8,59).
Ein Prediger revolutioniert das Leben seiner Hörer und sie erleben Gott in seinem Dienst. Doch in einem Punkt, einem einzigen, klitzekleinen Punkt, weicht er (scheinbar) von ihrer Meinung ab, und sofort geben sie die ganze Beziehung, den ganzen Prediger preis, verbrennen seine CDs und sagen allen, die es hören wollen, er sei ein Irrlehrer, der Lüge predigt.
Vergessen sind die Stunden des Segens, die sie unter ihm erlebt haben.
In ähnlicher Weise entfremden sich Kinder von Eltern—oder Eltern von ihren Kindern.
Befremdlich, nicht?
Was können wir tun?
Nicht so pingelig, sondern auch mal tolerant sein.
Toleranz bedeutet nicht, alles, was der andere absondert, zu bejahen. (Aktivisten hätten das gerne und versuchen, den Begriff in diese Richtung umzudeuten). Toleranz bedeutet, den andern zu ertragen, sich selbst nicht so ernst zu nehmen, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, Humor zu haben und, zu guter letzt, das Kind nicht samt dem Waschwasser wegzuschütten. Paulus ermahnt ja auch, „Ertragt einander!“
Gott erträgt uns alle. ("O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen?" (Matthäus 17, 17)).
Wir müssen jedoch darauf gefasst sein, hin und wieder auf vollkommen lächerliche Intoleranz zu stoßen. Die Zeiten sind so.

Hier der ganze Vers:
„Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat. Wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr.“ (Kolosser 3,13).

Donnerstag, 9. März 2017

Gott ist dreieinig?

„Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe. Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht.“
1. Mose 1,1-3.

„Pastor, die Dreieinigkeit verwirrt mich. Wie kann Gott drei und gleichzeitig einer sein?“

Hat mich früher auch verwirrt. Fand ich sogar regelrecht närrisch. Die Dreieinigkeit ist ja auch kein ganz leicht verständliches Konzept.
Wenn man allerdings geöffnete Augen hat, dann sieht man sie schon in den ersten drei Versen der Bibel klar und deutlich.

„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“
Sagen wir einfach, hier ist von Gott dem Vater die Rede.

„Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“
Nun sind sie schon zu zweit: Gott und der Geist Gottes.
Der Geist Gottes ist der Heilige Geist, und der ist natürlich auch Gott.

„Und Gott sprach…“
Hier begegnen wir zum ersten Mal dem Wort Gottes.
Das Wort Gottes ist ebenfalls Gott. Denn in Johannes 1,1 heißt es, „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“
Eine Besonderheit des Wortes Gottes wird uns in Johannes 1,14 erläutert: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Jesus ist das fleischgewordene Wort Gottes.

Und da haben wir sie, die göttliche Dreieinigkeit:
Gott den Vater, den Heiligen Geist und das (fleischgewordene) Wort.

Dienstag, 7. März 2017

Gott hat keinen Platz?

„Fordere von mir, und ich will dir die Nationen zum Erbteil geben, zu deinem Besitz die Enden der Erde.“
Psalm 2,8.

„Pastor, in der Politik und in der Wirtschaft hat Gott keinen Platz.“

Mutmaßlich deshalb, weil Gott nicht „praktisch“ denkt. Denn in Politik und Wirtschaft stehen einem bergpredigtmäßige Moralvorbehalte nur im Weg. Hier muss man unbarmherzig und hart sein, egoistisch, man muss sich durchsetzen, schon mal die Ellbogen ausfahren, den andern ausstechen. Für Sentimentalitäten (Gott) ist da kein Platz.
Was aber, wenn Gott gar nicht sentimental ist, wenn diesen Vorbehalten ein Missverständnis zugrunde liegt? Jesus hat bekanntlich nicht nur die Bergpredigt gehalten, und um ihm gerecht zu werden, muss man schon alles anschauen, was er gesagt hat.

Jesus war kein Politiker.
Ja, er hat sich dem Ansinnen, Politiker zu werden, verweigert, als Nikodemos in Johannes 3 eines Nachts zu ihm kam und ihn für die Partei der Pharisäer gewinnen wollte. Das Heil liegt nicht in der Politik, sagte Jesus damals sinngemäß, sondern in einer Veränderung des menschlichen Wesens. Dazu sei er gekommen: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen.“ (Johannes 3,5).
Die Geburt aus Wasser, von der Jesus spricht, bezieht sich auf die natürliche Geburt: Das Fruchtwasser platzt und der Mensch kommt hervor.
Jesus nennt die Geburt aus Geist absolut unverzichtbar, wenn man ins Reich Gottes hineinkommen will. Sie stellt sich ein, wenn man Jesus in sein Leben einlädt und ihm nachfolgt.
Menschen mit einem ausgeprägten inneren Kompass brauchen keinen Politiker mehr, der sie auf Linie zwingt. Sie werden innerlich richtig geführt.
Solche Leute zu regieren ist ein Kinderspiel.
Selbst ungläubige Machiavellisten unter den Politikern sollten deshalb der Christianisierung ihrer Gebiete stets eine hohe Priorität einräumen. Aus purem Eigennutz.
Für die Gläubigen unter den Politikern ist klar: Jesus ist König der Könige, (also der Kaiser). Vor ihm werden sie sich eines Tages rechtfertigen müssen.

Und den Leuten in der Wirtschaft ruft die Bibel zu:
„Dient [eurer Firma] mit Gutwilligkeit als dem Herrn und nicht den Menschen [als ob Jesus euer Chef wäre]. Ihr wißt doch, daß jeder, der Gutes tut [gute Arbeit leistet], dies vom Herrn empfangen wird, er sei Sklave oder Freier.
Und ihr Herren [Chefs], tut dasselbe ihnen gegenüber, und laßt das Drohen! da ihr wißt, daß sowohl ihr als auch euer Herr in den Himmeln ist und daß es bei ihm kein Ansehen der Person gibt.“ (Epheser 6,7-9).

Gott hat sehr wohl einen Platz in Politik und Wirtschaft.
Alles, was wir haben, ist nur von ihm ausgeliehen.

Freitag, 3. März 2017

Ordnung im Sonnensystem

„Und Gott machte die beiden großen Lichter: Das größere Licht zur Beherrschung des Tages und das kleinere Licht zur Beherrschung der Nacht. Und die Sterne.“
1. Mose 1,16

Wenn man in seinen Geldbeutel langt und eine Handvoll schimmernder Münzen herausnimmt, und diese Münzen dann sachte auf den blauen Teppichboden wirft, so werden sich diese platten Planeten nie ordentlich auf dem Boden verteilen. Man kann das Experiment tausendmal wiederholen und wird jedes Mal feststellen: Eine Ordnung, geschweige denn ein gleichmäßiger Abstand der Münzen, hat sich wieder nicht eingestellt.
Was nun, wenn die Planeten des Sonnensystems ordentlich aufgereiht wären?
Was, wenn ihre mittleren Abstände zueinander mit einer Formel berechnet werden könnten, die Vorhersagen zuließe, wo noch unentdeckte Planeten stecken müssten?
Der Witz ist nun: Diese Formel gibt es.
Sie ist schon seit mehr als 250 Jahren bekannt und heißt Titius-Bode-Reihe. Diese Astronomen haben herausgefunden, dass die Planeten mathematisch geordnet um die Sonne kreisen.
Die Formel der Titius-Bode-Reihe lautet: Rn = 0,4+0,3*2n, wobei Rn der mittlere Abstand des Planeten von der Sonne ist.
Auf die Erde angewendet kommt man zu folgendem Ergebnis: R1 = 0,4+0,3*21 = 1.
Der Erdabstand von der Sonne beträgt eine Astronomische Einheit.
Für den Merkur ergibt sich rechnerisch ein Wert von 0,4 AE. Sein tatsächlicher Abstand von der Sonne beträgt 0,39 AE.
Venus: 0,7 AE, tatsächlich: 0,72 AE.
Mars: 1,6 AE, tatsächlich: 1,52 AE.
Ceres (der Zwergplanet im Asteroidengürtel): 2,8 AE, tatsächlich: 2,77 AE.
Jupiter: 5,2 AE, tatsächlich: 5,2 AE. Abweichung 0 %.
Bei Saturn und Uranus verhält es sich ähnlich.
Der einzige Planet, der aus der Reihe tanzt, ist der Neptun. Doch den hat möglicherweise ein vorbeiziehender Himmelskörper aus der Bahn geworfen. Pluto passt nämlich wieder und der ist sogar noch weiter von der Sonne entfernt als Neptun.

Als die Formel entdeckt wurde, waren etliche Planeten, wie Ceres, Uranus und Pluto, noch nicht entdeckt. Man konnte ihren mittleren Abstand von der Sonne jedoch vorausberechnen und fand sie an der vorgesehenen Stelle.
Von der Wahrscheinlichkeitsrechnung her ist es unmöglich, dass sich diese Planeten von selbst so aufgereiht haben.
Wer hat sie dann auf ihre Bahn gebracht?

„Durch des HERRN Wort sind die Himmel gemacht und all ihr Heer durch den Hauch seines Mundes.“ (Psalm 33,6).

Donnerstag, 2. März 2017

Von der Berechtigung unterschiedlicher Überzeugungen im Herrn

„Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag gleich. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt.“
Römer 14,5.

„Jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“
1. Korinther 3,10-11.

„Pastor, du hast in deiner letzten Sonntagspredigt gesagt, dass unter Christen unterschiedliche Überzeugungen durchaus ihre Berechtigung haben und damit gar wünschenswert sind. Kannst du darauf noch mal eingehen?“

Klar.
Das Fundament, auf dem jeder Christ steht, ist der Glaube an das Erlösungswerk Jesu Christi. Wer denkt, er brauche das stellvertretende Sühneopfer Christi nicht, ist kein Gläubiger im biblischen Sinn. Jesus als Offenbarung des unsichtbaren Gottes ist die Zentralfigur des Christentums, um die sich alles dreht und die alle Christen miteinander verbindet.
Wir sind gemeinsam der Leib Christi.
Doch ein Leib besteht nicht nur aus Hand oder Fuß oder Ohren. Jedes Teil hat eine unterschiedliche Aufgabe. Gott verfolgt unterschiedliche Pläne mit ihnen, die sich ergänzen und ein ausgewogenes Ganzes ergeben.

Zum Beispiel sagte Jesus einerseits: „Gib jedem, der dich bittet, und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück.“ (Lukas 6,30). Das hört sich an wie ein Aufruf zum Pazifismus—ja, dazu, sich einer etwaigen Plünderung nicht zu widersetzen.
Andererseits sagt derselbe Jesus auch: „Wenn der Hausherr gewußt hätte, zu welcher Stunde der Dieb kommen würde, so hätte er gewacht und nicht erlaubt, daß sein Haus durchgraben würde.“ (Lukas 12,39). Dies wiederum ist ganz klar ein Aufruf zum robusten Widerstand. Dem Dieb wird das Haus nicht zu Plünderung überlassen, sondern er wird gestoppt.
Diese beiden Stellen können zu unterschiedlichen Erkenntnissen führen, je nachdem, wo man für sich den Schwerpunkt setzt. (Meist passiert dies unbewusst). Der eine Bibelleser wird über seiner Lektüre zum Friedensaktivisten, der andere zum Polizisten, der Einbrecher jagt. Und jeder hält den anderen für nicht ganz gescheit.
Dabei stehen BEIDE Stellen in der Bibel!
Weise ist nun, wer weiß, wann welche Stelle dran ist. Wann es richtig ist, nachzugeben, und wann es richtig ist, Widerstand zu leisten. Beides hat seine Berechtigung.
Manchmal ist die eine Stelle dran, manchmal die andere.

Ein Beispiel aus Oklahoma, wo ich mal ein paar kurze Jahre gelebt habe:
Dort hatte man vor 140 Jahren große Probleme mit plündernden und mordenden Indianern.
In Oklahoma leben fünf christianisierte Stämme, etwa die Cherokee. Die Wichita waren friedliche Bauern. Doch vor allem umherstreifende Komantschen und Apachen taten sich mit unglaublichen Grausamkeiten hervor.
Was tun? fragte sich die Regierung in Washington, denn so konnte es nicht weitergehen. Präsident Ulysses Grant, an einer Christianisierung der Indianer und einer Besserung ihrer Lebensumstände interessiert, erinnerte sich daran, dass die friedlichen Quäker um Staatsgründer William Penn in Pennsylvania seinerzeit außerordentlichen Erfolg im Umgang mit Indianern hatten. Die Quäker waren zwar praktisch Totalpazifisten, hatten aber das Wunder vollbracht, 100 Jahre lang mit ihren indianischen Nachbarn in Frieden zu leben. Erst danach gab es Übergriffe durch Indianer und die Stimmung änderte sich.
Warum also nicht die Indianeragentur für die Southern Plains, die südliche Prärie, den Quäkern anvertrauen?
Gesagt, getan.
Dieselben Häuptlinge, die während des Sommers texanische Siedlungen plünderten, kamen dann im Herbst nach Fort Sill, Oklahoma, zur Indianeragentur, um dort Lebensmittel und Kleider einzufordern.
Und der Beamte gab ihnen, was sie verlangten—obwohl sich diese Häuptlinge (Satank, Satanta, Eagle Heart, Big Tree, Guipago...) mit ihren Gräueltaten vor ihm brüsteten und auf gestohlenen Maultieren herbeiritten. Der friedliebende Quäker nahm alles hin.
Siedler starben und die US-Regierung in Form hingegebener Christen verpflegte ihre Mörder und brachte sie gut über den Winter. Jahr für Jahr.

Die Zeit der Gnade steuerte jedoch auf ein Ende zu.
General Sherman, (dessen Name noch heute in den Südstaaten averse Reaktionen hervorruft), ritt nämlich nach Westen, um sich selbst ein Bild zu machen, da er die Berichte der Gräuel für übertrieben hielt. Unterwegs mit nur 15 Mann, begegnete er einer Planwagenkolonne. Wenig später erreichte er Fort Sill. Kurz darauf kamen Überlebende mit der Nachricht, die Kolonne sei von 100 Indianern überfallen worden, der General wäre selbst beinahe Opfer ihres Überfalls geworden, die Indianer hätten ihn gesehen, hätten ihn aber ziehen lassen. Sieben Weiße seien ermordet, einer von ihnen sei bei lebendigem Leib verbrannt worden.
Kurz darauf kamen die Häuptlinge, um sich ihre Rationen bei der Indianeragentur abzuholen. Der Beamte fragte, ob sie wüssten, wer die Nachschubkolonne überfallen habe, und die Häuptlinge sagten ja, sie selber wären es gewesen.
General Sherman wurde herbeigerufen und Satanta und Big Tree bekannten freimütig, was sie getan hatten, im Glauben, wie immer damit durchzukommen.
Doch Sherman setzte sie fest und bestand darauf, die Häuptlinge wie weiße Verbrecher zu behandeln und abzuurteilen. Sie wurden zum Tod verurteilt, doch dies wurde, nicht zuletzt auf Betreiben der Quäker, in lebenslänglich umgewandelt. Sie kamen nach nur zwei Jahren wieder frei und die Plünderungen gingen weiter.
Diesmal reagierte die Regierung jedoch mit Härte und schickte das Militär.
Satanta und Big Tree mussten zurück ins Gefängnis.
Satanta beging dort Selbstmord.
Big Tree hingegen kam frei und bekehrte sich zum Christentum. Der ehemals grausame Häuptling wurde sogar zu einem Prediger der Baptisten. Er starb 1929.

Zwei Vorgehensweisen.
Beide waren richtig—zu ihrer Zeit.

„Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.“ (2. Korinther 6,2).
„Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ (Hebräer 10,31).