Mittwoch, 23. Januar 2019

Ein Widerspruch in Jesu Worten?

"Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar." (Matthäus 5,39).

"Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen." (Matthäus 18,15).

Die erste Schriftstelle ist eine der bekannt kontroversen Aussagen Jesu. Er fordert dazu auf, sich alles gefallen zu lassen und alles zu dulden. Zahllose Nichtchristen kennen diese Stelle und schütteln verwundert den Kopf, denn sie halten das für unrealistisch, unpraktikabel und abgehoben. Denn wer sich nicht wehrt, der wird zum Prügelknaben. Wenn sich seine religiös begründete Wehrlosigkeit herumspricht, steckt er mehr ein als er müsste.

Die zweite Schriftstelle zeigt jedoch, dass diese Worte nicht das einzige sind, was Jesus zum Thema gesagt hat. In Matthäus 18,15 fordert er im Widerspruch zu Matthäus 5,39 nicht zur Duldung auf, sondern zur Konfrontation mit dem Übeltäter. In den folgenden Versen wird die Konfrontation immer härter, sollte sich der Übeltäter nicht reuig zeigen.

Was gilt nun?

Beides natürlich.
Denn nicht jeder Fall ist gleich.
Manchmal ist Dulden das richtige, manchmal die Konfrontation.

Die Menschen, zu denen er in Matthäus 5 sprach, waren leicht entflammbar und überaus konfliktbereit. Sie fühlten sich von den Römern gedemütigt und warteten auf einen politischen Messias. Diese Leute forderte er auf, nicht bei jeder Beleidigung gleich durch die Decke zu gehen. (Jemanden auf die rechte Backe zu schlagen, (also mit der rechten Rückhand), war eine Beleidigung).
Und wenn ein Römer sie zwang, sein Gepäck eine Meile weit zu tragen, dann sollten sie zwei mit ihm gehen. Während der ersten Meile gehörten sie dem Römer, während der zweiten Meile gehörte der Römer ihnen. Denn der wunderte sich natürlich und fragte sich, warum ein Jude ihm freiwillig den Koffer trug. Der konnte ihn nun von seinem Gott erzählen und fand ein hörendes Ohr.

Jesus trat stets das richtige, doch das war nicht immer das gleiche.
Der auf frischer Tat ertappten Ehebrecherin aus Johannes 8 sagte er, „Ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr.“ (Vers 11).
Zu Judas hingegen sagt er, „Wehe aber jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre jenem Menschen gut, wenn er nicht geboren wäre.“ (Matthäus 26,24).
Die Ehebrecherin bekam Barmherzigkeit.
Der Verräter erfuhr Gericht.
Sie war vermutlich in die Situation hineingestolpert, deshalb erlangte sie Barmherzigkeit.
Judas hingegen hatte den Verrat von langer Hand geplant. Auch vorher war er schon ein Dieb gewesen. Er hat die Barmherzigkeitsangebote Gottes nicht angenommen, sondern zog seinen Stiefel durch. Als es ihm dann leid tat, war es zu spät.

Barmherzigkeit und Gericht: Jesus hat diese beiden Seiten.
Auch wir sollten von Fall zu Fall entscheiden und weder blind dulden noch vorschnell zurückhauen.

"Das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat. Die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht." (Jakobus 2,13).

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