Freitag, 4. Januar 2019

Salomo 2019

"Mein Vater hat euer Joch schwer gemacht, ich aber will euer Joch noch schwerer machen."
1 Könige 12, 14.

Ich musste in diesen Tagen der atemberaubenden und absonderlichen Politik an den König Salomo denken, der als der weiseste König aller Zeiten gilt, denn Gott hat ihn weise gemacht. (1 Könige 10,23).
Was nicht alle sehen, ist, dass da im Lauf der Zeit, zuerst unmerklich, dann immer deutlicher, eine Zerrüttung stattgefunden hat. Denn Salomo der Weise beginnt in 1 Könige 5,28 plötzlich, aus ganz Israel Zwangsarbeiter auszuheben.
Ein weiser, messiasähnlicher König macht sein Volk plötzlich zu Sklaven—wie Pharao, der Feind Gottes?
Ein Bruch, wie gesagt.
Er, der Friedliche (Salomo kommt von Schalom), der Mann Gottes, baute sieben Jahre lang am legendären Tempel des Herrn. (1 Könige 6,38).
Er baute 13 Jahre—also fast doppelt so lang—an seinem eigenen Haus. (1 Könige 7,1).
Salomo begann offensichtlich mehr und mehr sich selbst zu gefallen.
Außerdem wurde er geizig.
Sein Freund Hiram, der König von Tyrus, hatte ihn bei seinen Bauvorhaben mit 120 Talenten Gold (4080kg, 148.267.200,00 Euro) überaus großzügig unterstützt. Zum Dank gab Salomo ihm 20 miserable Städte im Land Galiläa. Der geprellte Hiram nannte sie das Land "Kabul", das nichtige, das gefesselte Land. (1 Könige 9,13). Sie waren nicht recht in seinen Augen.
Salomo war auch sehr weltoffen und tolerant, sodass er viele ausländische Frauen ins Land holte, die er dann sehr liebte, (ähnlich wie man heute liebenswerte junge Männer aus aller Welt ins Land holt und diesen dann die Vorzugsbehandlung angedeihen lässt). Salomo liebte diese Mädels so sehr, dass er gar nicht genug von ihnen bekommen konnte. Zum Schluss hatte er 700 Ehefrauen und 300 Nebenfrauen. Die kosteten natürlich. Sein luxuriöser Lebenswandel auch. Bisher war die Finanzierung kein Problem gewesen, denn Gott war mit ihm. Doch irgendwann muss Gott ihm nicht mehr genug gewesen sein und er verfiel darauf, hohe Steuern einzutreiben.
Ruinöse Steuern.
Ähnlich wie Ludwig XIV.
Als dieser Sonnen(stich)könig 1715 endlich starb, hatte ein Viertel des französischen Volkes entweder das Land verlassen oder war gestorben, (an Hunger oder Christenverfolgung (Hugenotten) oder Krieg). Die Wirtschaft lag wegen der unglaublichen Steuerlast darnieder, die vielen Kriege hatten das übrige getan. Der aufgestaute Frust führte zu akutem Atheismus und später zur berüchtigten französischen Revolution von 1789-1799. (Und dann kam Napoleon…)
Doch wir waren bei Salomo.
Unter den vielen ausländischen Frauen des Königs waren praktisch keine Anbeter des Gottes Israels. Vielmehr brachten die alle ihre eigenen Götter mit. Sie neigten das Herz des alten Königs ihren Göttern zu und der weiseste König aller Zeiten, der Sohn Davids, der Gesegnete des Herrn, der Fachmann für Soziologie, Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Philosophie, Rhetorik, Ästhetik, Logik und Theologie baute die Heiligtümer heidnischer Götzen und betete diese an.
Was für ein Absturz.
Salomo wurde nicht besonders alt, nur etwa 60 Jahre, (die allerdings langten Israel).
Als er starb, erbte sein Sohn Rehabeam, der Sohn einer Ammoniterin, ein zerrüttetes Reich. Das Volk beklagte sich beim neuen König über das harte Joch und die hohen Steuern, doch Rehabeam verminderte die Lasten nicht, sondern versprach, sie noch zu erhöhen. Darüber zerbrach das Land. Denn als Rehabeam den Aufseher über die Zwangsarbeit aussandte, um noch mehr freie Israeliten zu Sklaven zu machen, da zog sich das Volk endgültig die gelben Westen an und steinige den Mann, sodass er starb. (1 Könige 12,18). Rehabeam selber bestieg eilends den Dienstwagen und floh. Von da an gab es das Nordreich Israel und das Südreich Juda. Gott, der durchaus ein Herz für Vielfalt hat, wollte es so. (1 Könige 12,24).
Das neuentstandene Nordreich Israel war ein permanenter Fall für die Tonne, nicht einer seiner Regenten bewährte sich, während das Südreich Juda immer wieder starke Könige hatte.
Immerhin.
Der Zerbruch eines zur Tyrannis gewordenen Staatswesens in seine Einzelteile ist keine Katastrophe. Wie gesagt, Gott liebt die Vielfalt. Auch die Pluralität der Nationen geht auf ihn zurück. Man denke nur an den Turmbau zu Babel.

Wie anders als Salomo ist doch der König der Könige:

"Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht." (Matthäus 11,28-30).

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