Gebet in demütiger Unverschämtheit am 21.6.2026

"Und siehe, eine kanaanäische Frau, die aus jenem Gebiet herkam, schrie und sprach: Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter ist schlimm besessen. Er aber antwortete ihr nicht ein Wort."

Hallo an diesem heißen Abend des ersten Tages im Sommer,

kaum zu glauben, doch der Frühling ist schon wieder vorüber. Und es ist heiß.
Sehr heiß.
Zumindest für unsere Verhältnisse.
In Afrika, Israel oder Oklahoma, wo ich auch schon war, ist es öfter und länger so warm, ganz zu schweigen von Florida, wo jetzt auch noch die Wirbelstürme dazukommen.
Egal.
Wem es wirklich zu warm ist, der sollte sich die Anschaffung einer mobilen Klimaanlage überlegen. Die sind ja zum Glück erfunden. Und erhältlich, auch bei uns. Ansonsten: nicht Panik schieben, sondern genießen. Die warme Zeit ist schnell genug wieder vorbei.

Letzte Woche ging's in meiner Gebetsmail um einen besessenen Knaben, den Jesus befreite. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag nun bin ich aufgewacht und musste an ein besessenes Mädchen denken, das Jesus auch befreite. Der Kontrast zwischen dem Knaben und die Mädchen könnte nicht größer sein. Hier haben wir es wieder mit einem dieser geheimnisvollen Zusammenhänge zu tun, dem Wort Gottes stecken und die einem nicht auffallen, wenn der Herr einen nicht mit der Nase drauf stößt.
Hier ist, was mir aufgefallen ist:
Vor der Befreiung des Knaben kommt Jesus von einem Berg, (dem Berg der Verklärung, wo er sich im Gebet auf den Dienst vorbereitet hat).
Nach der Befreiung des Mädchens geht Jesus auf einen Berg, (diesmal nicht zum vorbereitenden Gebet, sondern um Kranke zu heilen).
Beim Knaben kommt Jesus zu streitsüchtigen Theologen.
Bevor er dem Mädchen dient, geht er weg von ebensolchen Theologen.
Einmal kam ein Vater wegen seinem Sohn, einmal eine Mutter wegen ihrer Tochter. Beide waren verzweifelt.
Der Sohn war da, die Tochter abwesend.
Der Knabe war Israelit, das Mädchen eine Kanaanäerin.
Er hatte einen Bund mit Gott, sie hatte keinen Bund mit Gott.
Die Jünger: dem Vater konnten sie nicht helfen, der Mutter wollten sie nicht helfen.
Jesus sagte über den Knaben: Bringt ihn mir her!
Zur Mutter des Mädchens sagte er nicht ein Wort.
Der Vater rief: Wenn du etwas kannst, so habe Erbarmen mit uns und hilf uns!
Die Mutter rief: Herr, hilf mir!
Zum Vater sagte Jesus: Wenn du etwas kannst? Dem Glaubenden ist alles möglich.
Zur Mutter sagte er schließlich: O Frau, dein Glaube ist groß.
Es geht natürlich um die Heilung der Tochter der Kanaanäerin, wie sie in Matthäus 15,21-28 beschrieben steht. Die Frau kam aus der Gegend von Tyrus und Sidon.
Sie kam mit einem ernsten Anliegen, wurde aber von Jesus rundheraus ignoriert. Verblüffend, nicht?
Was tun, wenn der Himmel schweigt?
Jesu Schweigen war ein Test: Was glaubt sie wirklich?
Wer sich leicht entmutigen lässt, bekommt vermutlich nichts von Gott. Manchmal muss man dranbleiben, bis er reagiert. Das ist leider so.
Die Frau nahm an seinem Schweigen jedenfalls nicht Anstoß, sie hat ihr Gebetsleben nicht aufgegeben, hat sich nicht zurückgezogen, ist nicht in Hoffnungslosigkeit verfallen. Sie blieb dran.
Als Jesus dann endlich etwas sagt, ist es allerdings alles andere als erhebend. Seinen Jüngern hatte er zuvor schon gesagt: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Was sagt Jesus zu ihr persönlich?
Es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen.
Er nennt sie einen Hund.
Immerhin benutzt er das Wort für Schoßhund und nicht das Wort für Straßenköter. Doch mal im Ernst: Wer bitte lässt sich gern als Hund bezeichnen?
Erstaunlicherweise nahm die Frau ihm das nicht einmal übel. Sie war Kanaanäerin aus Sidonien, dem Heimatland des moralisch verkommenen Gottes Baal. Sie wusste, warum Jesus sie mit einem Hund verglich. Denn wenn sie an Baals "Gottesdiensten" teilgenommen hat, dann kann es sein, dass sie gar nicht genau wusste, wer der Vater ihres Kindes war.
Denn: warum kommt die Mutter zu Jesus und nicht der Vater?
Der Prophet Hesekiel wusste über die Gegend übrigens auch etwas interessantes zu sagen: Er spricht in Kapitel 28 seines Buches einmal vom Fürsten von Tyrus, einem Menschen, und einmal vom König von Tyrus, der definitiv kein Mensch ist, sondern ein gefallener Engel. Hier ist die Rede vom Teufel persönlich, der damals offenbar in der geistlichen Welt über Tyrus residierte, dem Ort wo Jesus damals urlaubte und wo sich diese Begebenheit zuträgt.
Diese Frau protestierte nicht. Denn sie war entschlossen, demütig und clever. Sie stritt nicht mit Jesus. Sie machte ihm keinen Sexismus-Rassismus-Kinderfeindlichkeitsvorwurf, weil er sie abblitzen ließ. Sie wollte Hilfe und sie wusste, dass er ihr helfen kann. Sie ist ergebnisorientiert. So studiert sie, was er zu ihr gesagt hat, und schaut, wie sie das verwerten kann.
Tatsächlich fällt ihr etwas auf.
Jesus hat sie Schoßhund genannt.
Die hatten Zugang zur Familie.
Und wenn Heilung das Brot der Kinder war und kein Hundefutter, dann war es doch trotzdem so, dass Kinder unweigerlich aufgrund ihrer kindlichen Tischmanieren etwas von ihrem Brot vom Tisch auf den Boden befördern würden. Das taugt dann nicht mehr für die Menschen, aber für die Hunde ist es alle Mal gut genug.
Diese Frau konstruierte aus den Worten Christi ihre eigene Heilungsverheißung.
Und wie reagierte Jesus?
Er war entzückt von ihrer Haltung, ihrer Entschlossenheit, ihrer Demut, und vor allem von ihrem Glauben, sodass er eben sagt: O Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst!
Wir halten fest: Jesus half hier einer moralisch durchaus fragwürdigen Frau, die kein Kind Gottes war, nachdem er ihr erst eine Absage erteilt hat.
Auf was will ich raus?
Wenn Gott ihr geholfen hat, dann hilft er uns, die wir Gottes Kinder sind und hoffentlich keinen fragwürdigen Lebenswandel pflegen, erst recht.
Und so beten wir heute noch einmal für unseren Heilungsgottesdienst am nächsten Samstag, dem 27.6.2026, ab 19:30 Uhr, dass er sich als der Lebendige erweisen möge und sich über die Kranken erbarmt. Möge er die Richtigen ziehen, sodass sie gerettet und geheilt werden.

Ich wünsche euch eine zuversichtliche Zeit im Gebet nachher von 20:00 Uhr bis 20:30 Uhr,

euer Pastor Gert

"Und ihre Tochter war geheilt von jener Stunde an." (Matthäus 15,28).

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