Sonntag, 10. Juni 2018

Trump, der Zoll, die Strafe und die Lücke in der Presse

"Im Recht scheint, wer in seiner Streitsache als erster auftritt, bis sein Nächster kommt und ihn ausforscht."
Sprüche 18, 17.

Seit einiger Zeit entnehme ich der Presse, dass US-Präsident Trump „Strafzölle“ auf bestimmte europäische Waren verhängt hat.
Ein hartes Wort, nicht wahr.
Das sei schläächt. (In der Tat. Ich als Freihandelsfan mag Zölle auch nicht). Warum genau er das tat, war den Artikeln jeweils nicht wirklich zu entnehmen. Die waren stets so geschrieben, als habe der pöhse, pöhse Mann aus einer seiner schlümmen Launen heraus beschlossen, die Europäer zu „bestrafen“, einfach weil er das kann, fies ist und nicht an den Welthandel glaubt. Weil er etwas gegen Europäer hat. Und Kanadier. Und andere Verbündete.
Einfach weil er Trump ist.
Heute endlich hat sich ein Journalist erkühnt, (nicht ohne rhetorische Verrenkungen), und die Gründe für Trumps miese Laune schwarz auf weiß wiedergegeben:
Die europäischen Zölle sind Trump zu hoch.
Die Europäer erheben beispielsweise auf US-Autos einen viermal höheren Zoll als umgekehrt die Amerikaner auf europäische Autos. Der Unmögliche (also Trump, das Trumpeltier, der Migrant in dritter Generation mit deutschen Wurzeln) findet das unmöglich und will, dass die Europäer gefälligst ihre Zölle senken. Tun sie das nicht, verhängt er eben „Strafzölle“, bis les Européens sich bewegen.
Ich will ganz offen sein: Ich kann das irgendwie nachvollziehen.
Die Europäer zocken die Amis ab und regen sich auf, weil die sich seit neuestem dagegen wehren. Man wundert sich manchmal über die Schafsgeduld unserer Cousins in Übersee.

Es kommt schon mal vor, dass ich mir von hier aus der fränkischen Provinz Hemden in den USA bestelle. Das tue ich deshalb, weil ich dort Ärmellänge und Kragenweite so kombinieren kann, dass mir das Hemd auch passt. Bei deutschen Hemden ist das immer eine Glückssache bei mir, denn hierzulande kann man diese beiden Größen eben nicht miteinander kombinieren und die Ärmel sind mir standardmäßig zu kurz, von der Rückenlänge ganz zu schweigen. Dafür sind diese Hemden, die selten passen, hierzulande dreimal so teuer wie in den USA und von schlechterer Qualität, (obwohl beide Hemden höchstwahrscheinlich in denselben asiatischen Fabriken genäht werden). Trotz Versand und Zoll sind diese passgenauen Hemden aus den USA für mich nicht teurer, ja meist sogar billiger, als die Hemden im Laden um die Ecke. (Und bitte: Wir sprechen hier nicht von Luxusartikeln).
Warum ist das so?
Wir leben halt in einem ausgesprochenen Hochsteuerland und regen uns nur deswegen nicht auf, weil wir es nicht anders kennen.
Es lebe der Freihandel.
Europäer, senkt eure Zölle!

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