Dienstag, 5. Juni 2018

Arm im Geist?

"Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel."
Matthäus 5, 3.
"Glückselig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes."
Lukas 6, 20.

„Pastor, Armut ist doch etwas Schlechtes. Warum nennt Jesus die Armen glückselig? Und was genau ist ein Armer im Geist?“

Natürlich ist Armut ein Fluch und kein Segen.
Die Armen haben gegenüber den Reichen aber einen geistlichen Vorteil: Sie sind unbelastet von den Sorgen, die der Mammon mit sich bringt. Sie kleben nicht an der Scholle. Sie sind flexibel. Wenn Jesus sie in die Nachfolge ruft, dann kommen sie, denn sie haben nichts zu verlieren.
Zumindest war das bei mir so.
Bei Reichen ist das nicht immer sicher, wie Matthäus 19, 24 zeigt, wo ein reicher junger Mann Jesus stehen ließ, als der zu ihm sagte, „Gib alles weg und komm und folge mir nach.“ Als er wegging, sagte Jesus den berühmten Satz: „Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als daß ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.“ Geld ist nämlich (für sehr viele) ein prima Gottesersatz.

In Lukas 14 ist Jesus bei einem Obersten der Pharisäer zum Essen eingeladen. Dort ruft jemand, „Glückselig wer Brot essen wird im Reich Gottes!“ (Man beachte die Ähnlichkeit des Ausrufs mit der Seligpreisung aus Lukas). Der Herr ergreift die Gelegenheit beim Schopf und bringt sofort ein Gleichnis, (das den Vorteil hat, die Seligpreisung auch gleich korrekt auszulegen). In dem Gleichnis geht es um einen Menschen, der ein großes Gastmahl machte und viele einlud.
Doch als es soweit war, wollte keiner der Geladenen kommen.
Der eine behauptete, einen Acker gekauft zu haben, den er nun besehen müsse. (Eine Ausrede! Denn welcher Doldi kauft einen Acker ohne ihn vorher angeschaut zu haben?) Der Mann war nicht arm, er konnte sich einen Acker leisten. Und nun stand sein Besitz zwischen ihm und der Teilnahme am Gastmahl. Wäre er arm gewesen, wäre er garantiert gekommen. Die Armen lieben Gratisfestmahle.
Zwei weitere Kandidaten hatten genauso lausige Ausreden.
Mit zornrotem Kopf beschloss der Gastgeber, die Geladenen, die sein Mahl verschmähten, wieder auszuladen und seine Leckerbissen anderen zu geben.
Wem?
Er „sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und bringe die Armen, usw. herein!“ (Lukas 14, 21). Da haben wir sie wieder!
Die Armen.
Der Gastgeber im Gleichnis ist natürlich Gott, das Gastmahl ist Jesus, bzw. sein Dienst, bzw. das Reich Gottes. Die Armen folgten Jesus in großen Mengen. Die Schriftgelehrten und Pharisäer lehnten Jesus größtenteils ab.
Warum?
Die Pharisäer verhöhnten ihn, weil sie reich und geldliebend waren. (Lukas 16, 14). Sie waren bereits besetzt. Den Platz, den Gott in ihrem Leben haben sollte, den hatte ihr Besitz inne. Sie waren an materiellen Dingen mehr interessiert als an geistlichen. Sie waren nicht arm. Wären sie arm gewesen, hätten sie sich Jesus vielleicht zugewendet.
Wohlstand hat also auch problematische Seiten.
Er kann geistlich lähmen.
Muss er aber nicht.
Und hier kommen die Armen im Geist ins Spiel.

Was ist ein Armer im Geist?
Das ist ein Reicher, der sich eine gesunde Distanz zu seinem Besitz bewahrt hat. Ein Wohlhabender, der noch auf Gott reagiert. Jemand, dem Gottes Festmahl wichtiger ist als ein neuer Acker. Zachäus zum Beispiel, oder Josef von Arimathäa, oder Martha und Maria, oder Lydia von Thyatira. All diese Leute wussten sich Gott mehr verpflichtet als ihrem Geld.

Gleich nach dem Essen beim Pharisäer (und dem Gleichnis vom Gastmahl, in dem die Reichen sich selbst von der Teilnahme disqualifiziert haben, (indem sie nicht hingingen)), zieht Jesus weiter und wendet sich an die ihm nachfolgende Volksmenge. Er spricht über die Bedingungen der Nachfolge und die gipfeln in diesem Satz:

"So kann nun keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein." (Lukas 14, 33).

Allem entsagen heißt nicht zwingend, alles weggeben. Es bedeutet vielmehr, bereit zu sein zu gehen und sich vom Mammon nicht behindern zu lassen, wenn Jesus mit einem Auftrag kommt. Die Bereitschaft, notfalls alles wegzugeben, ist schon vorhanden. Tatsächlich alles wegzugeben wird in den seltensten Fällen nötig sein. Barnabas hat dies freiwillig getan, bevor er zu seiner Apostelmission aufbrach. König David hat seinen gesamten Besitz für den Bau des Tempels gestiftet, den sein Sohn Salomo dann errichtete.

Außerdem greift Jesus das Gleichnis auf, das er direkt im Anschluss an die Seligpreisungen in Matthäus ebenfalls bringt: "Das Salz nun ist gut. Wenn aber auch das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gewürzt werden? Es ist weder für das Land noch für den Dünger tauglich; man wirft es hinaus. Wer Ohren hat zu hören, der höre." (Lukas 14, 34-35).
Falsch verstandener Wohlstand kann fade machen. Spätestens dann ist er in Gefahr.

So verhält sich das mit den Armen.
Und den Armen im Geist.

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