Donnerstag, 4. Januar 2018

Berechtigte Kritik?

"Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ich sage euch, wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien."
Lukas 19, 40.

„Pastor, mit der freikirchlichen Liturgie habe ich so meine Probleme. Die Musik ist laut, manche, vor allem Frauen, heben beim Singen entrückt die Hände und setzen leuchtende Gesichter auf. Sehr emotional. Da ist mir eine nüchterne Messe tausendmal lieber.“

Deine Vorlieben und Abneigungen in Ehren. Sie mögen kulturell bedingt sein. Die Frage ist jedoch:
Was ist Gott lieber?
Der Lobpreis im Alten Testament war jedenfalls eine sehr geräuschvolle Angelegenheit, so richtig mit Pauken, Zimbeln und Trompeten. David und ganz Israel tanzten sogar vor Gott mit aller Kraft. (1 Chronik 13, 8). Vielleicht taten sie das ja ganz nüchtern und vernünftig, immer bestrebt, nur nicht emotional zu werden. Doch darauf will ich hier gar nicht eingehen.
Ich zitiere vielmehr ein Wort Jesu.
Im Neuen Testament wurde Jesus genau einmal dazu aufgefordert, seine allzu lauten und viel zu freudigen Jünger wegen ihrer Lobpreisbekundungen zurechtzuweisen. Als diese sich nämlich bei seinem Einzug in Jerusalem an alle seine Wunderwerke erinnerten, die sie von ihm gesehen hatten, "fing die ganze Menge der Jünger an, mit lauter Stimme freudig Gott zu loben." (Lukas 19, 37).
Und Jesus wurde prompt aufgefordert, dies zu unterbinden.
Von wem?
Von besonders pietätvollen Pharisäern.
Eine solche Szene taucht einmal in der Bibel auf. Sie drückt deshalb alles aus, was zum Thema zu sagen ist. Nämlich folgendes: Wer Zurückhaltung fordert, muss sich fragen, ob er sich hier nicht mit den Pharisäern gemein macht. Die Pharisäer sind immerhin die Gruppe, über die Jesus sieben Wehe ausgerufen hat. Sie wurden ihm und dem jungen Christentum zu mörderischen Feinden.
Jesus hat seinen Jüngern mitnichten den Jubel verboten. Vielmehr sagte er: „Ich sage euch, wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien.“ Manchmal muss offenbar geschrien werden vor Begeisterung.
Über die Stadt der Pharisäer hingegen weinte er, (gleich im nächsten Vers): „Wenn auch du an diesem Tag erkannt hättest, was zum Frieden dient! Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen.“
Wer Gutes von Gott erlebt hat, der darf sich auch lautstark darüber freuen. (Oder leise. Der Herr zwingt uns hier zu nichts). Ich werde den Leuten das Singen und Händeheben auf jeden Fall nicht verbieten.
Im Gegenteil: Ich mach mit.

"Ihr Völker alle, klatscht in die Hände! Jauchzt Gott mit Jubelschall!" (Psalm 47, 2).

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